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Sklavenhalter-Werbung

6. März 2007
von

dolce_gabbana.jpgIst man ein Spießer, wenn man eine werbliche Vergewaltigungsphantasie eine werbliche Vergewaltigungsphantasie nennt? Darf Werbung, wie Satire, wirklich alles? Welcher Hirni kommt auf die Idee, aus einer Werbekampagne auch noch billiges PR-Kapital zu schlagen?
Wirbt Dolce & Gabbana mit einer Vergewaltigung?, fragt die „FAZ“ . Autor Paul Ingendaay versucht der Frage, die er selbst stellt, mit dialektisch-merkwürdiger Kulturkritik beizukommen.

Beispiel 1:

Der hemmungslosen Geständnis- und Entschuldigungssucht unserer Zeit entspricht eine ebenso hemmungslose Entschuldigungsforderungsmanie. Dabei geht es längst nicht mehr um die Frage, ob die Sache anstößig sei – das liegt so sehr auf der Hand, dass es banalisierend, also strafmildernd wirken müsste -, sondern um kollektive Gängelungspraktiken, die kaum weniger widerwärtig sind als die Sache, die sie zu bekämpfen vorgeben.

Beispiel 2:

Und wie wäre es damit, den Import von Sklavinnen für den spanischen Prostitutionsmarkt energischer zu bekämpfen und rechtlosen Immigrantinnen zu Hilfe zu kommen? Die Liste ließe sich verlängern. Und dann, wenn das alles erledigt ist (aber erst dann!), mag sich Zeit finden, gegen ein Werbefoto auf die Barrikaden zu steigen.

Ja, lieber Paul Ingendaay. Sicher gibt es Wichtigeres, als gegen ein Werbefoto auf die Barrikaden zu gehen. Aber vielleicht muss und sollte man gerade weil es Wichtigeres als Werbung gibt, gegen die Bilder angehen, die den vermeintlich schönen Schein ästhetisierender Gewalt mit ganz profaner Produktanpreisung kombinieren. Darin ist Dolce & Gabbana seit jeher Meister. Gerade deshalb ist es an der Zeit, Nein zu dieser Art der Werbung zu sagen.
von Volker Schütz

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Kommentare zu “ Sklavenhalter-Werbung ”

  1. Aerisch am 6. März 2007 um 20:50 Uhr

    Stimme dem Autor zu. Die Argumentation von Ingendaay ist äußerst naiv. Sicher, es gibt immer noch größere Probleme, die es anzupacken gilt.
    Aber das darf wohl kaum als Ausrede gelten, die Misstände direkt vor der eigenen Haustür zu übersehen. Und diese D&C Werbung ist ganz sicher solch ein Misstand.

  2. Paule am 7. März 2007 um 09:27 Uhr

    Reine Provokation und ein absoluter Misstand!!
    Solche Werbung WILL ICH NICHT SEHEN!!!

  3. Julia am 8. März 2007 um 15:46 Uhr

    Auch ich stimme der Kritk voll und ganz zu, denn Herr Ingendaay übersieht, dass es zwischen den von ihm genannten Missständen durchaus Zusammenhänge gibt.

    Wer Vergewaltigungsphantasien und Gewalt gegen Frauen ästhetisch glattgebügelt als Werbebotschaften daherkommen lässt, verharmlost und instrumentalisiert diese und trägt GERADE NICHT zu einer größeren Sensibilität gegenüber (natürlich schwerwiegenderen) Missständen wie Zwangsprostitution und häuslicher Gewalt bei.

    Jeder der nicht naiv oder ein Zyniker ist, sollte deshalb in der Tat “Nein” zu solcher Werbung sagen.

ivw