Harald Schmidt und die Bedeutung der Langweile für die Marken
Seltsam wie Entertainer Harald Schmidt mit seiner im „Spiegel“-Interview durchscheinenden Langweile bei Stefan Niggemeier echauffierende Reaktionen hervorruft oder Harald Martenstein in der „Zeit“ (nicht online) über grundsätzliches zur Person rätseln lässt. Dabei ist Schmidt nur auf der Höhe der Zeit und liefert auch dem Marketing interessante Denkansätze für künftige Markenversprechen. Eine Nachbetrag in Nach-Urlaubsstimmung.
Was also spricht gegen Langeweile. Nichts. Positiv verstanden ist sie ein Zustand, in dem keine Zwänge und Bedürfnisse für Unruhe sorgen – den Pferden beim Grasen auf der Weide zusehen und damit für Stunden zufrieden sein. (Man könnte es auch Muße nennen, klingt aber zu sehr nach Unterhaltung und Inhalten). Die Dinge an sich vorbeirauschen lassen, weil es unter der Sonne ohnehin nicht neues zu sagen oder zu tun gibt.
Was bei Max Goldt im neuen Buch “QQ” mit dem Begriff der „quiet quality“ und stillen Güte noch für Satire taugt ist doch letztlich Lebensziel. Das Ende des lauten Geschreis. (Beendet nicht auch Saturn das Geiz-ist-Geil-Gejohle?
Bei lauten Marktschreiern wird künftig weggehört. Gefällt nicht auch an Merkel ihr unaufgeregtes fast schon langweilig wirkendes Zuwarten zwischen all dem Gekockele und Testosteron-Gespritze?
In der Ruhe liegt die Kraft und in der Muße die positive Gewalt der Langeweile. Zufriedenheit im Hier und Jetzt ist angesagt. Kein Hinterherhecheln hinter dem neuesten Retro-Trend des Retro. Fast schon buddhistische Gleichmut —innere Leere. Nicht umsonst haben Urlaube im Kloster Konjunktur. Haben Mönche Langeweile? Eine Frage des Blickwinkels.
Das Marketing wird dafür noch einen passenden Oberbegriff finden. Denn Langweile ist ein Zustand von Geborgenheit, die Abwesenheit der Orientierungslosigkeit. Die klassische Rolle der Marken. Keine Suche nach dem nächsten Kick mehr, weil alle Bedürfnisse befriedigt sind. Mit sich selbst im Reinen sein. Letzte Problemstellung: Sich nicht mit sich selbst langweilen. Vielleicht die schwierigste Aufgabe.
Hat sie Schmidt gelöst? Dann ist Langeweile keine Tragik, sondern Größe.
Ab ins Wochenende.












