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Corporate Blogs und die Feigheit vor dem Kunden

14. September 2007
von Olaf Kolbrück

Für die Jünger der Kassandra sind Corporate Blogs seit jeher kaum mehr gewesen als digitales Alteisen, dass sich auch nicht weiter aufpolieren lässt. Dabei ist nicht das Medium als solches eine Totgeburt. Für die Beerdigung sorgen die Unternehmen in der Regel selbst. Aus Feigheit vor dem Feind, der manchmal auch Kunde ist.

Das Hauptproblem der Unternehmen ist eben, dass sie sich mit einem Blog zumindest teilweise aus den scheinbar steuerbaren Meinungskanälen entfernen, in denen sie die Zeilen und Sekunden zählen können, in denen ihr Markenname auftaucht — und gegebenenfalls mit entsprechenden Beschwerden reagieren, wenn dem kleineren Mitbewerber ein paar Substantive mehr gegönnt werden.

Obendrein mögen sie zwar gerne auch kritische Stimmen hören. Dann aber bitte hinter den dicken, verschwiegenen Türen abgeschirmter Kundenpanels. Nicht aber in aller Öffentlichkeit, in der der Mitbewerber, der Konkurrent um den Stuhl als Brand Detonation Officer oder gar der Vorstandskollege ungefiltert mithören, wo der Schuh drückt. Vom Abschied von der One-Voice-Policy, die immer noch das Denken beherrscht, ganz zu schwiegen.

Schlimmer noch aus Sicht mancher Unternehmen: Auch andere Kunden lesen mit — und fühlen sich womöglich in ihrer bislang nur leise gedachten Kritik bestätigt und verfestigen diese. Dass die Kunden ihre Kritik auch andernorts wesentlich weniger kontrollierbar und nachverfolgbar äußern können, stört dabei wenig. Kopf in den Sand.

Die Feigheit vor dem Kunden führt selbst bei jenen, die sich den Corporate Blogs verschreiben mögen häufig dazu, eine weichgespülte Version in Netz zu heben. Damit geben sie allen Freunden der Kassandra ein weiteres Argument an die Hand. Denn solchen Blogs fehlt es dann am entscheidenen Faktor für den Erfolg beim anvisierten Kunden: Relevanz. Die kann aber erst entstehen, wenn sich die Unternehmen offen dem Kunden zuwenden und ihr Weblog nicht nur als eine neumodisch asphaltiere Einbahnstraße der Kommunikation betrachten.

Dabei müssen die Marken nicht einmal fürchten, dass eine Welle der Trolle und Kritikaster den verbloggten Tag der offenen Tür überflutet. Die Unternehmen müssen lediglich durch eine klare Themensetzung und konturierte Inhalte den Weg vorgeben. Dafür allerdings braucht es vor allem eines: Niveau. Eine etwas flotter aufbereitete PR-Meldung genügt dafür nicht mehr. Der Wille zum Gespräch muss erkennbar sein.

Es wird deshalb spannend sein zu sehen, wie sich beispielsweise der junge global ausgerichtete Blog von Kia entwickelt. Die ersten Beiträge deuten zumindest an, dass die Marke zumindest an einem eher intellektuell angehauchten Austausch interessiert ist. Der Blog ist aber auch vor Jubelberichten nicht gefeit.

Vor allem aber dürften sich viele Augen auf den kommenden Daimler-Blog richten. Schafft es die Marke ein offenes und dialogfreudiges Zeichen zu setzen, könnten andere folgen. Bald dürfte man mehr sehen und lesen. Mein Tipp: der Daimler-Blog geht in den ersten Oktober-Wochen an den Start, nachdem auf der Hauptversammlung am 4.Oktober das leidige Anhängsel Chrysler aus dem Unternehmensnamen getilgt wurde.

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Kommentare zu “ Corporate Blogs und die Feigheit vor dem Kunden ”

  1. Patrick Breitenbach am 14. September 2007 um 10:54 Uhr

    Die Frage beschäftigt mich immer wieder, inweiweit ein Corporate Blog überhaupt sinnvoll ist bzw. ob es auch so angenommen wird, wie sich das viele Menschen (vor allem Blogger) auch so vorstellen.

