Spießer Alfons: Wo bleiben die Doping-Geständnisse der deutschen Werber?
Plagiate, die bei Werbewettbewerben eingereicht werden, sind wie das Doping bei Sportwettbewerben. Und während die Medien zur Zeit voll sind mit dem Dopingskandal im ehemaligen Radsportteam der Telekom, so liest man über Plagiatskandale deutscher Werbeteams nur in der Kolumne von Spießer Alfons.
Hier ist eine Vorankündigung, was der Spießer Euch in der kommenden Woche hier und in HORIZONT berichten wird, nämlich dass Scholz & Friends einen Silberling an den ADC zurückgeben muss, weil deren Plagiartdirektor eine Idee nach einem bekannten Vorbild gefertigt hat. Und die Jungs von Matt müssen sich den spießigen Vorwurf gefallen lassen, dass sie eine „Goldidee“ versilbert haben für einen Kunden, der seine diesbezügliche Werbung vermutlich nur aus weiter Entfernung gesehen hat wenn überhaupt.
Spießer Alfons kann sich vorstellen, dass nun auf den kreatiefen Etagen von Scholz & Friends & Jung v. Matt eine gewisse Unruhe entstehen wird und Fragen auftauchen nach dem Wer, Was und Wo.
Aber der Spießer lässt die betreffenden Werbungmacher noch eine Woche schmoren. Und außerdem: Sie wissen ja selbst am besten, wer was wo gemacht hat. Tipp des Spießers: Ihr habt jetzt noch Zeit, Eure Geständnisse abzugeben, am besten hier im Blog in den nachfolgenden Kommentaren.













Nur falls einer fragt: Mir sagt es der Spießer auch nicht. Ich schmore genauso.
Macht doch ne eigene Kategorie draus! Und noch eine für “nur für Awardshows produziert”. S+F und JvM und S&J würden sich freuen!
@Spießer Alfons: Awardarbeiten sind die Prototypen und Modenschauen der Werbung. Sie sind der Beweis dafür, dass deutsche Werber kreativ höher springen können, als es der Kunden im Tagesgeschäft zuläßt. Das gleiche gilt übrigens auch für Modenschauen und Fahrzeugstudien.
zu S&F: Da sie diese Jahr soweit ich weiß nur einmal Silber gewonnen haben, muss die Postit-Geschichte sein. Jeder der den Film “Bruce allmächtig” gesehen hat, kennt die Situation. Siehe auch Kolle Rebbe für Bisley und das Buch “Kunst aufräumen”. Nur zwei von wahrscheinlich hunderten Beispielen. Sofern Ideen erstmals für Kommunikation genutzt werden, stellt dies für mich kein Problem dar. Problematischer sind Plagiate (juristischer Fachbegriff – Doppelschöpfungen).
@alle Die Branche sollte sich mal einen Kopp machen, ob sie sich weiterhin nur selbst zerfleischen will oder ob sie mal Druck auf Kundenseite macht. Dass die Agenturen es können zeigen die Awardshows. Nach einer Phase wo jeder froh über jeden Neugewinn war, sollten wir jetzt gemeinsam den wirtschaftlichen Aufschwung nutzen um Mut einzufordern. Intern wie extern.
hier stands übrignes mal weit vor dem ADC….
http://www.frederiksamuel.com/.....l#comments
Der Koenich Johann ist gut informiert. Allein was ein Plagiat ist, das sieht er nicht richtig. Ein Plagiat ist “unrechtmäßige Aneignung von Gedanken, Ideen o. Ä. eines anderen auf künstlerischem oder wisschenschaftlichem Gebiet und ihre Veröffentllichung; Diebstahl geistigen Eigentums”. Wenn zum Beispiel eine Agentur ein fremdes Werk kauft, um daraus eine Werbung zu machen (Beispiel: Sisley), dann ist es kein Plagiat. Wenn eine Agentur aber eine Filmidee ohne Genehmigung übernimmt, dann kann sie nur hoffen, dass der Plagiierte es nicht bemerkt. Die Chuzpe aber ist, wenn eine Agentur eine Idee aus einem Buch oder Film als eigene Idee bei einem Wettbewerb einreicht und dafür auch noch ausgezeichnet wird. Denn ausgezeichnet wird doch letzten Endes die Idee, oder?! Und wer sich da mit fremden Federn schmückt, ist in meinen Augen ein Betrüger. Auch wenn er hernach die Rechte kauft, hat er noch lange nicht das Recht, die Idee als seine eigene auszugeben.
