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Shoppero: Kann nix, taugt nix, macht nix

5. Mai 2007
von

In Deutschland ist mit Shoppero ein Web-Startup an Netz gegangen, dass sich zum Start mit dem Charme einer totgefahrenen Ratte der Öffentlichkeit präsentiert, gleich zwei Reizfiguren an der Spitze hat und einen Web-Zustand vorzeigt, gegen das ein Ikea-Store auch noch nach einem Ausverkauf aufgeräumt wirkt. Alles falsch gelaufen? Ach wo. Alles gewollt. Ein paar unfertige Unterstellungen. Beta-Status sozusagen.

Shoppero ist im Prinzip eine Plattform, auf der Nutzer Produkte
beschreiben und bewerten können. Geschäftfsührer Nicco Lumma erklärt:

“Kernidee von shoppero.com ist, dass seine Nutzer mit den Inhalten, die sie auf ihren Blogs oder Homepages präsentieren, Geld verdienen können. Viele Blogger schreiben über Produkte. Shoppero.com bündelt solche Artikel und vermarktet sie zentral mit Werbung. Die Erlöse werden auf die Autoren nach einem Schlüssel verteilt, der vor allem darauf beruht, wie viele Besucher die Plattform durch ihre Beiträge und Verlinkungen erreicht haben.”

So weit, so harmlos. Nette Idee. Aber auch kein großer Aufreger. Die Aufregung muss man also anders erzeugen, wenn man schnell Verlinkungen und damit Reichweite erzielen will. Vorneweg: es ist gelungen. Shoppero steht bei Technorati in der Suchhitliste seit Samstag auf Platz 9.

vvv.jpgDie Strategie: alles schon in der PR-Vorbereitungsphase so avanti dilletanti fabrizieren, dass Reibungspunkte geliefert werden. So wurden einige Blogger im Vorfeld tröpfchenweise informiert oder per Sperrfrist um beinahe einwöchiges Stillschweigen bis zur Next07 gebeten. Gerüchteküche ist schließlich immer gut für die PR. Das lässt ein Teil der Blogwelt natürlich nicht auf sich sitzen. Es läuft für shoppero also super.

Die führende Köpfe liefern zusätzlich Angriffsfläche. Mit-Investor Jens Kunath, dessen frühere Geschäfte Verbraucherschützern stundenlangen Gesprächstoff bieten, und Nicco Lumma, der als Vorzeigeblogger mit Verteidigungslinien in Sachen Glaubwürdigkeit auf geteilte Meinungen trifft. Die Blogger werden schon drauf anspringen. Tun sie auch. Mit an Bord bei Shoppero ist übrigens auch der führende Vermarkter von Plakatflächen Dirk Ströer über die Beteiligungsgesellschaft Media Ventures. Ströer ist auch an Sevenload beteiligt.

Das Spiel mit dem Negativ-Image ist ein Spiel mit dem Feuer. Aber auch das gelingt, weil justitiabel nur schwer haltbare Formulierungen in blogs gleich feste und unblogmännisch deutlich gerüffelt werden.

Dann ganz bewusst die Next07 als Startfenster gewählt, um auf der Aufmerksamkeitswelle dort mitzuschwimmen. Egal, wie weit der Laden tatsächlich fertig ist. (So zum Vergleich: Nestle schleppt seine neuen Joghurts künftig schon in der Vorstufenentwicklung im Plastikeimer zur Anuga.) Hauptsache man ist dabei.

Kleiner und größere Schönheitsfehler (Sicherheitslecks und so) stören nicht. So etwas wird gerne gebloggt und shoppero kann sich weitere links “verdienen”.

Anschließend den ganzen Murks zur Tugend erklären, weil man im Web 2.0 der Wisdom der Crowd vertraut, und das Bananenprinzip erst recht gilt – das Produkt reift beim Kunden. Per Aal-Prinzip wird der User und der hackende Blogger zum Beta-testenden Kunden, ohne auch nur ein Goodie dafür zu sehen. Experiment geglückt.

Da werden dann auch mal eben die mirnichstdirnichts reingestellten 08/15-AGBs per Handstrich geändert. Mal einfach so. Dass schafft sicher Vertrauen, dass Shopero es mit den AGBs so locker sieht. Gibts künftig jede Woche ein AGB-Update?

Alles Bad-Pr? Eine blöde Strategie von Edelman, weil das Web nie vergisst? Die Kübel an Häme, die bei Google in den Suchergebnissen oben stehen. Doch Edelman ist sein Geld diesmal wert. Das Feuer brennt eher kontrolliert. Jetzt wird es mit einer Sympathie-Attacke eingedämmt. Die erste Verlinkungsrakete hat ja schon gezündet. Die Bad-News rücken nach und nach hinten.

Ohnehin ist die sich jetzt erregende Blogger-Meute letztlich doch wohl kaum die Zielgruppe. Ebenso wenig wie der Handelsblatt-Leser. Der gute Artikel dort ist wohl kaum mehr als ein “Nice to have”, ein Sahnehäubchen.

Shoppero braucht aber Masse an Links und an Content, “Trafficveredelung” hin oder her, und die kommt eben eher über die unendliche Welt der meintolleripod- oder ichzeigeuchlustigevideos.blog.de, die vom reichtum per shoppero träumen und an Ende auch mit einer Aufbesserung ihres Taschengelds zufrieden sind. Wird Zeit sich mal das Zahlungsprocedere und den Überweisungsrhythmus von Shoppero anzusehen.

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Kommentare zu “ Shoppero: Kann nix, taugt nix, macht nix ”

  1. medienblogger am 6. Mai 2007 um 00:23 Uhr

    Die Geschichte mit der Weitergabe der persönlichen Daten an Dritte, die sich dann laut Betreiber nur als eine angebliche “Standardformulierung” herausstellte, war auf jeden Fall kurios und dubios genug.

    Wobei ich grundsätzlich bezweifle, dass abseits der ganz Großen mit Blogs und Social Networking Geld zu verdienen ist. Statt auf Kommerzialisierung lege ich persönlich mehr Wert auf Inhalte.

  2. kosmar am 7. Mai 2007 um 03:08 Uhr

    sowas wie diese daten”schutz” sache darf echt nicht passieren. da kann man soviel kawasaki zitieren wie man will …

  3. Don Alphonso am 7. Mai 2007 um 14:02 Uhr

    Der Edelman-Mitarbeiter hat schon mehrere Sachen vor die Wand gesetzt, man denke nur mal an die Technorati.Kooperation, und damit den Ruf der Klitsche ordentlich einzementiert. Da kann man sich viel aus den Fingern saugen, aber für eine Firma, die zuallererst mit Vetrauen handelt, ist das alles andere als ein guter Start, würde ich meinen.

ivw