Maxdome: Virale Provokation im Jackass-Look
Irgendjemand muss Agenturmenschen gesagt haben, dass virale Spots vor allem grenzwertig sein müssen und Geschmacksgrenzen überschreiten sollen. Wenn man sich dann Richtung jüngere Zielgruppe bewegt wird es dann scheinbar schnell jack-ass-ig. Gewalt und Grausamkeiten sind dabei offenbar das Mittel der ersten Wahl.
Und so geht auch Maxdome, das Video-on-Demand-Portal von ProSiebenSat.1 für die schrägen und teils provokanten Cartoons von “Adult Swim“ auf die virale Eskalationsstufe.
Spots bei Myvideo zeigen zunächst reale Personen, die unter anderem Treppen hinabgeworfen oder von Freunden von Brücken herunter auf die Autobahn geschmissen werden. Dabei verwandeln sich die Menschen zwischenzeitlich für den “Stunt” in Zeichentrickfiguren. Ergänzt wird das Konzept, das Maxdome zusammen mit Creative Solutions der ProSiebenSat.1 Produktion entwickelt hat, um den Hinweis an die User, dies nicht selbst nachzumachen.
Sicherlich mag man das erkennbar überzeichnet finden, auf den Animations-Charakter und die bissige Vorlage der Cartoons verweisen, doch allmählich frage ich mich, ob das “Spiel” mit der Provokation und dem Wahnwitz nicht zu sehr zum Selbstzweck verkommt. Letztlich also solche virale Kampagnen vor allem eines verbreiten: den Wahnwitz. Nicht aber die Markenbotschaft. Zumal die Dachmarke Maxdome nicht nur Jackass-fanatische Kids als Zielgruppe hat.
Vielleicht sollten Kreative einmal länger darüber nachdenken auf welche Weise ein Unternehmen viral, wie Martin Oetting schreibt, “nützliche, spannende, anregende Inhalte in Bezug auf Produkte und Marken bietet, über die es sich zu reden lohnt”. Awareness ist schließlich nicht alles. Außer ein paar Auto-Tunern kommt ja schließlich auch niemand mehr auf die Idee, eine Bikini-Schönheit auf die Motorhaube zu legen, nur weil dann fast alle Männer hingucken wie blöde.
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Welche StudiVZ-Gruppe war denn Vorbild für diesen gewaltverherrlichenden Spot?
Einfach unglaublich, was Kunden heute so freigeben, ohne an die Konsequenzen für die Markenwahrnehmung zu denken.
Und auch unglaublich, was Agenturen (bzw. Inhouse) ernsthaft vorschlagen umzusetzen.
Markenwahrnehmung hin oder her: Jede Publicity ist gute Publicity. Und das es wirkt, siehst Du an diesem Blogeintrag.
@Punkr
Dazu gibt es ein schönes Zitat, das ich an der Blogbar gefunden habe:
“Einen großen Haufen auf den Gehweg scheißen und sich dann daran erfreuen, wenn möglichst viele rein treten und die Kacke verteilen, mag man als funktionierendes Viralmarketing bezeichnen. Trotzdem wird nur Kacke verteilt und die Betroffenen kratzen sie angeekelt aus den Profilsohlen. Keiner der Betroffenen oder Spaziergänger, welche die breitgetretene Kacke sehen, wird sich dadurch zum Kauf von Kacke bewegen lassen.”
“Jede Publicity ist gute Publicity”
Das ist schlicht falsch. Stell dir vor, eine unbekannte kleine Privat-Bank müsste erklären, wie Kontodaten von Kunden an Dritte gekommen sind. Gute Publicity?
“Und das es wirkt, siehst Du an diesem Blogeintrag.”
Das kommt darauf an, was du unter “Wirkung” verstehst. Ein Spot, der einfach nur die Hürde genommen hat, verbreitet zu werden, sprich: viral zu sein, “wirkt” doch noch lange nicht deshalb, weil er verlinkt oder weitergeleitet wird.
Der gezeigte Spot ist nur noch, ähm , ja wie sag ich es…
…schlicht zum Vergessen und öde. Dummstuff.
Wie es geht – auch mit “die Brücke runterschmeißen” und mei, jack-assig – zeigen Demner, Merlicek & Bergmann, hervorragend selbstironisch und bemerkenswert krass, dass einem die Luft wegbleibt, aber dann doch wieder mit Stil (Ã la keep a stiff upper lipp):
http://www.dmb.at/weihnachten06/karte_de.php
Hat schon mit was mit innerer Einstellung, Fähigkeit, Ebenen zu schaffen und mit Humor zu tun. Und dieses hat wieder mit Intelligenz zu tun. An die Macher von “nur Brutalem” ohne Hirn ist einfach… tja saudumm: Ihr habt eine Wahrnehmungs- und Kommunikationsfähigkeit wie 5 m Feldweg.
@Feldwege sind oft auch Hundelaufstrecken. Da bleibt links und rechts so einiges thematisch angrenzendes liegen.
Das Erschreckende sind die 5 m. Kürzer gehts nimmer.
Selbst der hüftlahmste Hund braucht mehr Länge, sonst fängt der gar nicht zu laufen an
Hi!
Gibt es nicht ein Werberat oder ist der für so etwas nicht verantwortlich? Und wenn dann die Jugend noch mehr Scheiße baut, beschweren sich alle.. das darf doch nicht sein…
Der Spot ist einfach Markenkern pur. Hat jemand von den Kommentatoren die Animationsserie “Robot Chicken” schonmal gesehen? Eine sehr gut gemachte, intelligente Serie. Und so traurig es auch ist…. die Spots passen. Robot Chicken nimmt Serien etc. aufs Korn. Das macht dieser Spot ja auch. Er verarscht “Jackass”.
Ich schließe mich in diesem Fall Phil Spector an. Es passt zum Markenkern von Robot Chicken.
http://youtube.com/watch?v=3zPlwaMacvM
Allerdings nicht unbedingt zu Maxedome. Und die Frage ist auch ob man tatsächlich die Realszenen dann drehen musste um Robot Chicken zu bewerben, denn RC besteht nur aus Animation. Also auch hier wieder das Spiel mit dem Feuer. Ansonsten finde ich es extrem platt und unlustig, also Meilen von der zu bewerbenden Serie entfernt.
Noch ein Satz zu Bad PR is good PR. Ich denke das Beispiel mit den Exkrementen am Schuhwerk hat es deutlich gemacht und auch Ramses Beispiel mit der Bank.
Dann noch eines von mir: Verhaltensgestörte Kinder sind auch auffällig und ziehen Aufmerksamkeit auf sich, trotztdem würden die wenigsten Menschen auf die Idee kommen eins zu adoptieren.
Zur Zeit viele Awareness-Junkies unterwegs. Kein Wunder bei dem Werbeoverkill da draußen. Auch das sollte man mal diskutieren. Je mehr man die Schraube anzieht, desto höher die Gefahr, dass sie durchdreht!
was issen an dem spot provokativ? nichts. der hat ne alte idee und ist schlecht und gewollt umgesetzt.