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Eine Währung namens Vertrauen

21. Juni 2007
von

So ganz am Rande der Stern-TV-Sendung über Lidl, Greenpeace und die Glaubwürdigkeit von Testergebnissen, machte Günther Jauch die Bemerkung, dass etliche Institute für einen Testauftrag von Stern-TV abgewunken haben. Grund: Ärger mit den Handelskonzernen vermeiden. Die Frage, die sich mir automatisch stellt. Wie viel Vertrauen darf man noch in die Unabhängigkeit der Tester haben? Wächst in den Instituten bereits eine Schere im Kopf heran? Verlieren die hehren Bannerträger der Wahrheit ihren Nimbus? Ein weiterer gedanklicher Automatismus: Gibt es also unabhängige Bewertungen nur noch von Blogs und Bewertungsystemen bei Kundenplattformen sowie Amazon und Co?

Doch selbst da ist Vorsicht geboten. Dass Unternehmen in Web-Shops kinderleicht positive Kritik platzieren und Häme über Mitbewerber verbreiten können ist ein alter Hut. Und Unternehmen geben hin und wieder auch zu, dass dies wohl gemacht wird. Natürlich immer von den anderen.
Auch die Blogs verlieren für viele Leser die Unschuld. Wird mit Werbung auf Blogs öfter mit Samthandschuhen in die Tasten gehauen? Wie gut sind bezahlte Beiträge erkennbar? Und mauschelt nicht am Ende immer irgendwer mit irgendwem oder hebt einen Namen aus zweideutigem Interesse in die Höhe?
Bewertungssysteme und Blogs haben in Sachen Glaubwürdigkeit derzeit sicher noch den größten Kredit. Kredit aber ist eine Wette auf die Zukunft. Wer den verspielt, bekommt so schnell keine 2. Chance. Verlorenes Vertrauen ist nur schwer wiederherzustellen. Marken wissen davon ein Lied zu singen, haben teuer Lehrgeld gezahlt.
Fakt ist, die Entscheidung, wem man trauen kann, wem man Glaubwürdigkeit unterstellen kann, fällt immer schwerer. Nicht Information, nicht Wahrnehmung, nicht Aufmerksamkeit wird deshalb zur entscheidenden Währung. Die wichtigste Währung heißt Vertrauen.

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Kommentare zu “ Eine Währung namens Vertrauen ”

  1. Patrick Breitenbach am 21. Juni 2007 um 12:57 Uhr

    Chapeau!

    Wobei das immer auch eine subjektive Wahrnehmung sein wird. Der eine traut XY, der andere misstraut ihm. Am Ende entscheidet also der Ausschlag an der allgemeinen Waagschale. Der einzige unterschied heute: Durch die Beschleunigung von Informationen schlägt die Waage sehr viel schneller aus als früher. Nicht, dass sie uns am Ende gar kaputt geht! ;-)

  2. Patrick Breitenbach am 21. Juni 2007 um 12:59 Uhr

    Off-Topic: Schön, dass du wieder aus dem Urlaub da bist, Olaf. Man merkt, du hast dich erholt. Habe mir schon Sorgen um Off-the-record gemacht. Irgendwie sah ich hier schon Tumbleweeds entlangwehen. ;-)

  3. Roland Kühl v. Puttkamer am 21. Juni 2007 um 13:01 Uhr

    @Patrick: Du hier und nicht wonaders? Wohl zugleich den Beitrag von Olaf gelesen, hehe.
    @Olaf: Ich finde, man merkt auf eine ganz angenehme Art und Weise, dass Urlaub einfach gut tut. Manchmal hilft der Abstand, sich wieder gut einzuloten. Auch 3000 Feeds wegzuschmeissen zeugt von Größe und Vertrauen darauf, dass man schon nichts verpasst hat ;-)

  4. admin am 21. Juni 2007 um 13:01 Uhr

    @patrick
    Danke.
    der urlaub war auch ein Weg, um die klassische 3-monate-blog-depression zu umgehen.

  5. admin am 21. Juni 2007 um 13:20 Uhr

    @roland
    bei den üblichen verdächtigen wie werbeblogger schau ich natürlich sowieso auch ohne feed rein. die 118 kommentare bei euch zur adical-prügel hebe ich mir noch für eine stille stunde auf. ;-)

ivw