    Das bisherige System der Top-Down-Medien hat sich in der Vergangenheit bewährt…

    Ach was ich mach einen eigenen Beitrag draus, bis später! :-)

  2. Daniel am 17. September 2007 um 10:24 Uhr

    Ich kann das so unterschreiben. Corporate Blogs sind nahezu nie kritisch, sie zielen nur darauf ab schon durchgenommene Themen nochmal zu posten und damit Besucher anzulocken.

    Der Gros produziert zudem keine eigenen Inhalte, sondern schreibt einfach aus x Quellen ab.

  3. mikel/kurpfalznotizen am 17. September 2007 um 19:31 Uhr

    oder da, dann doch mal Frühjahr 2088

    http://kurpfalznotizen.de/der-.....-band.html

  4. herrMartin am 17. September 2007 um 22:45 Uhr

    ich finde die sogenannte “langweiligkeit” ist ein interessanter aspekt, der mich aber vorallem auf eine andere beobachtung bringt,
    die allgemeine unternehmenskultur. also nicht im sinne der betrachtung eines unternehmens, sondern gewisse typische kulturelle, soziale gewohnheiten im zusammenhang mit der arbeitswelt. top-down kommunikation gehört da sicherlich dazu, aber auch ganz andere dinge wie überhaupt im geschäftlichen umfeld man zu kommunizieren hat, was man nicht macht und besondere sprache etc… das fängt ja schon ganz unten an, wenn sich jemand bewirbt bei einen unternehmen. dieser jemand sollte einer intelligenten maschiene gleich sein, aber blos nicht zu menschlich, private aspekte, interessen gelten oft noch als verpönt und wird in idiotischster weise ausgelegt. arbeitszeugnisse enthalten keine noten, aber immer bestimmte formulierungen, welche allseits bekannt und ausgelegt werden, wobei negative sachen dort nur drinstehen, wenn der arme kropf dieser sog. arbeitszeugnisssprache nicht mächig ist und somit versäumt hat bestimmte abschnitte streichen zu lassen. welchen wert hat sowas bitte. aussage gleich 0.
    dann gibt es viele große unternehmen, welche einfach blind kundenwünsche und anregungen ignorieren, weil sie in einer fast monopolstellung den markt dominieren und meinen zu wissen was der kunde will… bis sie merken das ein anderer kleinerer markteilnehmer auf die wünsche hört und langsam aber sicher den markt erobert… sowas passiert nicht mal eben, sondern läuft über jahre und man wundert sich immer wieder wie oft sowas passiert mit welcher ignoranz.
    ich glaub der größte fehler von vielen unternehmen ist es, zu meinen man _könnte_ immer perfektion abliefern, und darf selber keine fehler eingestehen, bzw. fehler wollen auch nicht gesehn werden. sowas ist natürlich eine frage der unternehmensorganisation, des inneren aufbaus eines unternehmens und vorallem der führung. wir haben bei uns immernoch viele unternehmen und ganze sparten mit starken (nicht unbedingt nur starren) hirachien, wo A angst vor B hat, bei der putzfrau angefangen. da kann einfach keine sinnvolle kommunikation von unten nach oben passieren, da ist der kapität zwangsläufig blind. der kapitän aber hat die möglichkeit mit guten beispiel voran zu gehen und kommunikationsbereitschaft zu zeigen auf gleicher augenhöhe, seinen vasallen die angst zu nehmen. auch einzugehen nicht immer perfekt zu sein, weil sowas einfach nich funktioniert. sprich eine atmosphere von freiheit geben, dann funktioniert auch kommunikation zur basis, zum kunden. vorallem kommt sowas auch symphatisch beim kunden an, bzw. ehrlich.

  5. OlafKolbrueck am 18. September 2007 um 09:00 Uhr

    In der Tat herrscht eben leider in vielen Unternehmen als alleinseligmachende Strategie die Leitlinie “Cover your ass” vor. Ich denke, es stimmt in der Tat: Unternehmen müssen freie kommunikation auch intern “leben”, um mal company-jargon zu benutzen. Nur dann funktiniert auch die offene kommunikation mit dem kunden. Nur ist eben in Unternehmen, in denen der Mitarbeiter allein als human capital und und betriebskostenfaktor gesehen wird, eben auch der kunde selten mehr als eine bilanzgröße.

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