Spießer Alfons: Wer will 15 Euro für 70 Cent…?
Als der Spießer seinen Lebensunterhalt noch im festen Angestelltenverhältnis verdient hat, da war er auf dem Höhepunkt seiner Karriere der bedeutendste Verlagswerber in diesem unserem Lande. Weshalb Alfons häufig gebeten wurde, sein Know-how von Werbung für Zeitungen und Zeitschriften weiterzugeben. Und bei zahlreichen Vorträgen verblüffte der Spießer seine Zuhörer immer wieder mit der Behauptung: „Mit Werbung lässt sich jedes Auflagenziel erreichen, das der Verleger wünscht!“
Bei dieser Aussage blickte Alfons regelmäßig in ungläubige Gesichter, weshalb er seine Zuhörer aufgeklärt hat: „Käme der Verleger morgen und würde verlangen, die Auflage eines Magazins von 500.000 Exemplaren auf eine glatte Million zu steigern, dann würde ich sagen: kein Problem!“
Und der Spießer erläuterte sein Werbekonzept wie folgt: „Wir schicken Leute los, die landesweit alle
Hefte am Kiosk aufkaufen — schon sind eine Million Exemplare verkauft.“ Und wenn dann jemand entgegnet hat: „Damit sind die Hefte aber nicht bei den Lesern!“ — dann hat der Spießer erklärt: „Im zweiten Teil der Kampagne nehmen wir die aufgekauften Hefte und machen eine Verteilaktion in Fußgängerzonen und stecken den Rest in Briefkästen!“
Und der spießige Verlagswerber hatte auch noch eine Alternativ-Idee parat: „Wir legen dem Heft einen 10-Euro-Schein bei und inserieren in der BILD-Zeitung: ‚Das neue Ypsilon ist da — Heftpreis: 1 Euro 80, Beilage: 10 Euro!’ Schneller als mit dieser Kampagne lässt sich kein Heft verkaufen. Und die Millionenauflage erfolgt noch am selben Tage!“
Diese beiden Beispiele pflegte der Spießer zu bringen, um seinen Zuhörern zu verdeutlichen, dass man Auflage zwar erzielen kann, wie man möchte, dass aber der finanzielle Aufwand dafür aber nicht immer sinnvoll ist. (Es sein denn, das Anzeigengeschäft ist so gewaltig, dass man die Kohle, die man beim Vertrieb verheizt, via Anzeigen mindestens wieder reinholt.)
Langer Rede kurzer Sinn: Dem Spießer kam die Vergangenheit in den Sinn, als er die Gegenwart sah: Der Programmzeitschrift tvGUIDE zum Dauertiefpreis von 0,70 Euro liegt „gratis“ ein 15-Euro-Musik-Gutschein bei.
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