Grabgesänge für die klassische Werbung
So sehen Überschriften für die Grabreden auf die klassische Werbung und der Medien 0.1 aus: „The End of advertising as we know ist“. Ein aktueller IBM-Report, basierend auf einer Umfrage unter Konsumenten und Entscheidern in Agenturen, sagt denn auch, dass der Sarg für die Werbewelt von gestern jetzt schnell gezimmert wird: In den kommenden fünf Jahren wandelt sich die Werbeindustrie schneller als im letzten haben Jahrhundert.
Wer nicht im Leichenschauhaus der Kommunikation landen will, muss deshalb ein paar Punkte begreifen.
Einige Auszüge aus Kerngedanken des IBM-Reports:
- Medien und Werber müssen ihr Massenmarkt-Denken über Bord werfen und sich auf Nischen ausrichten.
- Interaktive Werbung muss über alle Kanäle spielbar sein.
- Werbung und Werbeplätze werden mehr und mehr gehandelt und platziert wie an einer Börse.
- Kunden kontrollieren nicht nur den Content, sondern auch die Werbebotschaften.
- Hobby-Werber und User-Generated-Advertising bedrohen das klassische Agenturgeschäft.
- Werbungtreibende wollen mehr: Mehr Genauigkeit, mehr Daten, mehr Effizienz, mehr Details über den Kunden.
Und wo wandert die Kohle hin? Meiner Meinung nach unter anderem in die Social Networks. Weil die Werbung der Zukunft der Dialog ist. Und weil dort die begehrte Zielgruppe ihre Zeit verbringt. Glaubt man (Vorsicht Lobby!) einer im Blog Textdepot zitierten Studie der European Interachtive Advertising Association sind 42 Prozent der europäischen Internetnutzer schon in Social Networks zu finden. Die 16 bis 24jährigen verbringen sogar mehr Zeit im Web als vor dem TV.
Klar, wird die Werbung dafür noch besser werden müssen. Auch weil es nicht genügt, seine Werbebotschaft einfach auf irgendeinem Kanal wie einen Sack Kohle irgendwie abzuladen. Auch Duzen bei Myspace und Co ist da nicht die Lösung. Es wird mehr klein-klein-Lösungen geben müssen, mehr Austausch, mehr Arbeit. Aber es sagt auch niemand sagt, dass es einfacher wird. Im Zweifel fragt die Kunden. Die wissen, wie man mit ihnen reden soll.



















Tja, das predigen wir schon seit fast 4 Jahren. Aber nun kommt ein IBM daher…
Bin gespannt, ob das genauso an der Werberfront zerschellt wie die vielen Worte von Bernd M. Michael und Konsorten.
Ich sehe übrigens nicht die große Angst der Agenturen. Ganz im Gegenteil. Angst muss derjenige haben, der sich auf die neuen Gegebenheiten wie ein Zwangsneurotiker nicht einlassen will. Aber diejenigen, die die Zeichen der Zeit deuten, werden in Zukunft unheimlich viel Spaß an der Arbeit haben. Denn gerade das Nischenthema erfordert Spezialisten, die selbst aus der Nische stammen. So können vielleicht viele wohl auch ihr Hobby zum Beruf machen. Tendiert auch in Richtung Quereinsteiger und UGA. Wobei die reinen Konsumenten niemals den Job von Agenturen machen können, so mies das Image der Werber auch sein mag. Ein gewisses Wissen und Können haben auch sie sich angeeignet. User generated Spots sind mal ganz nett, aber auch hier bemerken wir jetzt schon eine enorme Sättigung. Agenturen sind wieder gefragt solche Contests überhaupt vernünnftig zu konzipieren. Weil einfach so machen die Leute ja nicht mit.
Ach ja, ein Punkt fehlt noch bei IBM. Kunden lassen sich dank Informationsvielfalt und -vernetzung weniger gut verarschen – pardon – billig verführen. Man muss schon manipulativ wesentlich mehr auf Zack sein, wenn Produkt und Service schon so nix hergeben. Oder halt das Mediaspending bis zum Guinness-Rekord aufblasen, der klassische Brainwash funktioniert ja auch noch ganz gut. Jedenfalls wenn es darum geht irgendwelche Werbeslogans in den allgemeinen Sprachgebrauch zu schmuggeln.
Buaahhh … immer wieder die gleiche Kerbe die da ins Holz geschnitzt wird.
