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Spießer Alfons: Der Joker der Werbegestalter

24. Oktober 2007
von

Wenn die Werbegestalter, die kreativen, am Ende ihrer Schöpfungskraft angelangt sind, weil die Vorstellungen des Kunden wieder einmal identisch sind mit der Forderung, ein Perpetuum mobile zu erfinden — ja, was machen sie dann, die Helden der Agenturen, zumal wenn der Präsentationstermin nicht mehr in weiter Ferne liegt? Klar, sie schöpfen aus dem Vollen, indem sie einen Joker aus der Schublade holen. Und dieser Joker ist ein Prominenter, der als Präsenter herhalten soll, um a) den Kunden zu beeindrucken und b) was für die Marke zu tun. Letzteres kann, muss aber nicht der Fall sein.

Ein Promi in der Werbung ist die sichere Trumpfkarte in der Rückhand ausgebrannter Kreativer. Ein Ass, das immer besticht, und zwar den Kunden. Ganz besonders dann, wenn dieser eine persönliche Affinität zu dem ausgeguckten Promi hat. In diesem Fall können die Werber zusätzliche Pluspunkte sammeln, indem sie zum Beispiel ein Abendessen mit dem Promi und dem Kunden samt Gattin arrangieren, vielleicht auch noch unter Einbeziehung der lieben Kids.

Und wenn der Star dann in die Firma des Kunden kommt und allein durch seinen leibhaftigen Auftritt die Belegschaft in helle Begeisterung versetzt, dann strahlt der Chef. Natürlich hat der Kundenberater der Agentur einen Fotografen besorgt. Das Foto wird sogleich in der Betriebszeitung abgedruckt; und Scheffe ist stolz wie Bolle.

There’s no business like showbusiness. Und ein Prominenter ist nun mal nicht irgendjemand. Was wir sowohl aus dem Anzeigenteil der Printmedien ablesen können als auch im redaktionellen Teil erkennen. So verkündete „Bild“ kürzlich auf der Titelseite, dass Kai Pflaume jetzt ein „Gewinner“ ist, weil er „der neue Werbe-König bei MacDonald’s“ wird.

Und von „Bild“ bis „Spiegel“ berichteten die Medien, dass die Post-Brüder Gottschalk nun auch noch für MediaMarkt im Einsatz sind. Diese redaktionellen Artikel sind Werbung für den Auftraggeber, die er auf direktem Wege nicht kaufen hans-reimann-atikah.jpgkann und auf indirektem Wege gratis bekommt. Womit sich das Honorar des Promis bereits zu einem großen Teil amortisiert hat. Ja, ein bekannter Kopf in der Werbung bringt dem Veranstalter einen erheblichen Mehrwert, der sich zu bestimmten Zeiten speziell für Aktiengesellschaften auszahlt.

Werbung mit berühmten Leuten ist älter als die Werbung selber. Schon zu Zeiten der Reklame gab es Annoncen mit populären Zeitgenossen. Zum Beispiel warb Mercedes zu Beginn der zwanziger Jahre mit dem Sänger Richard Tauber.

Und Lilian Harvay war zu sehen in einer Schwarzkopf-Reklame, während Montblanc mit Hans Reimann geworben hat, der auch Ende der 30er Jahre für eine Anzeige der Zigarette „Atikah“ ein Gedicht geschrieben und seinen Kopf hingehalten hat, gezeichnet von E. O. Plauen — siehe die Abbildung! Das Sujet, stammt aus einer Reihe, in der die „volkstümlichsten Poeten“ jener Zeit für die besagte Zigarette geworben haben.

Und ein anderer großer Dichter wurde bereits vor 100 Jahren als Schattenbild in der „Fachinger“-Reklame gezeigt mit Werbetext aus eigenem Federkiel. Ungefragt. Denn fragen konnte man ihn damals nicht mehr, den Johann Wolfgang v. Goethe.
Ihr seht, liebe Lesergemeinde: Promi-Werbung ist ein gaaanz alter Hut.

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Kommentare zu “ Spießer Alfons: Der Joker der Werbegestalter ”

  1. Koenich Johann am 24. Oktober 2007 um 13:18 Uhr

    Wenn der Hut passt habe ich nichts dagegen.
    Wenn willkür im Spiel ist, dann lieber nicht.

  2. Freddy am 25. Oktober 2007 um 09:56 Uhr

    Was ist eigentlich ein “Werbegestalter”? Ist das ein Sammelbegriff für “Plagiartdirektor”, “Textdichter” und “Kreatiefdirektor”?

    Und dass es Promiwerbung schon länger gibt — Donnerwetter, da hast du aber was rausgefunden.

  3. Spießer Alfons am 25. Oktober 2007 um 21:48 Uhr

    @ Freddy

    Da siehst Du mal wieder: Du weißt zwar, dass Goethe schon als Testimonial für Fachinger herhalten musste, aber Du weißt nicht, was ein Werbegestalter ist. Vermutlich schrauben die Gestalter in Deiner Agentur nur Möbel zusammen. Womit sie aber noch lange keine Möbelgestalter sind ;) Oder surft ihr alle immer noch auf der Seite mit den reallyreallydirtygirls…?

    PS: Die von Dir aufgeführten Typen gehören allesamt zu den Werbegestaltern. Wie Du aus meinen Kommentaren zu den Arbeiten aus Deiner Agentur ablesen konntest, befinden diese Werbevertreter sich auch bei euch im Hause.

  4. Benjamin Sernji am 27. Oktober 2007 um 17:49 Uhr

    Das die Nutzung von Testimonial’s auf mangelnde Kreativität hin deutet ist vielleicht in so einigen Fällen richtig. Aber das ganze hat sich zu einem Trend entwickelt der sich vielleicht noch 5-10 Jahre weiter so entwickeln wird. Aber was dann?

    Heutzutage kann ja jeder Prominent werden – heute werden Menschen Prominent die nie etwas im Leben geleistet haben und nie was Leisten werden …. sie werden Prominent weil sie, prominente Freunde haben, sie sich exzessiv zugrunde richten oder andere schlechten Dinge tun….

    Mal ganz ehrlich … es gab noch nie in dieser Branche mehr als eine handvoll Kreativer Menschen … der rest guckt nur ab und schwimmt immer in die selbe Richtung… ;-)

ivw