Twitter: SMS plus Ecstasy
Ich bin kein Fan von Twitter. Dennoch muss man sich fragen, ob das Konzept nicht womöglich tatsächlich das Potenzial zu einer der ganz großen Mainstream-Anwendungen hat. Und ich glaube, das hat es. Die Gründe liegen eigentlich auf der Hand: Es ist SMS mit Ecstasy.
Um das zu verstehen, muss man kurz zurückgreifen, auf einen Satz von Katharina Borchert in dem Taz-Interview dieser Tage:
“Gemeinschaftserlebnisse, wie es früher noch “Wetten, dass …” war, wird es bald nur noch alle vier Jahre geben – nämlich die Fußball-WM. Der Rest wird unter den Tisch fallen. Wobei die Trennung nicht hauptsächlich zwischen Wirklichkeit und Blogosphäre verläuft. Wenn ich mich nur in Strickblogs rumtreibe, dann besteht meine Welt auch nur aus Strickblogs – da findet die Fragmentalisierung auch innerhalb der Blogs selber statt.”
Exakt. In meiner Jugend (räusper) fand die gemeinsame Verortung in der Schule noch in der kollektiven Nachbetrachtung von “Dallas” statt.
Das war die Zeit, als Telefone noch Wählscheiben hatten und morgens bestenfalls Schulfernsehen lief.
Und heute: Bestenfalls zwei Leute im Büro schauen das gleiche Programm. Nur Harald Schmidt gelang es noch eine zeitlang zumindest ein gewissen intellektuelles Gemeinschaftsgefühl zu erzeugen.
Das elektronische Lagerfeuer glimmt nur noch. Und sonst?
Fehlanzeige. Die Vergemeinsamung findet abgesehen von Marken nur noch via SMS statt. Auch das Dating läuft in all seiner neuen Unverbindlichkeit nur noch über SMS.
Und Myspace? Letztlich ist die Community viel zu groß und zu unflexibel, um dem täglichen rein und raus bei Treffen und Terminen noch zu folgen.
Twitter ist dagegen letztlich die ins Web geschwappte SMS: Hier bin ich, das mache ich, folge mir oder mach was anders.
Ich zeige meine Clique und Fremden wer ich bin und was ich tue.
Ich schlürfe um 18 Uhr Eiskaffee an der Zeil. Das kann eine unverbindliche Einladung sein. Der kann jemand folgen, wenn er meint, das auch die sonstigen Angaben sein Interesse wecken.
Twitter führt somit heraus aus dem Nischen-Kosmos hinein in stets wechselnde Mini-Communitys. Die Welt wird spontaner.
Obendrein befriedigt Twitter höchst simpel die Sehnsucht nach Profilierung.
Und was die einzelnen Bewegungsprofile für die Marktforschung und Marketer bedeuten können, will ich mir dabei noch gar nicht mal ausmalen. Ganz zu schweigen von den Optionen für virale Kampagnen. ich wette, in spätestens einem Jahr sehen wir die ersten Aktionen mit Twitter.
Ungeordnete Gedanken, zugegeben. Wer es sortierter haben will mit 17 sinnvollen Anwendungen finden dazu das passende beim Webworkblogger. Dort gibts auch jede Menge weiterer Links.
Und wem das alles noch nicht reicht, um zu glauben, dass Twitter das Zeug hat, etwas ganz großes zu werden: Robert Basic sucht schon ein Copycat
Von Olaf Kolbrück























Zumindest erinnert das Twitter-Spiel sehr stark an die exzessive Nutzung von Blackberrys… Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass schon bald interessante wirtschaftliche Anwendungen auf der Basis von Twitter erstellt werden. Leider ist Twitter momentan noch sehr instabil, weil so viele Nutzer darauf zugreifen wollen. Die häufigste Frage auf Twitter lautet übrigens: Wozu braucht die Welt Twitter? Wieso tue ich mir das eigentlich an…
Das klingt jetzt vielleicht philosopisch: Aber in dem Moment, wo alle nur noch Monaden-haften Existenzen nachgehen ist Aufmerksamkeit der wahre Luxus. Um (nahezu) jeden Preis.
Es ist eher “SMS auf Ecstasy” und mitunter nervend. Der ganze Hype um so ein Soielzeug.
Niemand muss dem Twitter seine Zuneigung schenken, aber es hat schon ein gewisses Suchtpotenzial.
Aufmerksamkeit fordert heute einen hohen Preis: den der Ablenkung von den eigentlichen Aufgaben, so dass wir allzu schnell noch viel länger im Büro verweilen und uns darüber wundern…
Suchtpotenzial? Wonach denn bitte? Danach, dass ich anderen Leute sage, was ich gerade mache? Also ich finde, dass Twitter total der Müll ist. Außerdem nähert man sich damit immer mehr an das Ende der persönlichen Kommunikation an.
Und wenn ein Freund Eis essen geht und mich dabei haben möchte, wird er mir dass schon sagen. Beim Naseputzen verzichte ich gerne…:)