Peter Turi: “Mir ist nichts peinlich”
Am 1. April 2006 startete der Medienjournalist Peter Turi seinen Blog Turi2 mit hochfliegenden Erwartungen. Inzwischen ist er auf dem Boden der Tatsachen angekommen. Zeit für eine Bilanz im Interview mit off-the-record, in dem der Journalist erklärt, was er an Motzbloggern mag, warum Don Alphonso keinen Apfelkuchen bekommt und ihn sein Abgang bei Medien 2.0 nicht stört.
Off the record: Du bist vor einem Jahr mit dem Satz gestartet: „Turi 2.0 — der Branchendienst für die digitale Welt“. War das nicht etwas vollmundig?
Peter Turi: Viel zu großspurig – dafür schäme ich mich heute. Für die paar hundert Freunde, Bekannte und Verwandte, die ab und an vorbeischauen, ist der aktuelle Claim „turi2 — für Medienmacher“ noch viel zu hoch gegriffen.
Off the record: Also ist der Blog nur noch ein Privatvergnügen?
Turi: Ein öffentliches Vergnügen.
Off the record: „Bloggen macht süchtig, dick, aggressiv und kurzatmig, stiehlt Lebenszeit und bringt am Ende nix ein“: Original-Ton Turi. Warum hörst du dann nicht auf?
Turi: Um mir das Gegenteil zu beweisen.
Off the record: Wie viel Zeit investierst du in die Blogs Turi2 und Küchenruf?
Turi: 4 Stunden und 4 Minuten pro Tag.
Off the record: Peter Turi ist eine beliebte Zielscheibe der Motzblogger. Warum?
Turi: Motzen ist eine Form der Liebe, Motzbloggen ist ein Betteln um Zuwendung. Mit Don Alphonso, dem König der Motzblogger, verbindet mich beispielsweise ein inniges Verhältnis. Er beschäftigt sich sehr intensiv mit mir, schreibt Sachen wie: „Was machen eigentlich Kabel, Turi, Samwer und Baron, diese Arschgeigen?“ Auf diese Weise hat er mich gut eingeführt in die Blogosphäre. Kürzlich sagte ein junger Kollege: „Du bist also der berühmte Peter Turi — aber ich hab keine Ahnung, was du machst.“ Am liebsten würde ich Don jedesmal, wenn er mich hübsch beleidigt, einen selbstgebackenen Apfelstrudel nach Ingolstadt schicken. Aber ich lass es, weil er ohnehin für sein Gewicht eine Elle zu kurz geraten ist.
[Das von Turi genannte Zitat von Don Alphonso über Turi und andere ist frei erfunden. Olaf Kolbrück]
Off the record: Wer hat mit dem Streit angefangen?
Turi: Eindeutig Don — schon 2001, und danach immer wieder. Ich habe extra mit dem Bloggen begonnen, um mich bei Don angemessen zu bedanken. Und jetzt fragen mich die Old-Media-Manager auf Kongressen: „Wer ist denn dieser Kerl, mit dem sie im Blog immer streiten?“ Es ist also ein Gefallen, den wir uns gegenseitig tun, um in dem jeweils anderen Milieu noch bekannter zu werden.
Off the record: Was stört dich am Motzen?
Turi: Nichts, wenn es mit Herzblut und Ausdauer betrieben wird.
Off the record: Den Bildblog magst du allerdings nicht. Warum?
Turi: Er langweilt.
Off the record: Ist das Verhältnis zum Blogmacher Stefan Niggemeier etwa immer noch angespannt?
Turi: Ach, der Stefan, der Reich-Ranicki der Trash-Kultur. Eigentlich ein junger Mann mit Talent, leider verschwendet er es an Unterschichten-Fernsehen und eine Gossen-Zeitung.
Off the record: Wieso ist ein Watchblog über „Bild“ vertane Zeit?
Turi: Ich werde nie kapieren, warum sich jemand tagaus, tagein auf einen Misthaufen stellt und jeden Tag aufs Neue kräht: „Kikeriki, es stinkt!“
Off the record: Im Internet werden gern gescheiterte Unternehmungen und Fehler anderer hochgehalten. Woher kommt diese seltsame Kultur?
Turi: Keine Ahnung. Ich erfahre in den Blogs nur Liebe und Zuwendung.
Off the record: Wie bitte? Gerade du bist doch für Blogger wie Don Alphonso der Vorzeige-Pleitier 2.0?
Turi: Der hofft immer noch, dass ich ihm Apfelstrudel schicke. Nein, im Ernst: Pleitier ist in Bezug auf meine Person keine Beleidigung, sondern eine Tatsachenbehauptung, die jeder Überprüfung standhält.