Im übrigen gelten für mich nur Wettbewerbe, wo die kreative Leistung auch Wirkung auf dem Markt erzielt hat (Beispiel: Effie). Denn wie lautet doch der berühmte Slogan von Ted Bates? Er lautet: “It is not creative, unless it sells!” Dieses Wort sollte in den Einsendebedingungen für jeden Wettbewerb stehen! L’art pour l’art hat mit Wirtschaftswerbung nichts zu tun, dürfte meiner Meinung nach nicht mal als Werbungskosten steuerlich relevant sein.
Was mich ja bei der Selbstbeweihräucherung und bei der Selbstbeweihräucherungskritik am allermeisten interessiert ist, wie sich die viel größere Illusion so lange halten kann, dass die Wirkung auf dem Markt messbar sein soll. Die Antwort sind für mich übrigens nicht sozioökonometrischenmultidimensionalen- effektstudien, von denen sich so (zu?) viele Marketeers beeindrucken lassen. Angesichts der Komplexität der Märkte und der Vielzahl der Akteure sind die einfach zu einfach. Oder mein Geist zu klein, ihre Brillanz zu erfassen. Und eigentlich bin ich überzeugt, dass genau dort der eigentlich geniale Werbetrick verborgen ist: derart hochkompliziert ausschauende Modelle zu entwerfen, dass keiner zu fragen wagt. Auch kein Effie.
Und zum Thema Plagiat: was, wenn die ganze Welt ohnehin nur eine Kopie ist? Bleibt doch nur, zwischen guten und schlechten Kopien zu unterscheiden, oder? Und sich selbst nicht so wichtig zu nehmen, und statt auf Selbstbeweihräucherung und Kundenbeschimpfung auf einfach gute Arbeit zu setzen.
@ Koenich Johann
Dein Kommentar sollten sich gewisse Leute ausdrucken, an den Monitor kleben und jedesmal aufs Neue durchlesen, wenn sie wieder in Versuchung geraten, andere mit ihrer eigenen erschreckend kleinkarierten Vorstellung von Werbung und Kreativitaet zu belaestigen. Auch, wenn ich deinen Vergleich zwischen Award-Arbeiten und Prototypen schon mal irgendwo gelesen habe (ist das dann ein Plagiat?)
@ Spiesser
Wenn fuer dich sowieso nur Wettbewerbe relevant sind, bei denen die kreative Leistung auch Wirkung auf dem Markt erzielt hat (was im uebrigen eine vollkommen lachhafte Position ist), warum beschaeftigst du dich dann mit einer ans Pathologische grenzenden Besessenheit fast ausschliesslich mit Einsendungen fuer Wettbewerbe, die eben dieses Kriterium NICHT erfuellen?
Das ist ungefaehr so, als wuerde jemand behaupten, er halte nichts von Castingshows, zieht sich aber DSDS und und Germanys next Topmodel gleich staffelweise rein und empoert sich dann hinterher, dass die Falschen gewonnen haben.
Ueber deine Motivation kann ich nur raetseln.