Die Online-Heinis werden nimmer müde die Offline-Welt für tot zu erklären. Web 28.0 klingt mittlerweile wie “Spüli vier in einem”. Was mich wundert, wenn es Online super und dank sozialer Netzwerke bestens läuft, woher in Gottes Namen kommt die Angst vor den Schweinebauchanzeigen? Und Vorsicht die Argumente die da ins Feld geführt werden, treffen irgendwann auch Online zu. So mancher “early adaptor” wendet sich bereits jetzt angewiedert ab.
Sehen Sie es positiv, das Fernsehen hat das Radio nicht überflüssig gemacht, die Schallplatte nicht den Live-Auftritt usw.
Guten Abend.
Stimme Herrn Meier da sehr zu. Wie viele Dinge wurden schon für tot erklärt – im Versuch, sie zu töten?? -, nur um bis heute ihre Effektivität und damit Lebendigkeit ein ums andere Mal zu beweisen?
Abgesehen davon, dass tatsächlich eine immer größer werdende “Anti-Web (2.0)-Bewegung” zu erkennen ist: nach wie vor treibt sich die HÄLFTE der deutschen Bevölkerung nicht oder kaum im Internet herum. Zu glauben, dies würde sich binnen 5 Jahren radikal ändern, spricht nicht unbedingt für Realitätssinn.
Egal, wie sehr wir die nicht mehr so neuen Technologien hypen und uns einem impliziten Fortschrittsglauben hingeben wollen – der von der euphorischen Annahme nur unzulänglich verdeckt wird, nun würde die Meinung und das Interesse des Nutzers endlich fundamental mehr zählen als im bisherigen Anbieter-/Konsumentenverhältnis: ein sehr großer Teil, wenn nicht die Mehrheit der Bevölkerung, hat keine Lust, selbst aktiv zu werden. Das Bedürfnis ist nach wie vor massiv vorhanden, einfach nur unterhalten, ja berieselt zu werden und Botschaften serviert zu bekommen, die glaubwürdig erscheinen und einem einen “Leitfaden” für Leben und Konsum an die Hand reichen.
Hinzu kommt: Millionen Menschen auf einen Schlag erreicht nach wie vor nichts so schnell und nachdrücklich wie das Fernsehen. Sicherlich ist dieses nicht für jedes Produkt und jede Zielgruppe das richtige Medium, und Anbieter wie Mittler – wir – können froh sein, für solche Fälle mit dem Internet und mobilen Plattformen heute über zielgenauere Ansprachemöglichkeiten zu verfügen. Das macht die “alten” aber keinesfalls überflüssig. Es kommt schlicht und einfach darauf an, wen man wann und in welchem Umfeld erreichen will – zu welchem Zweck.
Ebenso werden klassische Werbeagenturen als solche ganz sicher nicht überflüssig werden. Meiner Meinung nach eine typische Fehleinschätzung online-fixierter Marketer/Werber. Tatsächlich war es u.a. immer schon die Aufgabe von Agenturen, das richtige Medium für die richtige Message zu finden – ggf. auch für Nischenzielgruppen oder -botschaften. Das Wissen darum, WIE man Menschen überzeugt bzw. fasziniert, ist aber kein originär kanalabhängiges Wissen. Und schon gar keines, was sich tonnenweise Quereinsteiger “einfach mal so” aneignen werden, nur weil sie viel in Social Communities unterwegs sind…
Man darf natürlich nicht glauben, alles würde einfach so weitergehen wie bisher. Aber zu glauben, es stünde uns ein allumfassender Wandel der kommunikativen Spielregeln bevor, es gäbe keinen Massenmarkt mehr und überhaupt würde nichts mehr gelten, was jahrzehnte-, wenn nicht jahrhundertelang seine Relevanz erwiesen hat… das halte ich für reichlich gewagt. Oder natürlich: Wunschdenken, je nach Absender
Kann meinen beiden Vorrednern eigentlich nur beipflichten. Es ist völlig abwegig zu glauben, communities und social-whatever-Gedöns wären der alleinige Königsweg für jede Marke. Ich sage es ganz offen: Hey, ich kann gerne darauf verzichten, dass Procter & Gamble (nur mal als Beispiel genannt) in meine Blogcommunity reinplatzt und mir einen Dialog darüber aufdrängen will, wie strapazierfähig das neue Charmin-Klopapier doch ist. Dialog ist sicher ein Muss bei allen höherwertigen Anschaffungen – bei schnelldrehenden Konsumgütern kann ich auf Dialogangebote gut und gerne verzichten. Man muss die Vision der Online- und Dialog-Verkäufer nur mal konsequent durchspielen, um sie als Unsinn zu entlarven: Wenn tatsächlich jeder Hersteller, der mich heute mit klassischer Werbung zuballert, plötzlich auf die Idee käme, mit mir stattdessen online in Dialog treten zu wollen, dann hätte ich 24/7 nix mehr anderes zu tun als auf diese Offerten zu reagieren, und sei es nur, um zu sagen: Verp**st Euch! Wie lange müsste ich mich denn pro Tag in Communitities und dergleichen rumtreiben, um all die Botschaften vernehmen zu können, die mich heute noch auf anderen Wegen erreichen? Hat das mal jemand ausgerechnet? Nein? Dann gehet hin und macht Eure Hausaufgaben, liebe Visionäre. Und vergesst nicht: Die Aufmerksamkeits-Ressourcen des ach so dialogwilligen Klickviehs sind ja auch begrenzt. Also bleibt mal schön auf dem Boden.
