Open Social und der Schweinebauch 2.0
Wie die Lemminge stürzen sich derzeit die Social Networks wie Myspace, Xing und LinkedIn, auf Google Open Social und genauso wird es ihnen auch ergehen. Das Interesse an der Kooperations-Plattform, wirkt auf den ersten Blick verständlich: Sie soll die Zäune zwischen den Netzwerken niederreißen und die Einbindung externer Programme in beliebige soziale Netzwerk ermöglichen. Eine der denkbaren Folgen aus der Abschaffung der “Walled Gardens”: Per Klick kann der User von Community zu Community hüpfen, ohne jedesmal umständlich Fotoordner, Profile und Co neu anzulegen und ist von jedem digitalen Quassel-Büdchen aus erreichbar. Eine der absehbaren Folgen. Der User ist überall für Werbung leichter erreichbar. Der einheitliche Standard machts möglich. So wird die Community-Welt zum Multiplex-Kino. Und Google verdient am Popcorn. Satt wird dabei keiner.
Der Run auf Open Social zeigt, wie sehr der Hype um die Communities schon zu Blase geworden ist. Ein Miliardenbusiness mit Fragezeichen. Wirklich neue Erlösmodelle kann ich nicht erkennen. Bestenfalls wird nun über eine optimierte Variante für Adsense und Co nachgedacht. Immerhin wird angesichts der zaunfreien Communitywelt künftig eine dichtere und genauere Verfolgbarkeit des Konsumenten ermöglicht.
Gut für Google, gut vielleicht auch für den Verbraucher, der als Mitglieder bei Xing und einer Katzencommunity nun relevantere Werbebotschaften erhält und die Gedanken an den Datenschutz dabei bitte verdrängt. Im Ergebnis: nichts weiter als digitale Reklame. Ein Nachdenken, wie eine für beide Seiten sinnvolle Kommunikation der Marke mit dem Nutzer in der Community aussehen kann wird weiter vertagt. Willkommen also in der Welt des Schweinebauchs 2.0.
Vor allem glaube ich nicht, dass der User wirklich diese Community ohne Jägerzaun möchte. Will er bei Xing von einem MySpace-Wesen angesprochen werden? Das schöne an einer eingezäunten Community ist eigentlich auch, dass dort nicht eben Hinz und Kunz über den Rasen läuft und jeder Handelsverteter vor der Tür steht, wie er will.
Vor allem aber, wem aber nutzt der einheitliche Standard außer den programmierten Markenbotschaften? Nutzt das technische Einerlei der Masse der Nutzer wirklich, die kaum mehr als zwei (Job und Kern-Hobby) Community-Angebote auf Dauer benötigt, weil für mehr die Zeit nicht reicht? Ein offener Standard bringt dem User am Ende also wohl wenig -außer womöglich opmimierter Re-Behavioral-predicted-pipapo-Targeting Werbung. Der Weisheit letzter Schluß aber kann auch das wohl nicht sein.
Vor allem aber, was hat eine Community davon, wenn ich mir nichts, dir nichts in die Nachbarschaft wechseln kann? Community-Profil, Nutzerbedindung —alles künftig weitaus schwerer zu meistern. Stattdessen kleben alle an Google, wie die Fliegen. Das Schicksel ähnelt dem der Lemminge.
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Ich würde das ganze nicht so negativ sehen wie Du, auch wenn ich die teilweise vorfindbare Euphorie ebensowenig teile. Aber der Kern des Open Social, nämlich eine einheitliche API ist ja erstmal nicht schlecht. Was daraus wird, ist ja letztlich Sache der Entwickler, die dann Tool dafür entwickeln. Ob dabei dann nützliche Dinge entstehen, wird die Zeit zeigen. Aber unter den tausenden Facebook-Apps sind ja auch einige durchaus nützliche zu finden.
Und das die Communities davon profitieren, glaube ich schon. Denn im Alleingang hätte es sich für Entwickler bei den meisten Beteiligten, MySpace mal ausgenommen, nicht gelohnt, Applikationen zu entwickeln. Mit Open Social nun eben schon.
Allheilmittel ist OS sicher nicht, aber Chancen für positive Outcomes sehe ich schon.
Bei Myspace & Co wäre mir der Datenschutz ja egal, da ich dort keinen Account besitze… aber jetzt auch noch Xing :-/
Sicher scheint das Ganze wohl nicht zu sein, wurde ja immerhin schon nach 45min gehackt.