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Neulich in der Martinez-Bar … (II) … als Paris Hilton gefeiert wurde

25. Juni 2007
von Olaf Kolbrück

Che-Maurice von Heiße & Luft köpfte gerade eine Flasche eines sagenhaften teuren Champus mit einem unaussprechlichen Namen als ich in die Bar kam.
„Wir haben etwas zu feiern. Paris Hilton kommt wieder aus dem Knast und ich habe ein paar tolle Werbekampagnen für sie“, reichte er mir ein Glas.
Ich schaute ihn mitleidig an. „Wer interessiert sich für denn noch dafür?“
Er kippte die Gläser voll bis sie überliefen. „Na hör mal: die Werbung, die Marketingtheorie.“


„Kipp mir nix auf die Schuhe, die waren teuer genug“, sagte ich.
„Alden?“, schaute er fragend hinunter.
Ich nickte „Bei Ebay ersteigert“
„Die halten das aus.“ Er sah wieder hoch und hob sein Glas „Auf Paris Hilton.“
„Warum soll ich darauf trinken? Da ist nur heiße Luft, ein Nichts“.
„Eben. Genau dieses Nichts macht sie so faszinierend. Sie ist mit ihrer Leere eine ideale Projektionsfläche für alle Wünsche und Sehnsüchte. Man kann alles hineininterpretieren. Der Idealfall jeder Marketingtheorie.“
„Hör doch auf. Selbst ein Testimonial braucht einen Markenkern. Wofür soll denn die Dame stehen? Für das Luxus-Dummchen?“
Er kippte seinen Champagner in einem Zug herunter und füllte sein Glas, bevor er mich mit traurigen Augen ansah.

„Sie macht genug auf Dummchen, dass sie wirklich jedem das sichere Gefühl gibt, intelligenter zu sein. Man muss sich nicht vor ihr fürchten. Anders als bei all den anderen glitzernden, tollen Werbestars kommt man sich nicht kleiner vor. Sie ist nicht so hübsch, dass andere Mädchen und Frauen sie als Konkurrentin fürchten müssen. Sie ist eher so etwas wie eine Schwester und sie wirkt hilflos genug, dass Männer sie beschützen wollen. Vor allem aber, und das begreifen Kritiker wie du einfach nicht, sie ist glaubwürdig, authentisch. Darauf kommt es doch an. Alles andere denken wir uns dann dazu aus.“
Allmählich fragte ich mich nicht nur wie viel er getrunken, sondern auch, was er geraucht hatte.
„Aber das ganze Party-Gedönse und dann noch die Gefängnis-Nummer?“
„Das steigert ihren Markwert gigantisch. Das macht sie menschlich Jetzt ist sie auch der gefallene Engel und kann den Phoenix aus der Asche mimen. Geläutert, hat das Leben in all seinen Tiefen ausgelotet. Das bietet Platz für das ganze menschliche Drama. Luxus plus Gosse.“
Er rutschte nervös auf seinem Stuhl hin und her. Er wartete auf meine nächste Frage.
Ich seufzte. „Also gut, wofür soll sie werben?“
Er setzte sein Siegerlächeln auf.
„Jetzt denkst du wahrscheinlich: Kosmetik. Wie hat sie ihren Teint gepflegt im Knast und so? Aber weit gefehlt, mein Lieber. Was jetzt angesagt ist, ist Web 2.0. Also stell dir vor: Paris Hilton, Interviewszene: „Natürlich hatte ich Fluchtgedanken.“ Schnitt: Gefängniszelle. Schnitt Hilton: „Jede Nacht habe ich davon geträumt frei zu sein“. Schnitt. Stimme aus dem Off. „Alles wovon sie träumen.“ Einblendung-Logo Second Life.“
Vor Schreck verschüttete ich meinen Champus. Mitten über die Schuhe. Die Farbe löste sich auf. War wohl doch ein Plagiat. Aber irgendwie spielte das jetzt auch keine Rolle mehr.

Fortsetzung folgt

(Disclaimer: Die Martinez-Bar gibt es wirklich. Sie ist während des Werbefestivals in Cannes DIE Anlaufstelle für Top-Kreative. Alle dort handelnden Personen sind frei erfunden.)

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Kommentare zu “ Neulich in der Martinez-Bar … (II) … als Paris Hilton gefeiert wurde ”

  1. Katrin am 25. Juni 2007 um 20:20 Uhr

    Ein Albtraum! *g*

  2. Monti am 26. Juni 2007 um 01:38 Uhr

    wie wahr

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