Spießer Alfons: Chefredakteur als PR-Berater für 890 Euro!
Was ist der Unterschied zwischen Werbung und Public Relation, sprich: PR? Spießig gesagt: Werbung
ist als solche gekennzeichnet, PR versteckt sich im Redaktionsteil der Medien. Werbung wird nach Tarif und auf dem Ladentisch verhandelt, PR ohne Tarif am Restauranttisch ausgehandelt. Und nur ein Spießer wird behaupten, dass bei der Aushandelung auch Gelder fließen. Ja, und böse Zungen wie die von Alfons bezeichnen PR immer wieder gern als redaktionelle Schleichwerbung.
Bei Anzeigenblättern ist es nicht nur gang, sondern auch gäbe, dass Inserenten kostenlose Redaktion bekommen. Bei anderen Medien ist das anders: Je seriöser die Redaktion, desto höher die Barriere für Schleichwerber. Und das ist ja auch logisch: Jedes Unternehmen, das eine positive Information über sich in die Medien bringen möchte, kann das tun, wann immer es will: mit einer Anzeige. Oder einer ganzen Image-Kampagne. Insofern müsste jeder Redakteur, de PR-Material auf seinen Schreibtisch bekommt, dem Absender mitteilen, dass dafür die Anzeigenabteilung zuständig ist und nicht die Redaktion.
Ganz anders Stefan Krüger, Chefredakteur der Grünen Post aus München, sprich: weh&vau!
Er macht speziell Seminare für PR-Leute, um denen die Tricks beizubringen, wie sie Redakteure überlisten können und kostenlose Informationen über ihr Unternehmen und/oder Produkt ins Blatt schmuggeln können.
Krüger:
„Lieber Teilnehmer, gute PR ist unverzichtbar. Sie ist nicht nur ein effizientes Kommunikationsinstrument, sondern auch ein ausgesprochen kostengünstiges Mittel, um Image aufzubauen, bzw. zu pflegen. Damit eignet sie sich ideal für die Neukundenakquise oder die Betreuung von Bestandskunden. Optimieren Sie jetzt Ihre Außendarstellung! Die PR-Arbeit für Ihr Unternehmen ist ein ständiger Prozess, der im Laufe der Zeit zwar immer wieder an veränderte Gegebenheiten angepasst werden muss, aber nie zum Stillstand kommt. Während des eintägigen Coachings zeigt Ihnen Chefredakteur Stefan Krüger, wie Sie Ihr Unternehmen im Kreis Ihrer Kunden bzw. In der Branche kontinuierlich optimal darstellen und wie Sie immer wieder positive Berichte in der Fachpresse sowie in Tageszeitungen und Publikumstiteln platzieren.“
Abgesehen davon, dass Tageszeitungen offensichtlich keine Publikumstitel sind, so ist es doch erstaunlich, dass ein Chefredakteur die Leser und Inserenten seines Blattes darauf hinweist, dass PR genauso effizient wie kostengünstig ist. Im Gegensatz zu Anzeigen natürlich, was sonst?!
Also:
„Sichern Sie sich einen nachhaltigen Wissenstransfer durch einen Chefredakteur!“
Tipp des Spießers: Lasst Euch von Stefan Krüger coachen und befolgt seine Anweisungen! Anschließend schickt Ihr dann Eure PR-Beiträge an weh&vau zu Händen von Stefan Krüger. Und wenn der die nicht abdruckt? Dann verlangt Ihr einfach die 890 Euronen zurück, die Ihr dafür bezahlt habt! Stichwort: Reklamation.
PS: Dieses ist kein redaktioneller Beitrag, sondern ein PR-Bericht für Stefan Krüger. Die Veröffentlichung erfolgt kostenlos.



















Dass PR Schleichwerbung ist, ist nicht spießig, sondern schlichtweg falsch.
Kurze Frage: Zu wieviel Prozent besteht eigentlich der Horizont aus Meldungen über neue Spots, Kampagnen, Personalien etc. Und woher habt Ihr die? Aus Pressemitteilungen. Und fließen dabei Gelder? Ich hoffe wirklich: Nein.
@ Christian – ich bin ein Spießer. Und was bist Du? Lass mich raten: Du bist PR-Berater, stimmt’s…? Und wenn ich an Deiner Stelle wäre, würde ich genauso argumentieren
Stimmt (das mit dem PR-Berater)!
Der Inhalt meines Kommentars ist aber dennoch korrekt. Oder woher bezieht Ihr Eure Infos?
Aber an Deiner Stelle wäre ich auch ausgewichen:-)
Christian hat doch nur eine legitime Frage gestellt. Ich bin zwar der Meinung, dass die Grenzen zwischen PR und Schleichwerbung mitunter fließender sind als einem lieb ist, aber dieses permanente PR-Bashing ist doch auch Unfug.
Ganz schlimm wird es dann, wenn sich Journalisten als die knallharten Investigativen hinstellen und dann doch wieder dankbar Copy&Paste betreiben. So wie in der “Hamburger Morgenpost” in deren Kommentar der Chefredakteur mal flott salopp erklärt hat, dass die “PR-Fuzzis” einem ja immer viel erzählen wollen – und dann wird eine “kostenlose” Reisebeilage in die Zeitung gesteckt. Mit “kostenlosem” Gewinnspiel und knallhart recherchierten Berichten über Hotels und Service und kommen Sie, genießen Sie, erholen Sie sich blabla.
Genau das, ramses101, ist doch das Problem: Die Hemmschwellen der vereinten Verlegerschaft gegen wohlwollende – sagen wir – ‘Rezensionen’ von Wirtschaftsprodukten aller Branchen sinken, das Phänomen dieser redaktionell nur noch dürftig getarnten Werbung wird immer penetranter, und die Leser halten sich längst die Nase zu oder rennen sogar weg, weil es eine Öffentlichkeit, die ihre Interessen im Auge hätte, längst nicht mehr gibt, zumindest keine, wie sie auf den Journalistenschulen so gelehrt wird, sondern nur noch eine lange Reihe von Flohmarktständen, wo hinter bunt drapierten Tapeziertischen die Banner mit den Medientiteln flattern. Das Schlimmste aber: Alle bieten auch noch halbwegs die gleiche Mediensoße an …
Keine Frage, wurde ja zum Beispiel auch in dem von dir verlinkten Rainer-Sacht-Beitrag deutlich (die Nummer mit dem Focus-Schreiber im Hotel). Trotzdem ist es falsch, alle PR-Leute in den Sack Schleichwerber zu stecken. Das ist die gleiche Nummer wie “alle Werber sind Lügner”.
@ ramses – stimmt. Auch nicht alle, die Ramses heißen, sind Ägypter. Aber Spießer Alfons sieht die Dinge satirisch. Und Satire ist immer eine bewußte Übertreibung. Okay…?
Absolut. War auch von meiner Seite gar nicht so gewollt, dass Kommentare zu einem spießigen Beitrag in die Ernsthaftigkeit abgleiten