Off the record: Du interviewst derzeit der Reihe nach A-Blogger. Die Interviews reißt du auf deinem Blog an, komplett erscheinen sie auf der Plattform Readers Edition, mit der der Ex-”Netzeitung”-Macher Michael Maier Bürgerjournalismus etablieren will. Warum dort?
Turi: Warum nicht?
Off the record: Du hast dafür ein Honorar bekommen, was bei Readers Edition unüblich ist. Wie kam es zur „Lex Turi“?
Turi: Keine Ahnung.
Off the record: Du willst es nicht sagen?
Turi: Ich weiß es einfach nicht. Wahrscheinlich hat der Maier sich gesagt: Ohne Geld wird’s der Turi nicht machen. Völlig zu Recht übrigens.
Off the record: Wie hoch war das Honorar?
Turi: Nach harten Verhandlungen: 60 Euro pro Interview.
Off the record: Beim geplanten Online-Kommunikationsfachdienst Medien 2.0 schien für dich als Geschäftsführer mehr drin zu sein. Doch aus der Zusammenarbeit mit Dirk Manthey, Gründer der Verlagsgruppe Milchstraße, wurde nichts. Ihr habt euch noch vor dem Start getrennt. Enttäuscht?
Turi: Nein. Ich hatte von Anfang an zwei Investoren, die etwas mit mir machen wollten. Jetzt nehme ich halt den anderen.
Off the record: Konkreter, bitte.
Turi: (lacht) Nö.
Off the record: Wie wird dein Beitrag für Medien 2.0 aussehen?Turi: Ich werde alle verfügbaren Daumen drücken.
Off the record: Du arbeitest weiter als freier Journalist, bist du nun Blogger oder Journalist?
Turi: Ich bin Journalist und Unternehmer. Wenn ich ins Internet reinschreibe, benutze ich gern das beste Redaktionssystem, und das ist momentan Blog.de.
Off the record: Gibt es noch jemanden, für den du an dieser Stelle Werbung machen möchtest?
Turi: Ich möchte bei Journalisten und Bloggern dafür werben, möglichst oft Fernseher und PC auszuschalten und Kurt Tucholsky zu lesen.
Off the record: Was hat der Journalist Turi von Bloggern gelernt?
Turi: Dass die Zukunft der Medien die Community ist.
Off the record: Was liest du morgens als Erstes?
Turi: Die Zugriffszahlen von turi2.
Off the record: Worauf könntest du eher verzichten: Print oder Online?
Turi: Inzwischen ganz klar auf Print. Die Tucholsky-Gesamtausgabe natürlich ausgenommen.
Off the record: Dein peinlichster Blogbeitrag?
Turi: Mir ist nichts peinlich. Noch nicht mal, wenn ich mich im Chor versinge.
Zur Person:
Peter Turi, 46, arbeitet heute als freier Autor unter anderem für Fachmedien und Wirtschaftstitel. Von 1996 bis 2000 war Chefredakteur und Co-Verleger des Mediendienstes kressreport. 2000 stieg er bei Kress aus und gründete das Internethaus Heidelberg, deren Findsystem internet123.de allerdings floppt. 2001 kaufte er die Zeitung netbusiness. Das Projekt scheiterte nach wenigen Ausgaben.
Das Interview führte Olaf Kolbrück



















Das mir untergeschobene Zitat existiert nicht und existierte nie. Ich würde Sie dringend bitten, das entsprechend klarzustellen. Peter Turi lügt.
Super Interview, super Kommentar, mit das Beste was an dieser Stelle bis dato zu finden ist, weiter so! Vielleicht kann man ja aus den Alpha-Bloggern mal so etwas wie eine daily soap machen oder alle in einen Container stecken – Übertragungsrechte bei arte.
Richtige Interviews sind natürlich toll, darum gibts davon ja auch gerade so viele in Bloggersdorf bzw. im Speckgürtel von Bloggersdorf. Ein wenig Sorgen mache ich mir deshalb um das gute alte Stöckchen …
@Don Alphonso et all
Google und Technorati kennen die kombination “turi und arschgeigen” zumindest nicht. Vielleicht kann Turi das Zitat ja belegen.
Den Daily Motzblog, in dem sich alle Medienmacher, mal so richtig persönlich in die Pfanne hauen, würde ich sofort kostenpflichtig abonnieren. Gossip, Gerüchte und Schmäh, darauf wartet doch unsere Branche. Weiter so und Grüsse an Peter Turi von dieser Stelle.