Richtig. Und von Nischen redet eigentlich nur der, der sie auch bedienen kann (können MUSS). IBM zum Beispiel. Warum gibt es so eine Studie nicht von Ariel? Abgesehen davon ist der Dialog nicht neu und schon gar nicht webzwonullgebunden. Zuhause schmeiß ich Werbemailings weg. Und im Netz soll ich plötzlich sagen, ja, super, lass uns mal reden?
Klar spielt die Vernetzung eine immer größere Rolle und klar muss die Werbung darauf reagieren und sich anpassen. Das mussste sie aber schon immer. Aber den Tod der klassischen Werbung sehe ich deshalb nicht, weil ich keinen Unterschied sehe: TV-Spot = Klassisch, Viralspot = Werbung2.0? Think again.
Ceterum censeo: Werbung muss gut sein, dann ist der Kanal egal.
um beim Latein von ramses101 zu bleiben, die frage muss natürlich auch sein: cui bono und wo? Weder Ariel noch Volvo erreichen mich im TV, Hat Ariel bei Xing eine Chance auf den Dialog mit mir? Now way. Vielleicht aber Volvo . Ariel zeigt sich dann vielleicht lieber bei mammi.de.
Und mark793: Warum soll ich nicht mit FMCG reden, wenn die mir erklären können, warum ariel besser ist als discount oder auch nur wie ich den rotweinfleck aus dem sofa bekomme. Natürlich redet niemand 24/7 mit allen. Aber zur rechten zeit mit dem rechten partner. beim Einbahn-TV wollen alle mit mir reden, aber keiner was hören. Und ich guck schon gar nicht mehr hin iins TV. Erst recht nicht, wenn die 3 Staffel Shield auf DVD zu Hause liegt. Und mit wachsenden Kanälen und Speicherwegen ist die Werbepause ohnehin nur noch antiquarisch.
Wo also, M, sollen die Marken die Kunden erreichen, wo ist denn der “Massenmarkt” in fünf Jahren? Immer noch vor der Glotze alter Sitte? Glaube ich nicht.
Letztlich entscheidet die Mediennutzung über Wege der Werbegelder. Und TV wird zum Nebenbei-Medium.
Obendrein glaube ich nicht, dass es den Massenmarkt im klassischen Sinne bald noch geben wird. Stattdessen gibt es eine Summe von Nischen.
Den Rest vom Schützenfest holen sich dann, ja Frank Meier, die Schweinebauchanzeigen. Die dürften unkapputtbar sein.
Denn jene wie Media -Markt werden sicher weiter mit ihren gewaltigen Mediaspendings (ca. 250 Mio pro Jahr? hab die Zahl grad nicht zur Hand) so laut tönen, das man sie nirgends überhören kann und einen derart über-penetrierieren, dass man nicht nur die Slogans kennt sondern selbst das blödste Zeug glaubt.
Ansonsten aber, da gebe ich Patrick recht, sind gute, kreative Agenturen gefragt. Mehr denn je. Denn so einfach machen die Leute wirklich nicht mit – auch nicht beim Dialog. Das ist wie mit den Zeugen Jehovas: wenn die nett ausehen und ein freundliches Gesicht machen, dann rede ich auch mit denen, wenn sie an der Tür stehen.
Immer noch vor der Glotze alter Sitte?
Das glaube ich in der Tat auch nicht. Aber ich erreiche die Leute auch in 100 Jahren noch mit einem 30-Sekünder – wenn er relevant ist und wenn er gut ist. Ob der dann eben via Wireless-Multimedia-Kontaktlinse gesehen wird, spielt dabei doch keine Rolle.
@ramses101:
Wireless-Multimedia-Kontaktlinse? Die Idee solltest du dir schützen lassen.
