Werbeagenturen als TV-Serie: Fehlanzeige
Irgendetwas läuft in der Werbeagentur-Szene seit Jahren grundverkehrt. Überall. Jedenfalls machen Drehbuchschreiber von TV-Serien offenbar einen weiten Bogen um die Szene als Mittelpunkt eines TV-Formats. Klar gibt es genug Figuren , die als Mitarbeiter oder Chef einer Agentur in Kino- und TV-Filmen durch die Handlung laufen, doch der kreative Schmelztiegel selbst ist als Ort der Irrungen und Wirrungen nicht gefragt. Auch exzessive Google-Quälerei führt keine Serie zu Tage, die ausschließlich in einer Werbeagentur spielt. Und dies in einer Zeit, wo beinahe jeder Arbeitsplatz schon als Dramolett oder Comedy-Format durchgenudelt wurde. Da machen ja selbst Journalisten mehr her.
Zugegeben, das journalistische Serienumfeld war bislang auch nicht gerade Nachwuchsförderungstauglich. In den 70er Jahren nörgelte Lou Grant bei der “Los Angeles Tribune”, Baby Schimmerlos schlürfte in den 80er Jahren „Kir Royal“ und Ende der 80er gab es im WDR noch eine Serie, die sich hochtrabend „Die Reporter“ nannte.
In Zeiten, in denen mit Stromberg selbst eher dröge Versicherungen fernsehtauglich sind, muss sich die Kreativszene also fragen lassen, ob sie ein Imageproblem hat.
Dabei würde sie sich doch auf den ersten Blick ideal eignen: Eine Serie voller exotischer Locations für Shootings könnte glatt das Traumschiff aufs Trockendock schicken. Das Drama um Mediapläne, Kickbacks und verlorene Pitches böte Raum für thrillerähnliche Settings und schließlich ließen sich entlang von Plagiatsfällen menschliche Dramen in all ihrer Tiefe erzählen. Ebenso wie sich rund um Kreativchefs, Partner und sonstige Officer Figuren zeichnen ließen, die selbst Charaktere in Serien wie „Boston Legal“ wie die harmlosen „Waltons“ aussehen lassen würde.
Geht nicht, weil die Wirklichkeit alle Fiktion übersteigt? Geht nicht, weil Denken, kreativ sein, planen am Ende langweiliger ist als die Rückseite schwarzer Pappen?
Womöglich. Denn dort, wo die Agenturen schon im Hintergrund als Arbeitsplatz einzelner Serienstars mitspielen, wirken gerade Kampagnen-Präsentationen wie die Entwürfe von Lieschen Müller. So arbeitet bei “Desperate Housewives” Lynette Scavo in einer Werbeagentur namens “Parcher & Murphy”. Für das, was dort an Kreation entsteht, dürften sich selbst Praktikanten fremdschämen. Bei „Wer ist hier der Boss“ arbeitet Tony Micelli als Haushaltshilfe bei der Werbeagentur-Präsidentin Angela Bower. Dort möchte man die Kreationen gar nicht erst kennen. Die Beispiele ließen sich fortsetzen.
Wo bleibt also die große TV-Serie rund um Cannes, Kreative und Co?
Wartet alle Welt auf das Ende des Schleichwerbetabus im TV, um die Kreativen-Serie genial mit Markenwerbung crossmedial zu mischen?
Und wenn das nichts wird, denkt vielleicht mal jemand über eine Blogger-Comedy nach?
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Na ein bischen was gibt es
http://www.studio2f.com/misc/
2003/08/18truth_in_advertising.php
Immerhin gab es mit “Was Frauen wollen” mal eine romantische Kinokomödie, die sich zu großen Teilen um zwei Werber in einer großen Agentur gedreht hat.
Um hier mal etwas für interessierte Sender oder Produktionsfirmen anzumerken: Spießer Alfons hat ein Treatment für eine Comedy-Serie, die in einer Werbeagentur spielt, schon seit langem in seiner Schublade liegen…
Insider, die das Konzept kennen, fragten: Und? Warum läuft das nicht schon längst auf RTL…?
