Für große Werber und kleine Jungs: Packt die Badehose ein
Pfingsten, Sommerurlaub vor der Tür und allmählich Zeit sich ein paar Gedanken
über ein Thema zu machen, dass — wie ein Blick durchs Freibad, über den Strand und den eigenen Kleiderschrank beweist — zumindest bei Männern über 35 im Relevant Set ganz weit hinten kommt: Die Badehose. Zugleich der Anlass, dass ich mich zu einer neuen Marken-Obsession und Snobismus bekenne: Vilebrequin. Kennt man in Deutschland kaum (noch nicht mal im Archiv der Kollegen der Textilwirtschaft findet sich ein Eintrag), lohnt aber angesichts eines spannenden Markenkonzepts mehr als nur einen Blick — auf Hose, Branding und den Preis, der bei rund 150 Euro liegt. Angemessen.
Auffallend ist zunächst das Design. Die bunten Kreationen sehen aus, als sei eine Horde Designer über Kinderspielzeug hergefallen, habe sich durch kitschige Tapetenmusterbögen durchgewühlt, die Poesie-Alben der Freundin geplündert und sich auch sonst jede Mühe gegeben, männliche Geschmacksvorstellungen zu verletzen. Herausgekommen sind dabei Bermuda- und Boxer-Shorts für Männer mit putzigen Koalabären, Quallen, Papageien, Bananen, bunten Blümchen und psychedelischen Mustern.![]()
Damit hebt sich die Marke schon mal gelungen von allem ab, was sonst am Strand so nach dicker Hose und tollem sportiven Typ wirken soll. Die klare Botschaft: Männer, die solche Hosen tragen, sind selbstbewusst, müssen nicht mehr den dicken Max markieren, weil sie ohnehin erfolgreich sind, der dicke Bauch zum sportiven Outfit nicht mehr passen würde, oder beides.
Vor allem aber bekennen sie sich zum Kind im Manne. Denn die Hosen gibt es, Teil des Konzepts, auch im Partnerlook für den Junior – wenn der Vater mit dem Sohne. Da kauft man das Familiengefühl gleich mit. Nur eine Frauenlinie gibt es nicht. Das würde den verspielten Nimbus wohl auch ad absurdum führen und Männer in eine Identitätskrise stürzen, wenn ihre quietschend bunte Hose den gleich Look hat wie der Bikini der Partnerin.
Ein absatztechnisch geschickter Schachzug ist die „Father & Son“-Nummer obendrein, weil Kids öfter eine neue Badehose brauchen. Und beim Einkauf für den Nachwuchs bekommt dann Daddy vielleicht auch Lust auf Schwimmzeug, weil er nicht ganz so alt aussehen will. Damit der Absatz auch in jeder Saison floriert, gibt es die Muster nur limitiert jeweils für ein Jahr.
Vilebrequin kommt aus St.Tropez: der Legende nach entstand die Idee in den 70er Jahren auf Basis eines karierten Tischtuchs. Muss man nicht glauben. Auch nicht das Brad Pitt sie sammelt. Wichtiger ist da neben der Qualität schon der Anti-Ballon-Effekt. Wer weiß, wie dämlich Mann in einer aufgeblasenen Hose im Pool aussieht, wird das zu schätzen wissen — in jedem Alter.
Einziger Nachteil neben dem nach Exklusivität heischenden Preis von 150 Euro ist der Vertrieb. Shops in Cannes, St. Tropez, Mailand, Monte Carlo, Genf und so — klar. Deutschland Fehlanzeige. Nicht mal Sylt steht als Store-Location auf der Liste. In der Galerie Lafayette in Berlin sollen mal welche gesehen worden sein. Die Bestellung per Online-Shop funktioniert obendrein nur in den USA. Tipp für die Werber: Der Shop in Cannes ist in der Rue d’Antibes.
Disclaimer: Vilebrequin hat mir keine Hose geschickt, noch sonstwas. Ich fühl mich bloß so urlaubig und ich finde das Markenkonzept schlicht elegant und bemerkenswert genug, um es im Blog vorzustellen. Thats it. Die Hose steht auf dem Einkaufszettel.
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Na,hoffentlich gibt es einen shop in der Charente-Maritime, da wohnen nämlich noch viele Fischer und Bauern, die stehen eher auf dem rustikalen Landlook!
no nein, die sehen ja eher wie Liebestöter aus **grins**