Spießer Alfons: Jung von Matt und die Gold-Nudel
Da ist die Sache mit der sogenannten „Gold-Idee“. Das ist die Idee der Werber, zu der sie den betreffenden Kunden suchen. Zum Beispiel die Idee, aus einem Schiffstau eine Spaghettinudel zu machen. So, wie das Jung von Matt eingefallen ist. Und dafür nahm man nicht nur den Kunden Mondo Pasta, sondern auch einen Silbernen Clio entgegen. Und das ist ein Witz!
Die Clio-Juroren konnten natürlich nicht ahnen, dass Mondo Pasta (Gerstberger & Arena GbR) eine kleine lokale Berliner „Pastamanufaktur“ ist. Und die Werbung dafür fand wo statt? Auf der Spree? Am Müggelsee oder auf der Havel und am Wannsee? Mitnichten. Sondern im Hamburger Hafen!
Und Jung von Matt wird jetzt erklären, dass diese Werbung im Hamburger Hafen der Roll-out für eine nationale, wenn nicht sogar internationale Kampagne für Mondo Pasta ist. Und denn ist ja alles paletti. Und nur ein Spießer kann behaupten, dass die Clio-Juroren reingelegt worden sind. Aber damit stehen diese nicht allein da, denn Mondo Pasta hat nach Angaben eines Werbers ein ähnliches Outfit (Name, Typo und Farbe) wie das bekannte Berliner Restaurant Mondo Pazzo, für das der besagte Werber den Namen, die Typo und Farbe kreiert hat.













Die Meinung des Fontblog zu diesem Thema (http://www.fontblog.de/clio-fuer-nudelschluerfer), mit einem erhellenden Kommentar von Axel Porsch.
Hm. Nicht mal das Logo ist das richtige.
Wie kommt’s?
Kreativer: Ich hab ne geile Idee. Wir kleben Nudelschlürfer auf die Löcher wo beim Schiff das Tau rauskommt.
Kontakter: Genial! Aber wir haben keinen Nudelkunden.
Kreativer: Dann besorg mir halt einen. Barilla oder so. Große Namen machen sich bei Awards immer gut.
Kontakter: Okay.
Tage vergehen.
Kontakter: Schlechte Nachrichten. Barilla wollen es nicht.
Kreativer: Dann frag halt Birkel, verdammt.
Tage vergehen.
Kontakter: Nee, auch nicht.
Kreativer: Dann frag irgendso eine kleine Butze.
Tage vergehen.
Kontaker: Heureka! Ich habe eine Pastaklitsche gefunden!
Kreativer: Geil, welche?
Kontakter: Pasta Mondo!
Kreativer: Pasta was?
Kontakter: Pasta Mondo. Hier, guck dir die Internetseite an.
Kreativer: Uh. Das Logo sieht aus, als hätte meine Oma es nach 30 Piccolo in den Schnee gepinkelt.
Kontakter: Dann mach halt ein eigenes. Wir bezahlen die Scheiße, also haben die’s gefälligst zu schlucken.
Kreativer: Genau, ha.
Ja, der Name klingt sehr ähnlich.
Aber auf den Internetseiten lässt sich der Vorwurf Name und Farbe seien gleich, nicht nachvollziehen. (Vielleich geht nur bei mir die mondo-pazzo-Seite nicht richtig.)
Was allerdings sehr verwirrt ist, dass mondo pasta auf einmal ein neues Logo hat und dieses nicht auf der Internetseite verwendet.
Wenn man schon einen Kunden für einen Wettbewerb vortäuscht, dann bitte wenigstens das gekonnt.
Oder wenigstens ehrlich:
Zwei Grafiker von JvM nehmen, als Nudelmanufaktur GbR auftreten lassen, Internetseite gestalten und Werbung einreichen.
Wenn das Rezept erfolgreich ist, einfach in der Kantine Nudeln ausrollen und als zweites Standbein an unterlegene Agenturen und die vernudelten Clio-Juroren schicken.
Dann haben die wenigstens auch was davon.
Unbestritten: das ist ein Fake.
Dafür aber einer der besten Ambient-Ideen des laufenden Werbejahres.
Es ist wie bei Blush, dem Dessous-Laden aus Berlin. Dort gibt es auch immer wieder tolle Kampagnen. Wenn man aber in Berlin in den Laden geht, wundert man sich sehr: Der Laden ist auf 20qm, es gibt 2 Mitarbeiterinnen und keine eigene Kollektion, sondern Dessous anderer Marken. Der Laden ist nett und das Personal auch, aber es handelt sich eben nur um kreative Ergüsse einer Berliner Werbeagentur zur Einreichung für Awards.