Es gibt das Zitat nicht. Weil ich es nicht geschrieben habe. Was es gibt, ist dieser Beitrag, aber der ist erheblich anders als das, was Turi zusammengelogen hat. Es ist nicht neu, dass Turi einfach lügt, um Awareness zu bekommen. Und ich bin schon überrascht, dass Horizont so einen Unsinn ungeprüft übernimmt.
Ich habe in diesem Zitat zusammengefasst, was Rainer so schreibt. Ich habe weder Zeit noch Lust all die Beleidigungen rauszusuchen, die Rainer mir verehrt hat. Es geht hauptsächlich darum, dass er mich in einem Atemzug mit wirklich wichtigen Leuten der Szene genannt hat. Man lese mal das hier:
http://rebellmarkt.blogger.de/stories/511393/
und das hier
http://blogbar.de/archiv/2007/.....fs-zahlen/
So Rainer, schon wieder Werbung für Dich gemacht bei Leuten, die Dich gar nicht kannten, diesmal geht der Apfelstrudel an mich (ach so, Du kannst gar nicht backen – schade).
Herr Alphonso, jetzt wurde ihnen auch mal etwas untergeschoben !!!
Fühlt sich nicht so gut an oder ????
Aber so ist das nun mal, Sie schieben ja auch oft mal Sachen unter andere Menschen, ohne sich mit diesen richtig zu beschäftigen !!!
Alphonso sieht vor lauter Bäumen den Wald kaum oder nicht ?
Also wenigstens dieses Photo sollte Ihnen massiv peinlich sein, haben Sie denn da kein Besseres? Da fehlt ja nur noch das polizeiliche Nummernschildchen in Ihrer Hand.
Das Zitat ist (für mich erkennbar) keines, sondern eine recht freie (und deshalb umso treffendere) Paraphrase. Don Alphonso halluziniert.
Geht es eigentlich nur mir so, oder ist es weit verbreitetes Phänomen? Es gibt in der Blogosphäre kaum Erquicklicheres als Don und Turi beim Streiten zuzusehen.
Hört bitte nicht auf damit!
Lieber Herr Faltin!
Gossip und Gerüchte über die Kommunikationsbranche müssen nichts kosten:
http://www.clap-club.de
Liebe Clapper: Wohin schicke ich die Rechnung für die Werbung?
Klar, Herr Recke, dass Vertreter der PR immer eine Entschuldigung und nette Umschreibung für Lügner parat haben. Gibt es jetzt das Zitat oder nicht? Wenn nicht, bitte ich hier um eine journalistisch saubere Reaktion.
Herr Meyer, ich für meinen Teil habe da auch beim ersten Lesen kein wörtliches Zitat gesehen. Kann aber sein, dass man es als voreingenommener Leser auch so verstehen will.
Der Satz trifft jedoch, und das wäre die journalistische Erklärung (die zu geben mir hier selbstverständlich nicht zusteht), ziemlich auf den Punkt, was das Geschreibsel Ihres etwas außer Kontrolle geratenen Avatars Don A. angeht.
Getroffene Hunde…
brauchen ab und zu was aufs Maul, Herr Recke.
kläffen, wenn sie eins aufs Maul bekommen haben:
http://rebellmarkt.blogger.de/stories/735249/
@all
Zur Sache: Fakt ist: Das Zitat von Turi ist frei erfunden. Weitere Statements dazu sind unnötig und werden gelöscht. Über andere Aussagen von Turi darf gerne weiter debattiert werden.
Ob mal jemand einen Laden vor die Wand gefahren hat, geht mir – mit Verlaub – am Allerwertesten vorbei. Da finde ich doch viel interessanter, wenn ein WiWo-Schreiber Stelleninserate textet, die jedem geschulten Personalchef die Haare zu Berge stehen lassen.
Da hilft es auch nicht, wenn der Urheber dieser nur an Männer adressierten Stellenanzeige beteuert, dass ihm nichts peinlich sei.
Zumindest in den “Blog” Küchenruf wird nicht allzuviel Zeit investiert – alles alte Beiträge, die nur neu generiert werden.
net gefragt und net geantwortet.

besonders das zum motzbloger gefällt mir gut!
man muss sich ja nicht hassen um gescheit streiten zu können
und sicher ist es auch ein betteln um beachtung!
die frage ist nur wer bettelt da bei wem
ist aber auch egal! jeder mensch kämpft um beachtung und das ist ja auch nichts böses!
Schnarch. Der virtuelle Boxring für elitäre Blogger-Businesskasper-Journalisten? Es langweilt…