Spießer Alfons: Das Vergnügen der Werber auf Reisen
Vom Grundsatz her unterscheiden wir zwei Arten von Reisen: Vergnügungs- und Geschäftsreisen. Der Unterschied: Vergnügungsreisen sind steuerlich nicht relevant, auch wenn manch ein Manager das hin und wieder probiert. Und was die Reisen der Werber nach Cannes betrifft, so glaubt der zuständige Sachbearbeiter beim Finanzamt immer noch:
- 1. In Cannes wird gearbeitet und
- 2. Im Himmel ist Jahrmarkt.
Werber neigen gern dazu, Vergnügungsreisen als geschäftlich bedingte Reisen zu deklarieren. Da muss zum Beispiel der Packshot für eine Anzeige unbedingt auf den Fidschi-Inseln in der Südsee gemacht werden, weil dort dieses einzigartige Naturlicht flutet, das es hierzulande einfach nicht gibt. Aus diesem Grunde reist ein halbes Dutzend Agenturleute mit Fotograf, Assistentin, Location-Scout, Stylist und Leibkoch ans Ufer des Pazifischen Ozeans, um dort das besagte Foto zu erstellen. Und damit der Kunde, der das bezahlen muss, nicht neidisch ist, wird er mit ins Boot gesetzt, das zu einem Atolleiland fährt, wo man zwei Wochen lang hart arbeitet.
Ja, so isses. Oder so ähnlich. Wer das nicht glaubt, der betrachte die Anzeige von S.Oliver — siehe die Abbildung! Natürlich hätte man dieses Bild auch in jedem besseren Fotostudio in Deutschland knipsen können, und — wenn nicht gerade im Winter — auch am Timmendorfer Strand. Dann aber hätte man die frischen Kokosnüsse ja einfliegen müssen!
Und statt diese zehn Requisiten per Flieger kommen zu lassen, kann man ja auch gleich mit elf Personen nach Brasilien jetten, um dort am Strande der Copacabana das Foto zu schießen. Und damit der Kunde kein Problem hat, diese Geschäftsreise als solche bei seinem Finanzamt zu deklarieren, kam jemand auf die blendende Idee: Statt Werbetext setzen wir einfach den sachdienlichen Hinweis „photographed in Rio de Janeiro, Brazil“ in die Anzeige! Damit kann man dem Finanzamt gegenüber nachweisen, dass es sich um eine geschäftliche Reise gehandelt hat und nicht etwa um einen Urlaubstrip in die südliche Sonne.
Eines aber hat man unberücksichtigt gelassen, nämlich: Wenn der Sachbearbeiter vom Finanzamt fragt, für was mit dieser Anzeige eigentlich geworben wird, dann kann jeder Betrachter nur sagen: Für frische Kokosmilch! Und diesen Geschäftszweig muss S.Oliver dann noch nachweisen. Aber das wird der Firma bestimmt nicht schwerfallen, denn für Argumentationsbedarf hat man ja schließlich seine Werber, die kreativen!












Feiern und Saufen ist auch Arbeit! Harte Arbeit sogar.
Wer sagt denn, dass das Bild NICHT im Studio entstanden ist?
Hast Recht, Takatuka! Und es ist ja auch wichtig, dass die deutsche Werbung in Cannes eine Rolle spielt. Und nicht etwa in Cannstatt oder Gelsenkircen!
@ Dirk
Wenn dem so wäre, dann wäre das natürlich der absolute Hammer
Kein Hammer, aber clever. Dem Kunden wird hier selbstverständlich das Auslandsshooting berechnet und die Agentur macht bei nächster Gelegenheit einen ausgedehnten Betriebsausflug.
@ Dirk
Sag mal … Du bist nicht zufällig Mitarbeiter der betreffenden Agentur…?
Ähm… soll ich lügen? Da sag ich jetzt lieber nichts zu, sonst fällt am Ende noch der Ausflug flach!
wer hat denn etwas gegen gelsenkirchen?
Die verbotene Stadt.
da kommt wohl jemand aus der nähe von lüdenscheid…
Wusste gar ncht, dass es noch Leute gibt,die an das alte Klischee vom Werber beim Shooting glauben. Das mag in den 60er-90er Jahren so gewesen sein, heute fliegt die Mehrheit höchstens zum Compunter und zieht einen Photoshophntergrund ein.
@ Fieser Palfoms
Und Du meinst wirklich, die Werber von S.Oliver waren gar nicht in Rio, sondern haben das nur an den Rand der Anzeige gedruckt…?
Im übrigen: Nach Deiner Bemerkung schließe ich, dass Du seit den 90er Jahren keinen Einblick mehr hast in die Werbebranche.
ganz ehrlich: ich wär froh, wenn ich mal für ein shooting verreisen dürfte. und es ist doch besser, wenn ein kunde das geld für eine reise an die copacabana in den sand setzt, als es dem finanzamt zu schenken. der staat macht sich schließlich die tasche voll und will nichts zurückgeben von den mehreinnahmen. wenn sich also ein werber für seinen job den arsch aufreißt, dann kann er auch mal eine „geschäftsreise“ machen.
naja, das betrift vielleicht die Lead Agenturen. Aber die kleineren sind froh das sie die nebenkosten bezahlt bekommen. Also mal ehrlich die Mehrheit betrift dies auf keinen Fall…
Natürlich betrifft das eher die Lead Agenturen — gibt es denn noch andere?
@ Lars M. Lehmann
Wenn in der Zeitung etwas über Ladendiebe berichtet wird, dann bedeutet das doch nicht gleich, dass die Mehrheit der SB-Markt-Kunden zu den Ladendieben zählt!
fazit der geschichte: der spießer macht seinen namen alle ehre.
und alle werber fallen drauf rein.
apropos rio: wenn ihr ronald bernabas schill getroffen bitte gleich die hamburger polizei anrufen!
…damit die Hamburger Polizei auch mal einen Betriebsausflug macht?
Komm, Ansgar – nicht vom Thema ablenken