@ Max
Danke für den Hinweis! Vermutlich holen sich die Agenturleute ihr Honorar im Gegenschäft, sprich: Dessous, ab. Das Gleiche habe ich auch vermutet bei einer namhaften Hamburger Agentur, die vor Jahren mal eine Kampagne für Huren der Hansestadt gemacht hat. Eines muss man den betreffenden Agenturen lassen: Kreativ sind sie. Und die Stammkunden müssen es letzten Endes bezahlen, denn die Stunden müssen ja irgendwie abgerechnet werden…
Was sich Kreative nachts um 12 ausdenken, kostet hauptsächlich Schlaf und Nerven. Bezahlen tut das kein Mensch!
Eine kleine Anmerkung, damit keine Irritationen entstehen. Die Mondo Pasta Gf haben nach einem Telefonat in der vergangenen Woche flugs Änderungen an ihrer website vorgenommen. Die „olle“ Version findet man noch über Google Cache unter :
http://209.85.135.104/search?q.....opasta.de/
Und ich freue mich schon jetzt über die versprochene Riesenportion Pasta.
Die Ambient Media Idee ist wirklich prima — nur leider im falschen Wasser…
Übrigens, Mondo Pasta ist auch seit längerem Lieferant vom Restaurant Mondo Pazzo — buaaahh! So klein ist die Welt.
@ Thomas, der ungläubige
Wenn die Kreativen dafür Schlaf und Nerven opfern, dann sind sie am nächsten Tag unausgeschlafen und genervt, also nicht voll leistungsfähig. Bezahlen müssen dafür die anderen Kunden, die ausgeschlafene Kreative brauchen mit guten Nerven.
@ Spießer
So ein hanebüchener Blödsinn. Wer ich mir nach Feierabend freiwilig Award-Ideen ausdenke, dann bin ich einem Kunden gegenüber darüber genau so wenig Rechenschaft schuldig, als wenn ich in der Zeit in der Kneipe sitze, fernsehe, Tennis spiele oder schlafe.
@Materazzi
Hahnebüchen ist, wenn man Award-Ideen ausdenkt statt Verkaufsideen. Wer sich Award-Ideen ausdenkt und dafür einen Kunden ausdenkt, der will betrügen.
@ Spießer
Hast du meinen Kommentar eigentlich gelesen, bevor du drauf geantwortet hast?
Nochmal: Ich denke mir nicht Award-Ideen STATT Veraufsideen aus. Sondern denke mir Award-Ideen aus STATT fern zu sehen oder Tennis zu spielen.
Und wenn mir dann einer (du) sagen will, dafür müsste irgendeiner meiner Kunden “bezahlen”, ist das in der Tat: hanebüchener Blödsinn.
@ Materazzi
Und WARUM denkst du dir Award-Ideen aus…? Ich sage es dir: Weil du für dich werben willst und für deine Agentur. Frage: Warum denkst du dir nicht gleich eine Award-Idee für dich und/oder deine Agentur aus…?
@ Spießer
Gute Idee. Danke.
Aber kannst du mir dann trotzdem mal – dritte Nachfrage – beantworten, warum meine Kunden für etwas “bezahlen”, was ich in meiner Freizeit mache?
@Materazzi
Verrate mir mal zuerst, was Du während Deiner ARBEITSZEIT machst und warum Du Dir Award-Ideen nur nach Feierabend ausdenkst und wer die Kosten für die Veröffentlichung trägt!
Gern. Während der Arbeitszeit: “Verkaufsideen”, wie du sie nennst.
Warum ich mir Award-Ideen nur nach Feierabend ausdenke: Blöde Frage. Eben weil ich während der Arbeitszeit “Verkaufsideen” mache.
Wer die Kosten für die Veröffentlichung trägt:
Da ich in der Regel Award-Ideen für bestehende Kunden entwickle, zahlt der Kunde die Veröffentlichung, wenn er sich für die Idee begeistert. Oder meinst du etwa tatsächlich, es sind immer nur die Kreativen und die Agentur, die sich über Kreation profilieren? Meinst du, es gibt keine Kunden, die sich für ein kleines Geschenk abseits des “Tagesgeschäftes” in Form einer guten Award-Idee begeistern können? Und die es dann schön finden, zu einer Preisverleihung zu gehen? Und ganz abgesehen davon ihre eigene Marke aufwerten?
