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Zeitung als Hobby?

17. Juli 2007
von

Nur ein Verdacht: Sind Zeitungen eines Tages nur noch ein schönes Hobby der Verlage? Schaufeln die großen Medienhäuser ihr gut verdientes Geld aus mehr oder weniger vollen Taschen auch deshalb ins Web 2.0, weil sie wissen, dass die Zeitung bald weniger einbringen wird als der Fisch in dem sie eingewickelt wird? Eine Größe wie Verleger Michael Ringier frohlockt ja nicht ohne Grund im „Spiegel“-Interview, dass Betty Bossi 250000 Gemüseschäler verkauft hat. Warum also nicht eines Tages Zeitungen nur noch aufrecht erhalten, um sie als Marke für weitere – gänzlich unjournalistische und unpublizistische – Geschäfte zu nutzen?
Warum nicht gleich einen eigenen Laden aufmachen, wie es M. DuMont Schauberg, Köln, und Connect Media Marketing mit Magazzo versucht haben? Es könnte ja auch mal klappen. Undenkbar? So wie Wandlung der Preussag zur TUI.

Ein kunterbuntes Allerlei leistet sich ja auch schon das Hamburger Abendblatt mit seinem Online-Shop. Außerdem kündigte das Blatt Ende Juni einen Webshop für Unternehmen an. Kunden sollen die Shops zusammen mit individuell zugeschnittenen Werbepaketen buchen. Außerdem ist die Einrichtung einer virtuellen „Abendblatt-Mall“ geplant. Klar, Zeit-Leser würden sich sicher vor einem Angebot von Gurkenschälern im Blatt gruseln. Aber sicherlich gibt es auch für sie ein breites antiquarisches Portfolio.

„Verlage haben heute die Chance, ihre Produkte zu Markenfamilien zu machen“, sagt Ringier. Jenseits von Print- und Web-Ablegern böte sich sicherlich auch Potenzial für ein breites Sortiment — jenseits von Buch- und CD-Zusatzgeschäften. Gesucht sind Produktlinien und Shop-Systeme, die mit ihrem Image zur Marke passen und ihren Imagewert auf das Printobjekt zurückspielen können. Das hilft dann eventuell auch trudelnden Auflagen wieder auf die Beine.

Dafür müssen die Verlage aber mehr aufbieten als einzelne schmucke Artikel, einige Leserreisen oder gelegentliche Kooperationen mit Herstellern. Größer denken, nicht nur in Gurkenschäler-Kategorien: „Freundin“ als Modemarke, „Geo“ als echte Konkurrenz für Tui und Co, „Stern“ als Online-Kaufhaus im Wettbewerb mit „Otto“? Warum eigentlich nicht?

Nix für die Jugend, die schon die Jugendzeitschriften nicht mal mehr anguckt? Warum nicht hoffen, dass ein flotter Bravo-iPod, ein hippes Stern-iPhone mit vorinstallierten blattnahen Services und twitter-igen Tools und Feeds einen Markt hat und auch neue Liebhaber für das Hobby Zeitung interessiert? In der Zwischenzeit kann man ja ruhig weiter alles webbige, nach jugendliche Zielgruppe aussehende aufkaufen, was bei Drei nicht den Stecker zieht.

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Kommentar zu “ Zeitung als Hobby? ”

  1. florian am 18. Juli 2007 um 09:13 Uhr

    zeitungen haben ein sehr lang aufgebautes markenvertrauen. aus diesem können sie schöpfen, aber es wird auch mal versiegen, wenn sie vergessen, warum sie dieses vertrauen haben.

    eine marke als lose hülle zu erhalten, um einen markenadäquaten versandhandel zu betreiben, kann auf dauer nicht gut gehen. zeitungen werden mit sicherheit immer weniger die primär-informationen liefern, da sie hierfür einfach technich überholt wurden. aber nach der tatsache, dass informationen immer unreflektierter und unseriöser über den äther kommen, wird der wunsch nach qualifizierten kommentaren immer stärker werden und dies nicht nur im premium-segment.

    der markt für zeitungen wird sicher weiter schrumpfen, aber überleben werden sicher nicht jene häuser, die zu den gelieferten heizdecken, oder ipods, noch ihr blatt legen.

ivw