HORIZONT.net HORIZONTjobs HORIZONTpeople HORIZONTstats

Wo aalen sich Werber?

23. März 2007
von Olaf Kolbrück

Was mich täglich rätseln lässt, ist die Frage, warum es keinen ausgewachsenen Marktplatz und keine Community für die professionelle Kreation von Werbekampagnen gibt. Wo bleibt das kreative Wiki, in dem Unternehmen die Crowd-Wisdom freischaffender, arbeitsloser oder auch mutiger Agenturen nutzen? Was auf diesem Feld geboten wird, ist ja kaum mehr als ein skurriler Testballon.

bild1.jpgSicher, es gibt Zooppa.com. Doch ist das mehr als eine hemdsärmelige Lösung mit Amateurbeteiligung, die sich eher für den Fischhändler an der Ecke eignen dürfte. Nicht viel besser sind auch fast schon 1.0 anmutende Mitmachaktionen wie der Design-Wettbewerb von Becks. Auch Mini-Fans durften auf Aufforderung mal ein paar Werbeclips drehen (find ich jetzt gerade nicht). Außerdem fallen hier wie dort kaum mehr als Brosamen und ein Händedruck für die Teilnehmer ab. Beides scheint mir auch bestenfalls für One-Shots sinnig. Weniger aber, wenn Marken an einer langfristigen Kampagnen-Begleitung interessiert sind.

Ich denke aber eher an einen dauerhaft etablierten Marktplatz der Professionals, ein Ort für nach dem Aal-Prinzip aalende Werber, der damit über die Gedanken, die sich der Werbeblogger zu Open Source Werbung gemacht hat hinausreichen dürfte, und als direkte Anlaufstelle für Unternehmen dient. Sicher könnte dieser Marktplatz durchaus auch offen für ambitionierte Laien sein – in der einzelne oder wechselnde Gruppen kreative Lösungen erarbeiten, die mehr sind als ein schnell zusammengestoppelter Film für Youtube. Sinn wäre aber, dass sich in solch einer Community jene zusammenfinden, die neben einer witzigen Idee auch Verständnis für Markenführung und Positionierung mitbringen. Doch vielleicht ist kein Server in der Lage ,die großen Egos mancher Werber zu tragen.

Damit niemand das falsch versteht: Es soll keine Jobbörse sein, sondern ein Marktplatz der Ideen, auf dem um Lösungen gerungen und diskutiert wird.

Wie dem auch sei: Wie sinnvoll kann ein Markplatz sein, in dem Unternehmen wie Procter & Gamble die Community auffordern, die nächste große Kampagne zusammenzustricken, oder zumindest mitpitchen lassen — und das auch entsprechend honorieren? Sicherlich wäre gerade die Kohle ein Knackpunkt. Wie ist die Honorierung geregelt — ohne das ein solcher Marktplatz von Unternehmen für das Preisdumping genutzt wird? Vor allem aber: gibt es einen Bedarf? (Ach ja, ich bastele nicht an einer entsprechenden Businessidee).

Möglich sein sollte es schon. Erste Schritte, die vom klassischen Agneturmodell wegführen, gibt es bereits: Immerhin arbeitet Ikea schon mit einem sogenannten Agenturpool, bei dem viele Agenturen mitmischen und wechselnde Aufträge erhalten. Bei den Agenturen selbst wird ebenfalls neu gedacht: Draftfcb lässt, wie der Fischmarkt kritisch beobachtet, immerhin schon interdisziplinäre Teams antreten.
Von Olaf Kolbrück

Teilen und aufbewahren Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • TwitThis
  • Facebook
  • del.icio.us
  • MisterWong
  • email
  • Y!GG
  • Wikio DE
  • Webnews
  • Digg
  • Alltagz
  • StumbleUpon
  • Linkarena
  • LinkedIn
  • Bloglines

Ähnliche Artikel

Tags: , , , ,

Kommentar zu “ Wo aalen sich Werber? ”

Trackbacks

ivw