Insofern sehe ich den ganzen Konflikt, den du hier künstlich aufbaust zwischen dem überkandidelten Kreativen, der “für sich selbst wirbt” und dem Kunden, der dadurch angeblich betrogen wird, auch überhaupt nicht.
Beantwortest du mir jetzt meine Frage?
Und bitte weich jetzt nicht wieder auf ein neues (Unter-)Thema aus.
@Materazzi
Glaubst Du wirklich, dass ich Dir abnehme, dass Du Kreativität nach Uhrzeit lieferst? Ich habe zig Jahre als Kreativer gearbeitet, habe Hunderte Kampagnen gemacht – mir kannst Du nichts von Schneewittchen und den 7 Zwergen erzählen – das ist ein Märchen. Und damit beantwortet sich Deine Frage von allein.
Mein Tipp: Nutze Deinen Feierabend zur Entspannung, damit Du am anderen Tagen optimale Verkaufsideen ausbrüten kannst! Das nützt Dir und Deinen Kunden mehr als ein gewonnener Primeltopf!
Außerdem: Unser Disput bewegt sich völlig vom Eingangsthema weg, nämlich der Erschleichung von Primeltöpfen.
@ Spießer
Mein Tipp: Nutze Deinen Feierabend, um Deinen Horizont zu erweitern. Rede mal mit Werbern, denen ihr Job Spaß macht. Setz dich mal mit einem Freund hin, denk dir einfach mal nur so zum Spaß eine Awardidee für eine Dönerbude aus und erkenne, wieviel neue Impulse dir das für das Ausbrüten von “optimalen Verkaufsideen” gibt.
Versuch mal, einen Artikel zum Thema “Kreativität in der Werbung” zu schreiben, ohne die Themen “Awardideen sind scheiße” und “Guckmal, schon wieder ein Plagiat” zu streifen.
Es hilft!
Verpricht Materazzi
@ Materazzi
Zu meinem nächsten Vortrag über Kreativität in der Werbung vor Studenten von Hoch- oder Werbefachschule würde ich Dich gern einladen – da kannst Du eine Menge lernen. Die Werbung braucht auch Feuerköpfe wie Dich, die über das eigentliche Ziel hinausschießen. (Meinen Sohn, Artdirektor in einer Weltagentur, imuss ich manchmal auch wieder auf den Boden der Tatsachen runter holen
) Aber Werbung ist Auftragskommunikation. Und dabei wollen wir es belassen.
By the way: Als ich für eine Dönerbude (genau: Schuhladen) Werbung gemacht habe mit einer Idee, die noch nach dreißig Jahren eingesetzt wird, da wusstest Du vermutlich noch nicht, wie man Werbung schreibt. Das ist eben die Gunst meiner früheren Geburt. Und wenn Du meine Kolumne in HORIZONT regelmäßig lesen würdest, dann hätte sich Dein Kommentar erübrigt.
Aber wie gesagt: Belassen wir es damit, denn ich kenne Dich nicht, weshalb eine längere Korrespondenz nicht viel bringen würde.
@ Spießer
Soso. Da sitzen dann also junge motivierte Stundeten und kriegen einen Vortrag zum Thema “Kreativität in der Werbung” von einem renommierten Experten angekündigt.
Und dann kommst du und erzählst denen 2 Stunden lang, dass Kreativawarde schlecht und Awardideen Betrug sind, der Wurm dem Fisch und nicht dem Angler schmecken muss, eine Idee, die nicht sofort messbar verkauft, gar nicht kreativ sein kann, Imagewerbung nur Selbstbeweihräucherung ist, die sogenannten Kreativagenturen alle nur aus Jahrbüchern klauen, deine “Lieblinge der Woche” Top-Kreation sind und was weiß ich nicht noch alles.
Ich glaube nicht, dass ich da noch viel lernen kann. Oder möchte.
Gruß,
“Feuerkopf” (das Wort habe ich das letzte Mal, glaube ich, in einem Peter-Alexander-Film gehört)
@ Materazzi
…woraus ich schließe, dass Du ein Aufgespießter bist, der an dieser Stelle die willkommene Chance nutzt, aus der Anonymität heraus heiße Luft abzulassen. Nur zu, nur zu, ich kann gut damit leben, denn ich schreibe schließlich seit 40 Jahren eine Kolumne, mit der ich mich bewusst unbeliebt mache! Wie sagt doch der Volksmund? Er sagt: Viel Feind, viel Ehr’!
