Spießer Alfons: Banken und Marionetten
Wer des Spießers Kolumne intensiv studiert, der wird bemerkt haben, dass Alfons von Werbung so gut wie nix versteht
. Darum steht der spießige Konsument auch häufig vor den Bildern der Reklame wie der Ochs’ vor dem Berge und staunt Bauklötze, wie die Werbegestalter dem Betrachter immer wieder etwas durch die Blume erzählen.
Eine Blume, die Fleurop nicht verschickt, nämlich die Pusteblume.
Ein Beispiel für eine Anzeige mit beschränktem Werbewert stammt von der Hypo-Vereinsbank. Dieses Geldinstitut hat möglicherweise eine frohe Botschaft und könnte kommunizieren, dass nicht nur deren Neu- sondern auch alle Altkunden ein kostenloses Gehaltskonto haben und dass dort auch Kreditkarten kostenlos sind. (Nein, nicht die Kredite sind kostenlos, sondern bloß die Karten!) Das jedenfalls lässt sich mit einem bisschen guten Willen aus dem Kleingedruckten der Annonce herauslesen.
Ein Spießer wie Alfons, der von Werbung so gut wie nix versteht, fragt sich jedoch: Warum steht der Benefit der Hypo-Vereinsbank nicht im Großgedruckten?! Stattdessen sehen wir dort einen an den Füßen aufgehängten Mann mit baumelnder Krawatte und neun Buchstaben, die innovativ sein sollen — siehe die Abbildung!
Aber kommen wir zurück auf das Kleingedruckte, das ohnehin kein Mensch liest, wenn das Großgedruckte ihn nicht neugierig darauf gemacht hat. (Richtige Werbetexter wissen das natürlich, weil sie David Ogilvy gelesen haben!)
Und der Fließtext lautet wie folgt: „Unsere Mitarbeiter sehen die Dinge etwas anders.“ (Aha, denkt der Spießer, weil sie von der Decke herabbaumeln, haben die Banker eine andere Perspektive, sehen quasi die Kunden von oben herab!) „Besonders, wenn es ums Gehaltskonto geht.“ (Klar, die Bankmitarbeiter wollen mehr Gehalt auf ihrem Konto haben, stimmt’s?!)
„Sie sind der Ansicht, dass jeder Kunde ein kostenloses Konto haben sollte — nicht nur als Neukunde.“ (Wenn die Mitarbeiter der Bank dieser Ansicht sind, dann sollten sie damit vorstellig werden bei ihrer Geschäftsleitung, denn nur die kann das entscheiden!)
„Sie sind auch davon überzeugt, dass kostenlos nicht von hohen monatlichen Geldeingängen abhängig sein sollte.“ (Nein, natürlich nicht. Und was tun sie, die Mitarbeiter, damit bei hohen monatlichen Geldeingängen entsprechende Haben-Zinsen für den Kontoinhaber abfallen?)
„Sie finden, dass kostenlose Standards wie Kreditkarte oder Zugang zu Bargeld an über 17/000 Geldautomaten in 16 Ländern genau das sein sollten — nämlich Standard.“ (So, finden sie das? Und wenn bei der Hypo-Vereinsbank solche Standards = Standard sind — warum wird es dann überhaupt erwähnt in der Anzeige? Mit Selbstverständlichkeiten sollte man doch keine Werbung machen!)
„Das ist es, was unsere Mitarbeiter zu dem macht, was sie sind.“ (Und zu was sind sie gemacht worden, die Mitarbeiter? Wenn Alfons mal raten darf: Sie sind von ihrer Geschäftsleitung dazu gemacht worden, Geld zu verdienen — für die Bank. Und Sie sind Marionetten mit einem Spielraum, den ihnen die Befehlszentrale der Bank vorgibt. Kurz: Sie sind so, wie die Mitarbeiter anderer Banken auch. Und was die Damen und Herren hinter dem Schalter persönlich meinen, das ist dem Vorstand genauso gehupft wie gesprungen.)
Ja, und wenn ein Mitarbeiter der Hypo-Vereinsbank eigenmächtig handelt, nämlich so, wie er selber gern möchte, dann wird er kopfüber aufgebaumelt. Sollte Alfons das falsch verstanden haben, dann liegt es nur daran, dass der Spießer so gut wie nix von Werbung versteht. Und wenn der Anzeigengestalter sagt: „Mit dem Bild falle ich doch auf!“ — dann entgegnet der Spießer: Wenn der abgelichtete Mann stattdessen mit heruntergelassener Hose dem Betrachter voll die Backen zeigen täte — dann würde das noch mehr auffallen. Aber warum sollte die Bank bloß auffallen und nicht werben wollen …?!












He – ich hatte eigentlich gedacht, dass die Mitarbeiter der Hypo-Vereinsbank hier einen Kommentar schreiben! Oder hängen die noch…?
nee, die interessiert’s einfach nicht, akzeptier das.