StudiVZ provoziert viral an der Ekelgrenze (Update)
(Der folgende Beitrag über eine Viral-Kampagne von StudiVZ wurde gestern nachmittag aus dem Blog entfernt. Nun steht er wieder drin. Textlich unverändert. Der Beitrag gestern zeigte zudem den Spot „Fat kids are harder to kidnap“ und „Vegetarians eat my food’s food“. Der „Fat Kids“-Spots ist weiter zu sehen.Von „Vegetarians“ git es jetzt nur Standbilder. Beide Spots hatte ich bei Youtube reingestellt. Dort stehen sie nun gleichfalls nicht mehr. Grund: Zumindest beim „Vegetarians“-Spot tauchten Zweifel auf, ob wir uns angesichts des Inhalts und mit Blick auf die AGB nicht (juristischen) Ärger einhandeln könnten. Also wurde erstmal „reiner Tisch“ gemacht und eine Nacht über das weitere Vorgehen geschlafen – mit dem jetzt publizierten Ergebnis. Den “Fat Kids“-Viral habe ich nun bei Sevenload reingestellt. Warum dort? Zum einen gab es die absurde Vermutung, wir würden durch das Einstellen von zweien der drei Spots bezahltes Seeding für die Agentur betreiben. Die Tatsache, dass ich den intenational ausgerichteten Spot nun auf eine deutsche Plattform stelle, soll diesen Vorwurf symbolisch entkräften. Zum anderen soll es erbosten Lesern und dem Werberat das “Beschwerdemanagement” erleichtern. Nach einem ausführlichen Blick durch die Kommentare auch auf anderen Blogs scheinen viele dieser Seeding-Theorie anzuhängen. Vielleicht entkräftet es die Vorwürfe, wenn ich gar keinen Spot einbinde.
StudiVZ streut derzeit drei virale Spots durchs Web, die aus meiner Sicht vor allem eines sind: Unsittlich, ekelerregend, abstoßend. Das muss man aber nicht so empfinden. In jedem Fall dürften die Spots eine kontroverse Debatte erzeugen und damit eine große Aufmerksamkeit erzielen. Doch heiligt der Zweck alle Mittel? Schießt sich die Marke mit den kalkulierten Schocks der Virals nicht selbst ins Knie? Worum geht es? In einem Video tritt ein Trio an, dass Vegetarier hasst. Im Stil einer Clockwork-Orange-Guerilla fällt es über Vegetarier her, wirft Molotow-Cocktails und verfüttert menschliche Extremitäten an Schweine. Spot Nummer 2 demonstriert, dass dicke Kinder schwerer zu entführen sind. Dort werden mit einer verkleideten Erwachsenen derbe Späße vorgeführt. Der dritte Spot widmet sich dem Fäkaliensegment.
![]()
![]()
![]()
![]()
Ziel der Spots: International neue Nutzer erreichen und sie zu einer speziellen Videocontest-Site führen.
Doch geht diese Schock-Werbung nicht zu weit? Selbst für die Zielgruppe der 18- bis 28-Jährigen? Wir erinnern uns: Auch die Schock-Werbung von Benetton hatte hohe Aufmerksamkeit, stieß die Marke aber ins Abseits.
Verkalkte Denke? Bei StudiVZ wiegt man sich in Sicherheit. Das Spiel mit der Provokation ist Teil der Kultur der Community-Mitglieder: Heavy Metal statt Kuschelrock. Die Kampagne greift nur die Realität auf und verdichtet sie.
Die Abbinder weisen jeweils darauf hin, dass es entsprechende Gruppen wie „Beautiful girls dont poo“, „Fat kids are harder to kidnap“ oder solche mit Vegetarier-Gegnern gibt. Die deutsche Gruppe „Dicke Kinder sind schwerer zu kidnappen“ wird bei StudiVZ mit über 38.000 Mitgliedern ausgewiesen. „Vegetarier essen meinem Essen das Essen weg“ hat über 120.000 Mitglieder.
Es sind keine gefakten Gruppen. Studenten-Ulk mag sein. Aber ob all die Nutzer auch noch lachen, wenn im Spot „Vegetarians are eating my food’s food“ künstlerisch verbrämt Gewaltorgien gefeiert werden?
Die Antwort lautet vermutlich: Ja. Sie werden ihren Spaß haben an der Provokation, am Unangepassten, am Verzicht auf jede Political Correctness, den Aimaq Rapp Stolle Interactive da inszeniert hat.
Denn wer sich einmal durch die Gruppen bei StudiVZ klickt, stellt schnell fest, dass das Netzwerk von drei Dingen beherrscht wird, Fun, Fun, Fun. Auch bodenloser, niveauloser, schmutziger und grenzwertiger Spaß hat da seinen Platz. Im Klartext: Die Spots passen zur Marke und ihren Gruppen. Der Ernst des Lebens beginnt noch früh genug. Die Seriosität überlässt man deshalb gerne anderen. Wem das nicht passt, der kann ja draußen bleiben. Auch aus StudiVZ. Und so erreicht die virale Kampagne ein zweites wichtiges Ziel: Abgrenzung.