Übrigens: In jeder Redaktion werden anonyme Briefe nicht beantwortet, sondern in den Papierkorb geworfen. Weißt Du, was Du in meinen Augen bist? Eine feige Socke bist Du! Wenn Du Mumm hättest, würdest Du Dich hier outen, damit die Kunden Deiner Agentur erkennen, was für ein toller Werber/in Du bist. Oder hast Du vielleicht etwas zu verbergen…?
junge, junge: was geht denn hier ab???
@ Koenich Johann
Ich glaube, dass ist eine “Zidane-Materazzi-Situation” bzw. “Spiessane-Materazzi”.
Jetzt bräuchte man einen Schiedsrichter …
Äh, in der ganzen Aufregung das “das” mit Doppel-S getippt.
Ein Korrektur-Feature oder eine Kommentar-Voransicht wäre schön.
Oha, aber ich will hier nicht wehklagen …
@ Spießer
Deine einzige mögliche Erklärung dafür, dass ich hier meinen Namen verberge, ist, dass ich wohl ein frustrierter “Aufgespießter” sein muss?
Ich habe eine andere Erklärung:
Deine engstirnige Vorstellung von Kreativität und Werbung regt mich dermaßen auf, dass ich meine Meinug dazu kundtun möchte. So klar und deutlich wie möglich, und das ohne dabei Rücksicht auf Dritte (Kollegen, Vorgesetzte, Kunden) nehmen zu müssen.
Ja, das ist feige, aber mir fällt nichts besseres ein.
Ich glaube übrigens, ich habe dich in keinem einzigen meiner Kommentare persönlich beleidigt. Dafür bist du in keinem einzigen deiner Kommentare sachlich auf etwas eingegangen, was ich geschrieben habe.
Wenn du keine anonymen Kommentare möchtest, gibt es übrigens auch im Internet Möglichkeiten, die zu verhindern, glaube ich. Dann komme ich auch nicht mehr in Versuchung. Eigentlich ist mir meine Zeit dafür auch zu schade.
@ Materazzi
Nachdem Du nun genug vom Thema abgelenkt hast, um Deine eigene, erbärmliche Situation in der Agentur und im nicht vorhandenen Privatleben darzustellen (Deine Agenturchefs werden stolz auf Dich sein!), komme ich in diesem Zusammenhang zurück zu Jung von Matt — siehe gaaanz oben! — und wünsche Dir guten Appetit bei der Nudel. Ich hoffe, dass Du Dich nicht daran verschluckst
Und wenn Du mir sagst, wie Du heißt, dann mag ich Dich. Wenn nicht, dann nicht.
@ Spießer
Ich mag Deine letzen beiden Sätze. Da fängst du endlich mal an, originell zu werden.
@ Materazzi
Besser wäre es gewesen, Du hättest den ersten Satz gelesen, nämlich den im Vorspann zu meiner Kolumne! Ich zitiere:
“An dieser Stelle finden Sie die ziemlich überhebliche und völlig unmaßgebliche Meinung eines Spießers, von der sich nicht nur die Redaktion, sondern auch der Verfasser selbst in aller Form distanzieren möchte.”
Einen schönen Sonntag wünsche ich Dir! Und: Entspann Dich mal, der Werbealltag ist zu hart, so dass man den Feierabend genießen sollte
Als ich jung war, war ich genauso dämlich, habe am Wochenende wie der Teufel gearbeitet, um beim Meeting am Montagmorgen stolz meine Ergüsse zu präsentieren. Warum eigentlich…?!
@ Spießer
“Warum eigentlich … ?!”
Die Frage kannst nur du Dir selber beantworten.
Aber “Ergüsse” ist ja immer ein eher negativ beseztes Wort. Und wenn du deine eigenen Ideen schon selbst so bezeichnest, war es wohl in der Tat “dämlich”, dafür auch noch außerhalb der vertraglichen Arbeitszeiten “wie der Teufel” zu schuften.
Auch einen schönen Sonntag wünsche ich Dir!
Auf Phoenix läuft gerade ein Bericht über Benno Ohnesorg / Rudi Dutschke & Co. – irgendwie musste ich an Euch denken:
Der Spießer in der Rolle der Konservativen,
Materazzi als junger Revoluzzer…
Hach, ist das Leben schön
)
@ Koenich Johann,
ich empfinde Deinen Kommentar als ziemlich geschmacklos.
Leute! Es ist Sonntag! Habt Ihr sonst nix zu tun?!
Ok, ok. Ich nehm alles zurück. Montag. Weitermachen!
Danke, flo!
Danke auch, flo!
Falls jemand bei ADC-Wettbewerb diese nudelige Werbung an der Wand entdeckt: Bitte um Information an dieser Stelle! Danke!