Facebook entwickelt die menschliche Litfaßsäule
Es soll ja Leute geben, die den Aufnäher mit dem Markenetikett außen am Sakko-Ärmel nicht entfernen, weil sie unter jedem zeigen wollen, welche Marke sie tragen, Und es gibt auch Menschen, denen kann das Logo auf dem Sweat-Shirt nicht groß genug sein. Solche Wesen verstehen sich gut mit jenen, die ein fettes Markensignet auf der Tasche als Inbegriff von Lifestyle empfinden. Das sind auch jene, die stolz jeden neuen Einkauf herumzeigen, weil sie nicht wissen, wie sie ihre Identität sonst definieren sollen All diese Konsumenten dürften sich im neuen Werbekonzept der US-Vorzeige-Community Facebook wohl fühlen. Deren neues System „Facebook Ads“ macht die Werbung im Mitmach-Web für die Marken zu einem Freudenfest und die Mitglieder zu Markenbotschaftern.
Wie bereits bei Myspace können die Unternehmen künftig eigene Seiten anlegen und mit Inhalten füllen. Die Facebook-Mitglieder können sich dabei als Fan der Marke zu erkennen geben.
Vor allem aber sollen die Nutzer mit ihre eigenen Feeds, mit dem sie Freunde bei Facebook auf dem Laufenden halten können, nun auch ihre aktuellen Einkäufe mitteilen oder erzählen, welche Websiten sie besuchen.
Facebook-Macher Marc Zuckerberg frohlockt:
“It’s no longer just about messages that are broadcasted out by companies, but increasingly about information that is shared between friends. So we set out to use these social actions to build a new kind of ad system.”
Das Ziel des Projekt Beacon: Der DVD-Einkauf bei Amazon landet dann mit der Angabe des Produkts und dem Einkaufsort in dem persönlichen Nachrichten-Feed, den die Freunde lesen können. Ein Button auf der Website der beteiligten Unternehmen soll es unter anderem möglich machen.
Die „Social Ads“ als digitalisierte Form der Mundpropganda, bei der Datenschützer Schluckauf und Werbern Freudentränen bekommen, zumal diese Werbung kostenlos ist, ist aber nur ein Aspekt.
Denn Facebook will seinen Werbepartner noch mehr (dann aber kostenpflichtige) Optionen für die zielgruppenspezifische Werbung bieten. So sollen die Unternehmen Daten zum Nutzungs- und Kaufverhalten und den Freunden der Nutzer erhalten, um Anzeigen gezielter anhand der Nutzerprofile zu platzieren.
Wenn Spießer Alfons sich also bei Tchibo eine Kaffeetasse kauft und das seinen Facebook-Freunden mitgeteilt hat, bekommen womöglich — grob gesagt – alle seine Freunde Werbung von Tchibo zu sehen, verbunden mit dem Hinweis, dass der Spießer Tchibo-Kunde ist.
Das kann alles sogar funktionieren, wenn der Nutzer bereit ist, seine Hosen ein Stück weit herunterzulassen, dafür tatsächlich mit relevanter Werbung belohnt wird und das Community-Mitglied sich nicht plötzlich wie eine wandelnde digitale Litfasssäule fühlt. Schon aus eigenem Interesse sollten Facebook und Co daher nicht zu sorglos mit den Userdaten und dem Mitteilungsbedürfnis der Konsumenten umgehen.
Facebook erklärt die Ads hier.



















War Facebook nicht mal hip? Das Anti-MySpace, die Alternative ohne den üblichen gefakten Werbeknatsch? Und nun haben sie nicht nur all die schönen Userdaten gesammelt, sondern verwandeln sie auch in bare Münze und lassen die User auch noch selbst Reklame laufen. Das Web 2.0 ist kein Schlachtfeld sondern ein Mastbetrieb für Klickvieh.