Ich persönlich finde Journalisten interessanter als Werbeagenturen. Ich meine auch, dass es früher als ich noch GZSZ geschaut habe (jaja!) dort auch eine Werbeagentur gab, und davor und danach eine Redaktion, was ich netter fand. Ich meine sogar, dass es mal ein Spin-Off der Soap gab, das sich nur um diese Redaktion drehte… lange lief das aber auch nicht.
Hmmm, und eine Comedy, die nur in einer Agentur spielt… ich weiß nicht, ob ich mir das anschauen würde.
@ Spießer Alfons
Ich kriege das Grausen. Wenn dein TV- Konzept genauso platt ist wie deine Kolumne, heißen die Protagonisten bestimmt “Reiner Zufall” und “Klaus Kupferstecher” und die Witze bewegen sich auf Klein-Fritzchen-und-Erna-Niveau.
Der Charme eines solchen Werbeagenturen-Formats würde nur auf Insides bauen. Da die aber keine Sau interessieren, außer die Betroffenen selbst, interessiert es auch keinen Produzenten. Sprich; wenn bei Stromberg eine Dicke verarscht wird und ein Bürodepp für die Lacher sorgt kann sich jeder damit identifizieren. Da spielt es keine Rolle, ob eine Versicherung oder eine Bäckerei. Die Witze funktionieren überall (wobei eine Versicherung natürlich die besseren Klischees bedient).
Für das interessantere Konzept hielte ich eine Reality-Soap. 5×45 Minuten die Woche bei S&F, 7-8 Hauptcharaktere und der ganz normale Agenturwahnsinn.
@Werbewitzbold
Stimmt. Aber woher weißt Du das…?
Seit kurzem gibt es zumindest eine Serie mit Handpuppen, sehr nett gemacht:
http://www.youtube.com/watch?v=ZK_qSMAqNiw
“…selbst eher dröge Versicherungen…”
Nicht selbst sondern gerade. Comedy-Potenzial hat das Thema Werbung, über “E-Mail an alle” von Matt Beaumont dürften sich auch branchenfremde Leser totgelacht haben.
Schon vergessen? Bei meiner absoluten Lieblings-Soap GZSZ spielte ein großer Teil der Geschichten und ganz besonders der Integriegen in der Werbeagentur “Sisters”. Inkl. Übernahme durch ein US-Network, späterem MBO und allem Pipapo. Sogar maskierte Imacs gabs bei Sisters. Das waren noch Zeiten.
Sisters ging ursprünglich und über Umwege aus der Magazin “City Lights” hervor, das wiederum aus der Agentur “Löpelmann” hervorging. Bei beiden war Clemens Richter Inhaber & Geschäftsführer. Dann wurde dieser aber spielsüchtig verlor seinen Verlag und durch – für mich nicht mehr ganz rekapitulierbare – unerwartete Wendungen entstand dann die Werbeagentur “Sisters”. Die Namensgebung führt auf zwei inzwischen schon längst verstorbenen Schwestern. Durch weitere Intriegenspiele und Verwirrungen, erbte dann später die Tochter von Cora Moreno und Niko Antonia Moreno die Agentur. Der immer noch das operative Geschäft führende Clemens Richter bekam, aufgrund zu großem Ergeizes und zu viel Stress, einen Herzinfarkt und benahm sich fortan etwas Hippy-esque. Damit die Agentur nicht unterging, übernahm kurzerhand die kürzlich bei einem Flugzeugunglück verschiedene Senta Lemcke, deren Lebensgefährte Hannes Bachmann – eigentlich Pilot – auch schon einmal Texter für Sisters war, die Leitung der Agentur.
Leider habe ich die Entwicklung etwas aus den Augen verloren. Die Erinnerung trübt sich ein und vermischt sich mit realen Erlebnissen. Traurigerweise gibt es aber auch keine Datenbank, die die Historie dieser großartigen Serie nachhält…
Daniel