Ob man beim Eigner Holtzbrinck auch so viel Spaß versteht, nachdem StudiVZ angesichts halbseidener Herrengruppen bereits Sexismus-Vorwürfe abfangen musste, steht allerdings auf einem anderen Blatt.
(Hinweis: Eine ausführlichen Bericht vom Kollegen Mehrdad Amirkhizi zur Kampagne gibt es auch am Donnerstag in der Printausgabe von HORIZONT)























soeben auf boocompany.com:
“Wie ich soeben erfahren habe, wollen Aimaq Rapp Stolle, die kreativen Kreatoren der StudiVZ-Horror Videos, ihre viralen Spots aus dem Netz verbannen. In einer panischen Aktion hetzen sie ihre Anwälte in eine völlig falsche Richtung. Statt auf meine E-Mails zu antworten, haben sich Aimaq Rapp Stolle dazu entschlossen, die Betreiberin der Seiten supercompany.de und lanu.cc anzugreifen, die in keiner Weise für die auf boocompany veröffentlichten Inhalte verantwortlich ist.
Nach den ersten Information der mit Unsummen unter Druck Gesetzten pochen die Herren auf das Urheberrecht und darauf, dass die Videos verfälscht worden seien.
Aus Rücksicht auf die zu Unrecht Beschuldigte und um ihr weiteren Ärger zu ersparen, werde ich die Videos zum geforderten Zeitpunkt um 18 Uhr des heutigen Tages entfernen.”
http://www.boocompany.com/inde...../id/15067/
@ Vroni
Also wen du mich mit dem Studenten meinst der vorhat demnächst ins Wirtschaftsleben einzutreten dann muß ich dich leider enttäuschen, den Schrit hab ich schon hinter mir.
Also was man für Eigenschaften braucht, ich würde mal sagen es könnten durchaus einige Überscheidungen geben mit den Eigenschaften die man braucht um sich hier so sehr darüber aufzuregen.
Mit Sicherheit sind auch die Eigenschaften die man benötig auch davon abhängig in welchen bereich man arbeiten will.
Auch auf die Gefahr hin das ich mir selbst widerspreche, aber ich fand den Satz einfach sowas von bescheuert das ich da was zu schreiben mußte.
Man benötig Durchsetzungsvermögen und zwar ein Durchsetzungsvermögen in der Art das man nicht immer schaut was mit den Leuten ist an denen man sich gerade vorbei gekämpft hat, man kann es auch anders Ausdrücken.
Man muß ein bißchen Arschloch sein.
Zudem kommt natürlich noch das man was davon versteht was man macht.
Also jetzt in meinem Fall, ich bin nach meiner Diplomarbeit direkt bei der Firma geblieben bei der ich sie geschrieben hab. Ne recht große Firma mit Weltweit über 300 Standorten. Zur Zeit bin ich stelv. Betriebsleiter und soll im nächsten Jahr die Stelle des Betriebsleiters übernehemen, denn der geht im nächsten Jahr in Rente.
Wenn sich das jetzt so anhört als will ich hier einen auf dicke Hose machen, dann habt ihr vollkommen recht, denn da bin ich stolz drauf und erzähl es auch gerne *g*
@ Kartoffelfresser: Ich denke, wenn Vegetarier gelyncht und Schweinen zum Fraß vorgeworfen werden, dann ist das mehr als unterste Schublade. Solche hirnrissigen Dinge sollten nicht mal gedacht werden. Sonst fängt die Jugend irgendwann an, diesen Schmarrn zu glauben – das steht dann in einer Reihe mit “Die Kuh ist lila” und “Der Strom kommt aus der Steckdose” oder “Das Schnitzel aus dem Supermarkt”. Nur leider in einer wesentlich schlimmeren Dimension.
Sehen Sie nicht die Tragweite einer solchen sinnlosen PR-Aktion?
Mal abgesehen davon: Solche Aktionen bringen studivz zwar Anmeldungen, offensichtlich. Aber das Problem mit der Inaktivität der User wird nicht behoben. Für das Portal an sich wird nämlich meiner Meinung nach viel zu wenig getan. Da hakt es an allen Ecken und Kanten.
Aber anscheinend wollen die Verantwortlichen lieber mehr aktive User dadurch erreichen, dass sic noch mehr Leute anmelden – wobei die Quote sich dann nicht verändern dürfte.
Naja, Strategen haben sie nicht in ihrem Laden, oder?
