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Spießer Alfons: Hülsta hat Holz vor der Hütte

25. April 2007
von

Bevor ein Werbegestalter seine Werbung gestaltet, sollte er nachgedacht haben. Zum Beispiel über den Sinn der Anzeige, über Text und Bild. Doch weil kreative Werber häufig schneller gemacht als gedacht haben, sind Anzeigen entstanden, bei denen der unbefangene Leser nicht erkennt, um was es geht und deshalb eine Interpretationshilfe benötigt. Und dafür ist er ja da, der Spießer, als hilfreicher Übersetzer undurchsichtiger Werbebotschaften.
Werfen wir einen Blick auf die Anzeige von Hülsta! Genauer: „now! by hülsta“. Dort sehen wir eine huelsta.jpgjunge Frau, die uns berichtet: „An mir ist alles echt. Auch meine Möbel.“ Aha, folgert der Spießer schluss, diese Frau ist nicht zwecks körperlicher Neugestaltung in Silikon-Valley gewesen, sondern sie hat ihre Brüste von Mutter Natur er- und behalten. (Leider kann man dieselben nicht sehen, weil da was drüber gedruckt und geklebt ist!)

Außerdem hat die Frau laut Hülsta echte Zähne ohne Füllungen oder Kronen. Und der Spießer vermutet, dass auch die Haare der Dame echt sind, also ihre natürliche Farbe haben. Genauso wie die Lippen, die Augenpartie und das übrige Gesicht: alles pur Natur, nix Kosmetik oder gar Lifting. Denn wie angezeigt: An dieser Frau ist alles echt. Sogar ihre Möbel sind echt an ihr.

Warum eigentlich „sogar“…? Und überhaupt: Gibt es auch Möbel, die nicht echt sind? Vielleicht Apfelsinenkisten, wie man sie früher mal in der Studentenbude gehabt hat? Oder meint der Texter gar die Möbel von Ikea? Eventuell hat er auch furnierte Spanplatten im Sinn, die kein Echtholz sind …?

Fragen über Fragen. Liest jemand das Kleingedruckte, so erfährt er im plump-vertraulichen Du-Ton: „Du bist einzigartig — warum nicht auch Deine Möbel?“ Wie das, fragt man sich, baut Hülsta etwa einzigartige Möbel, die es nur einmal gibt wie mich selbst? Quasi individuell von Tischlerhand gefertigt? Weiter im Text heißt es: „Unsere neue Serie now! No. 8: Stück für Stück Einzelmeister und als Gruppe unschlagbar.“

Hä? „Einzelmeister“? Was ist denn ein Einzelmeister …? Spießer Alfons hat nachgeschaut im Duden: „Einzelgrab … Einzelhaft … Einzelzelle“. Einen Einzelmeister gibt es dort nicht.
Der Textdichter fährt fort: „Für die gemeinsame Linie sorgt ihre Zebran-Maserung, für das gemeinsame Wohlbefinden Dein guter Geschmack.“ Mit anderen Worten: Wenn Du denselben Geschmack hast wie der Hersteller, dann ist Dein Geschmack gut. Und dann wohnst Du als Einzelmeister mit Deiner Zebran-Maserung ohne Silikon in einer unschlagbaren Gruppe von Hülsta, und zwar now. Or never.

Weitere Infos werden per Telefon und Internet angeboten. Vielleicht erfährt man dort auch die E-Mail-Adresse der jungen Dame, an der alles echt ist. Und wenn der Spießer die Werbung richtig versteht, dann ist diese Frau sogar echt Jungfrau

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Kommentare zu “ Spießer Alfons: Hülsta hat Holz vor der Hütte ”

  1. Bernd Billbach am 25. April 2007 um 17:26 Uhr

    Da Herr Alfons ja auch nie mit Kleinlichkeit (zu Recht) spart: Silikon-Valley, bzw. richtig Silicon Valley (Tal des Siliziums) hat mit den Brustimplantaten aus Silikon rein gar nichts zu tun.

  2. Spießer Alfons am 25. April 2007 um 17:43 Uhr

    @Bernd Billbach

    Mönsch, Junge, darauf wäre ich nie gekommen ;-) Hatte immer gedacht, im Sillikon Valley würden den Frauen die Implantate eingesetzt. (Muss solche Gags in Zukunft wohl mit einem *lol* versehen, oder?!)

    Aber um auch mit einer Kleinlichkeit zu kommen: Ich kenne Dich; Du heißt gar nicht Bernd Billbach sondern Bill Bernbach, stimmt’s…?

  3. Freil Nench am 25. April 2007 um 20:20 Uhr

    @Spießer

    “Einzelmeister” ist in der Tat im erwähnten Zusammenhang fehl am Platze.
    Aber wenn du eine Ahnung hättest, wie Werbung in in der Praxis aussieht, dann hättest du das Wort “Einzelmeister “nicht im Duden nachgeschlagen, sondern wüsstest, dass man so im Werberjargon eine einzelne Idee bezeichnet, die nicht kampagnenfähig ist.
    Dann hättest du dich auch viel qualifizierter darüber aufregen können. So in der Art: “Und dann sagte der Krea-Tief-Direktor zum Text-Dichter: Die Anzeige ist aber ein Einzelmeister. Der Text-Dichter hat ihn wohl missverstanden und das Wort gleich in die Copy geschrieben”. Oder so ähnlich.

    Wenn man nicht A-LLES selber macht.

  4. Spießer Alfons am 25. April 2007 um 20:46 Uhr

    @Freil Nench

    Sorry, aber ich verstehe kein Werberjargon. Und wie Werbung in der Praxis aussieht, habe ich nur in den Zeitschriften im Wartezimmer von der Praxis meines Zahnarztes gesehen. Dort fand ich auch die Hülsta-Anzeige. Insofern habe ich durchaus eine Ahnung, wie Werbung in der Praxis aussieht.

  5. Christian am 25. April 2007 um 21:08 Uhr

    Manueller Trackback: http://amendedestages.blogspot.....eimat.html

    [...] So schreibt Thomas Knüwer, dass Münster ein beliebter Testmarkt für ausländische Handelsketten ist – das hinge mit der Einwohnerstruktur zusammen. Und Spießer Alfons erklärt uns, warum eine Anzeige des Stadtlohner Unternehmens Hülsta ziemlich sinnfrei ist. Bleibt mir nur noch zu sagen, dass Ende Juni “Die Fantastischen Vier” – oder kurz: Fanta 4 – zum Nightclubbing nach Ahaus kommen. [...]

  6. Patrick Breitenbach am 25. April 2007 um 21:45 Uhr

    Bernd Billbach hat wohl eher ein paar Ikea-Regale vorm Kopf, daher verordne ich ihm gegen zukünftige Kopfschmerzen von zu viel grübeln den Ironie-Detektor als Firefox-Extension:

    http://www.donvanone.de/ironie.....extension/

  7. Spießer Alfons am 27. April 2007 um 09:54 Uhr

    @Patrick

    Toll! Sollte auf jedem PC/MAC fest installiert sein! :-)

  8. Ansgar am 30. April 2007 um 11:32 Uhr
ivw