@Johann Koenich
Werbewettbewerbe sind wie Modenschauen — okay, ein guter Vergleich. Aber die Prototypen einer Modenschau gehen nicht in Serie, sprich: Sie erscheinen nicht in den Läden sondern verkörpern nur den Trend ihrer Schöpfer, die im übrigen in eigener Regie und auf eigene Rechnung (!) arbeiten. Bei Werbewettbewerben ist es aber so, dass diese Arbeiten tatsächlich in die Produktion gegangen sind, also keine Prototypen sind. Im übrigen: Ich habe überhaupt nichts gegen Wettbewerbe, wenn die Jurys kompetent sind und alles mit rechten Dingen zugeht. Das ist leider nicht immer der Fall; und nirgendwo wird so viel manipuliert wie beim ADC.
@Ali
Ich verstehe Deinen Einwand nicht und die Sache mit der “lachhaften Position” musst Du mir mal erklären. (Ich vermute, Du kommst nicht aus dem Marketing, oder…?) Ich beschäftige mich natürlich mit dem, was ich kritisiere. Wenn ich nichts zu kritisieren hätte, würde ich nicht darüber schreiben! Und wenn ich über Castingsshows schreiben würde, müsste ich sie mir ansehen, weil ich sonst nicht darüber schreiben könnte!
Mit Werbewettbewerben ist es ähnlich wie beim Eiskunstlauf, wo es die Pflicht gibt und die Kür. Die Pflicht ist das harte Geschäft mit der Werbung, die wirken, sprich verkaufen muss. Diese Pflicht ist nicht so spannend wie die Kür, wo die Werber sich selbst produzieren. Das ist – genauso wie beim Eiskunstlauf – für die Zuschauer attraktiver als die Pflicht. Aaaber: Wenn die Kür nur l’art pour l’art ist, dann wirbt die Agentur für sich und nicht für ihren Auftraggeber, der die Kampagne bezahlt. Und Werber, die überdies in den Fußstapfen anderer laufen — sprich: sich an fremdem Gedankeneigentum bereichern — und diese Kopien dann auch noch bei Wettbewerben einreichen, sind in meinen Augen genauso zu tadeln wie Ladendiebe und Handtaschenräuber.
Und noch eines: Es gibt durchaus Kampagnen, die kreativ sind, ausgezeichnet wurden und (trotzdem) gearbeitet haben. Wenn die bei Werbewettbewerben einen Goldenen Blumentopf gewinnen, bin ich der erste, der applaudiert. (Auch ich habe schon bei Wettbewerben gewonnen und mich natürlich darüber gefreut.) Doch wenn sich herausstellt, dass die ausgezeichnete Idee ein Plagiat ist, dann bin ich auch der erste, der tadelt.
@Sascha Stoltenow
Zu Deinem letzten Absatz: Ich stimme Dir zu, dass keine Agentur daran gehindert werden sollte, eine gute, ausgezeichnete Arbeit zu abzuliefern, die nicht nur die Juroren bei Wettbewerben erfreut, sondern auch den Auftraggeber. Wem nützt es, wenn die Jury “einsame Klasse!” sagt und der Kunde vor seiner einsamen Kasse sitzt? Genau: es nützt der Agentur, die damit new business auf Kosten ihres Kunden akquiriert.
Nomen est Omen. Der Spießer ist und bleibt ein Spießer.
Schade, dass er sein Stil nicht auf andere übeträgt, sondern kleingeistig nur eindimensional zu Lasten der Kreation. Awardshows präsentieren auch Einzelanfertigungen. Und das sogar bewusst, zeigen sie doch die kreativen Spitzen auf.
Was ist eigentlich mit dem Gold für VW und Grabarz. Mir kommt diese Technik irgendwie bekannt vor
@Koenich Johann. Stimme dir zu. Die Branche und die davon lebenenden Journalisten sollten sich gegenseitig befruchten. Momentan ist es aber das Dorne im Auge/Holzlatte vorm Kopf-Phänomen. Typisch Deutsch eben. Schade.
@ Peter
Apropos “kleingeistig”: Da ich Peters Worten entnehme, dass er Probleme mit der deutschen Sprache hat, möchte ich auf sein Stil und das Dorne nicht weiter eingehen. Und die Branche darf mich gern weiter befruchten