Der neue Trend: Second-Life-Bashing
Kaum ein Thema im Web 2.0 ist derzeit so EnVogue wie die kritische Blick auf Second Life. Eine leere Rammelbude für Cybersex-Maniacs und gelangweilte Journalisten, lauten grob gesagt die Vorwürfe die ausführlich hier oder hier breitgetreten werden.
Dabei zeigen alle jene, die sich mit Weltuntergangsgerede in Sachen Pixeluniversum hervortun, dass sie kaum über die eigene Tastatur hinaus blicken können.
Entscheidend ist nicht, ob Second Life überleben wird, genauso wenig wie die Existenz von Napster für die Zukunft von Musik-Downloads relevant war. Entscheidend ist vielmehr, dass Second Life eine Tür aufgestoßen hat.
Egal wie die Modelle also künftig heißen werden, es ist das Konzept der Realitätsflucht in einen virtuellen Raum dem die Zukunft gehört und das dem Angebot der Realitätsflucht per TV letztlich auf Dauer überlegen ist.
Eben deshalb sind die Unternehmen (eine Übersicht gibts hier) unter anderem in SL. Nicht wegen SL selbst, sondern um zu lernen, wie sie in einem solchen System den Kunden künftig erreichen können – und zwar bevor sie ihn im TV endgültig verlieren.
Da stellt sich auch nicht die Frage, wie kontaktgestört SL-User sein müssen, dass die Partnerbörse Neu.de nun auch dort ihre Dienste anbietet. Erfolge: Zweitrangig. Neu.de zeigt damit einfach gegenüber Early-Adoptern in der SL und PR-Text-Lesern in der ersten Welt seine Innovationsfreude und Modernität.
Von Olaf Kolbrück
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Oh, ein SL-Gläubiger
Dass ich allerdings nicht über den Tellerrand schaue, das lasse ich nicht auf mir sitzen. Also: Wie ich auch im Gedruckten schrieb, ist SL in der Tat nur der Vorbote von etwas Größerem. Möglicherweise.
Allerdings ist die Flucht aus der Realität ja nur der kleinere Teil von Second Life. Die meisten Nutzer stellen sich dort so da, wie sie in der Realität sind. “Aber machen die sich nicht schöner?” mag da der eine oder andere fragen. Die Antwort lautet: “Nein”. Natürlich sind viele schöner, weil niemand in SL hässlich ist. Die meisten aber entwerfen einen Avatar, der ihrer realen Persönlichkeit in weiten Zügen entspricht. Und: Sie kommunizieren auch ähnlich. Insofern ist für einen großen Teil der Nutzer die Flucht aus dem First Life eine Flucht in First Life 1b.
Dass Unternehmen aber dort “ihre Kunden finden”, bestreite ich. Zum einen, weil die Kunden schon rein quantitativ nicht da sind. Zum anderen, weil die Repräsentanzen der Unternehmen so leer sind wie eine Kleinstadtfußgängerzone um 3 Uhr morgens.
Selbst das Argument: “Die sammeln doch Erfahrungen” lasse ich nicht richtig gelten. Warum wollen Unternehmen ausgerechnet in SL Erfahrung sammeln, halten sich aber aus vielen anderen Teilen des Internet (in denen die Kunden tatsächlich erreichbar wären) raus? Die böse Vermutung eines Werbers, den ich kenne, ist: Da wollen Berater und Werber einfach mal ausgiebig mit SL rumpingeln und das auf Kosten ihrer Kunden/Arbeitgeber.
Einverstanden, dann ist es halt ein großer Teller
Spaß beiseite: Ich glaube allerdings schon, dass die Avatare, eine deutliche Überhöhung der realen Person sind. Und damit ist dieses Wunschdenken für Marketers durchaus interessant. Dass sie so kommunizieren wie im daily life widerspricht dem ja nicht, keiner kann sprachlich aus seiner Haut.
Obendrein bin ich überzeugt, dass nicht die Masse der Kunden entscheidend ist, sondern ihre Qualität:
Vorsicht: Mafo-Schlagworte: Also die Early-Adopter, Moderne Performer, Hedonisten, Experimentalisten undsoweiterundsofort.
Für solche Kontakte und ist SL ein idealer Brutkasten, eine kleine Spielwiese und Forschungslabor, ohne dass den Unternehmen gleich jeder Fehler in Sachen Markenintegrität eine Delle im Image einträgt.
Dass Werber und Berater gerne in SL rumpingeln, hat vielleicht einen wahren Kern. Doch angesichts des Pensums das manche Kunden den Agenturen abverlangen, gibt es sicherlich schnellere Wege zur Entspannung
Also ich bin auch der Meinung, dass alle Aktivitäten der Unternehmen rein gar nichts bringen werden. Viele SL-User tummeln sich einfach nur zum Spaß in der virtuellen Welt herum. Sie wollen zum Beispiel nur mal ausprobieren, wie sich ein Auto in der SL-Welt fährt. Aber ihr wollt mir doch nicht wirklich weiß machen, dass man deshalb auch das Auto in der realen Welt probefahren möchte???
Meiner Meinung nach bildet die virtuelle SL-Welt auch kein Abbild irgendeiner Gesellschaft, da sich eine Gesellschaft nicht nur aus Usern vor der Tastatur zusammensetzt. Und somit wird jedes Experiment, Markentest oder wie auch immer hinfällig und nutzlos.
Ist ja nicht so, dass sich niemand darum gekümmert hätte, was es denn bringen KÖNNTE, in SL dabei zu sein. Z.B. hier: http://klauseck.typepad.com/pr.....e_whi.html mit Link zur Studie.
Als Experimentiertfeld von Marketing und PR ist SL doch lustig – vor allem für Unternehmen, die gern Geld und Resourcen verschwenden…