Beste Grüße
doctea
Also, ich hab’ die Videos sofort gefunden:
[Link von admin wegen juristischer Erwägungen gelöscht. Bitte gegenwärtig keine Links zu Videos posten.]
Stimmt, besser ist das. Sorry. Ein Link ist auch gar nicht nötig, weil jeder bei Google Video nach den Ekelvideos suchen kann.
@admin/Olaf Kolbrück: Mich würde langsam mal wirklich interessieren, was für juristische Bedenken gemeint sind? Fürchtet ihr eine Anzeige von ARS, weil die Spots von denen zurückgezogen wurden? Oder rechnet ihr mit Ärger, wenn ihr die Spots verlinkt, weil euch jemand anzeigen könnte, der sich über die Filmchen ärgert? Dazu habe ich mal eine Verständnisfrage: Ist es nicht so, dass ihr als Medienmagazin solche Dinge dokumentieren könnt? Ich meine, die “taz” wird ja auch nicht angezeigt, wenn sie ein Bekennerschreiben zu einem Anschlag der RAF dokumentiert, oder? (Womit ich jetzt diese Machwerke nicht mit Terrorismus vergleichen möchte)
Es wäre schön, wenn ihr eure Leser mal aufklären könntet.
Wenn ihr sagt “Wir wollen den Mist nicht weiter verbreiten”, dann wäre das ein Argument für mich. Aber juristische Bedenken?
@ Olli
“Man benötigt Durchsetzungsvermögen und zwar ein Durchsetzungsvermögen in der Art das man nicht immer schaut was mit den Leuten ist an denen man sich gerade vorbei gekämpft hat, man kann es auch anders Ausdrücken.
Man muß ein bißchen Arschloch sein.”
Olli, ich habe dich deutlich nach FÜHRUNGSEIGENSCHAFTEN gefragt, die man haben muss, wenn man oben ist.
Nicht nach DURCHSETZUNGSEIGENSCHAFTEN, um überhaupt nach oben zu kommen.
Ist sich Unterschied.
Für mich stellt sich jetzt die Frage (nachdem ich deine Antwort in mir wirken ließ), ob du überhaupt in der Lage bist, verbal oder geistig, elementare Dinge auseinander zu halten. Über Führung hast du jedenfalls noch nicht nachgedacht, du weißt gar nicht, was das ist. Ein schöner Betriebsleiter bist du.
@Olli:
Grammatik und Interpunktion scheint jedenfalls nicht dazuzugehören, wenn ich mir Deine Wall-of-Text so anschaue.
@ HamsterDesTodes
Und die Rechtschreibung geht auch eher in Richtung Orthograffiti.
“Aaai’m iiilecktät tu lied not tu ried.” Arnold Schwarzenegger
@ professor Kaffee
Also, den Einfluss der Clips auf die Anmeldungen von StudiDidelbum kenne ich nicht, ist mir aber auch herzlich egal. Ich mein’, ist ja nicht meine Firma, ich hab nicht mal nen Account, da ich finde, sich mit Klarnamen im Internet zu bewegen ist sowieso ein Schuß in den Fuß. Aber zur Sache.
Ueber die Tragweite der Clips bin ich mir anscheinend nicht bewusst. Ich hab die Videos jetzt gesehen, meine Güte! DARÜBER regen sie sich auf? Da gibt es ja wohl jeden Tag im Privatfernsehen schlimmeres zu sehen. Ich dachte bisher, das es nur zwei Gruppen gäbe, die solche Clips ernst nähmen. Zum einen Kinder, zum anderen Leute, die sowieso, wie sagt man so schön “ein ganz tolles Panorama an sich vorbeiziehen haben” und dann wirklich denken, das Kühe lila sind.
Und übers Thema “Kinder und zweifelhafte Inhalte im I-Net” brauche ich hoffentlich niemandem was zu erzählen.
Ach, und Denkverbote finde ich generell nicht gut. Das klingt so totalitär. Ich finde, das wichtigste ist, jedem zu ermöglichen, auch solche Dinge zu betrachten und sich selber sein Urteil darueber zu bilden. Der Inhalt ist vielleicht für mancheinen geschmacklos, aber man sieht deutlich, das das Konzept humoristisch ist, fast in Richtung Satire. Das ist in conclusio ja auch der wahre Kern von StudiKaploing und der Zielgruppe/den Usergroupnamen wie “Vegetarier essen meinem…” Ich finde, Spaß, !!!*solange er nicht realen Menschen Schaden zufügt*!!!, ist über persönliches Moralempfinden erhaben. Wenn jemand die Art von Humor nicht mag, brauch er ja nicht zu lachen. Aber aufgrund der eigenen Empfindung anderen den Spass zu verübeln, das hat keinerlei Wert. Und ich glaube nicht, das aufgrund dieser Clips jetzt vermehrt Vegetarier ermordet oder dünne Kinder entführt werden.
grüsse