Bloggende Scheinheiligkeit
Gerade erst hat sich die Blogosphäre über die Schleichwerber von Coty aufgeregt, nun zeigt sich, dass auch in Klein-Bloggersdorf Zappas “We are only in it for the money” auf der ipod-Playlist ganz weit oben steht. Robert Basic hat nämlich ein Umfrageergebnis präsentiert, dass ihn “shocked”, Mediaagenturen aber selig verzücken dürfte. Zugespitzt lautet das Ergebnis: Blogger halten gerne die Hand auf, wenns sein muss auch heimlich.
Seine Frage lautete:
“Ab welcher Summe würdet Ihr ein oder mehrere Blogpostings auf Eurem Blog schreiben, zugunsten einer Firma. Aber ohne anzugeben, dass man dafür Geld genommen hat.”
Ein Fazit, der natürlich nicht repräsentativen Online-Umfrage:
“91% würden Geld annehmen (ohne Disclosure!!!)”
“60% der Blogger geben sich mit einem Betrag zwischen 500-5.000 Euro zufrieden”.
[ironie-Tag on]Liebe Mediaagenturen, dann aber ran an den Speck. So billig kommt ihr so schnell nicht mehr an billige Werbepartner. [ironietag off]
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Nichts gegen Geld, nichts gegen Werbung, aber wenn ich in einem meiner Blogs einen Artikel gegen Geld schreiben würde, dann nur wenn ich das offenlegen kann.
Aber eigentlich schreibe ich nur über das, was mir am Herzen liegt und nicht über das, was andere wollen.
Statistik-Denkfehler bei der Umfrage und den Kommentaren zum Originaltext: Wenn ich einen Wert anklicke, muss der nicht meiner tatsächlichen Einstellung entsprechen. Sondern es könnte auch sein, dass ich durch ein solches Internet-Voting die öffentliche Meinung dahingehend manipulieren will, dass die Mehrheit der Blogger sich als korrupt darstellt (ich kreuze was anderes an als ich tatsächlich vertrete, weil ich eine bestimmte öffentliche Meinung evozieren will).
Da ich Blogger für sehr intelligent halte und für fähig, um Ecken zu denken, schätze ich den Anteil derer, die spaßeshalber oder aus Manipulationsgründen etwas anklicken, was sie für die wahrgenommene (nicht tatsächliche) Mehrheit gehalten haben wollen (was sie also wollen, was die Leute denken, was die Mehrheit sei), sehr hoch. Es ist dann nicht unbedingt das, was sie tatsächlich denken oder meinen.
Ich kenne einige Blogger und habe nicht den Eindruck, dass es die sind, die man früher in der Schule “Streber” nannte. Der geistige Horizont der mir bekannten Blogger ist breiter als der Streber-Horizont und er hat zur Folge, dass man mehr als nur auf kürzestem Wege denkt. Insofern halte ich das Setting der Umfrage für – mit Verlaub – naiv.
Aus denselben Gründen bin ich der Meinung, dass das tatsächliche Ergebnis viel geringer ist, sprich, dass Blogger an sich viel unempfänglicher sind für Korruption, als sich das hier darstellt.
Ein Unterschied zwischen tatsächlicher öffentlicher Meinung und wahrgenommener öffentlicher Meinung also. Nichts Schlimmes. Kommt in den besten Diktaturen vor.
… wie, wenn das ausgerechnet die mediaagenturen noch nicht wüßten …
Logisch, die ganze Chose ist manipulierbar. Ob sie das nun wurde oder nicht, man sollte sie sicherlich nicht als der Weisheit letzter wissenschaftlicher schluss sehen. Zumal Robert ja auch die Hemmschwelle, (dient einer guten Sache) bewusst niedrig gehängt hat. Ich denke das Ergebnis, zeigt aber eine Tendenz auf: Auch viele Blogger sind auf diese oder jene Art und zu diesem oder jenem Preis korrumpierbar, wie eben im richtigen Leben.
Das Geld ist jetzt vielleicht das beste und weltweit erweiterte Ziel des Seiens. Wenn wir über die Internet-Präsenz sprechen und dabei auch Geld meinen, ist diese Tatsache damit verbunden, dass es zu viel Zeit in Anspruch nimmt, um hier zu handeln. Deshalb ist es auch eine Art Arbeit. Manchmal aber scheinen einige Blogger zu gierig und möchten nur es, aber in Wirklichkeit geben sie nichts anderen, die ihren Blogs dann lesen.
Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich sagen, dass Blog nur deshalb nützlich ist, dass er thematisch oder einfach interessant ist…