Mach ich. Das Ding braucht nur noch ne Kommentarfunktion. Sonst ist es nicht zukunftstauglich
Da sind sie wieder. Die Experten die in jeden Meeting anhand von Tortendiagrammen unzähligen Excel-Tabellen beweisen wie erfolgreich doch die Kampagne A beim Kunden angekommen ist. Und was man doch wieder für tolle neue Kunden gewonnen hat. Nur leider meldet sich, wie so oft, nach eine halben Jahr der Kunde und berichtet über sinnlos ausgegebenes Geld und null neuen Kunden.
@ Olaf Kolbrueck, wenn ich allein an SecondLife denke, was hätte ich mit der ganzen Kohle, die Kunden da reingepumpt haben, machen können.
@Olafkolbrueck: Ich will es doch keinem verwehren, mit FMCG-Herstellern zu reden, über spezifische Produktvorteile zu chatten, Fragen zur Produktverträglichkeit zu stellen, was auch immer. Kann man alles machen. Nur bezweifle ich, dass das die traditionelle Massenansprache (die in fragmentierteren Nutzerschaften sicher schwieriger wird) auf die Schnelle ersetzt. Für soviel Dialog hat doch kein Mensch Zeit und Nerv.
Zugegeben, Fernsehen erreicht auch mich nicht mehr. Da war ich aber auch vorher schon eher selektiv unterwegs – und beim Wegzappen von Werbeblöcken schneller als mein Schatten. Ich verbringe mehr Zeit online, konsumiere aber auch nach wie vor Gedrucktes – und da draußen renne ich auch nicht mit Augenbinde rum. Dass jetzt also alle traditionellen Kanäle obsolet wären, nur weil ein paar Online- und Nischengurus den werblichen Weltuntergang predigen, sehe ich einfach nicht, sorry.
Was nicht heißt, dass alles bleibt wie es ist. Aber ich denke, die traditionelle Massenansprache und der Individual- oder Kleingruppen-Dialog werden noch eine ganze Weile nebeneinander existieren können.
Also zu behaupten, dass 30-Sekünder nicht funktionieren, wäre bescheuert. Sie werden nur nicht mehr in einem Sendezeitenschema gebucht werden, weil dieses in 100 Jahren sicherlich nicht mehr besteht. Schade, wenn die Stammzellenforschung nicht mal in die Pötte kommt, werden wir das kaum überprüfen können.
Ich finde es witzig, wie hier wieder völlig am Thema vorbei diskutiert wird. Es geht doch gar nicht in erster Linieum das Buzz-Web 2.0, um Second Life oder irgendwelchen Blogs. Es geht darum, dass der Konsument von Werbung überfordert ist und demnach Werbung einfach weniger wirkt und es sich selbst das Leben schwer macht.
Das ist auch nicht der Tod der klassischen Werbung. Das ist natürlich Unfug. Aber es ist ein Signal einfach detailierter und sauberer zu arbeiten. Welche Menschen spreche ich mit welchen Botschaften an. Die Schrotflinte wegpacken, den Laser auspacken. Das Web wird nichtdestotrotz früher oder später die meisten Medien in sich aufnehmen. Am ehesten wird es wohl das TV. Nicht dieses Jahr, nicht nächstes Jahr. Aber noch zu unserer Lebenszeit.
Zu den “Nischen”. Für euch mag eine Nische sowas sein wie eine Subkultur oder ein Hobby, dass sonst keiner hat. Für mich sind Nischen oder buzzig “Communities” nichts anderes als Interessensgebiete. Nicht jede Marke wird sich auf eine Nische allein konzentrieren können, aber es gibt etliche Produkte und Marken, die heute noch mit der Schrotflinte unterwegs sind und dabei wunderbar Nischen mit ihrer eigenen Sprache erreichen könnten. Das ist aber einfach viel zu unbequem. Das schnelle Geld liegt in den fetten Mediaetas, die derzeit rausgepfiffen werden wie nix, ganz einfach weil eben der Streuverlust steigt. Auf Agenturseite kann ich es also dann doch sehr gut nachvollziehen, dass man das noch so lange wie möglich rauszögern will. Momentan zählt also die Devise wer die dickste Flinte hat bekommt die meiste Beute. Dynamitfischen eben.
Nee, nee, ich hab das mit den Nischen schon verstanden. Und auch mit dem genervten überforderten Verbraucher sind wir völlig einer Meinung, da gibt es überhaupt nix zu diskutieren. Ich bleibe aber dabei, dass das Dialog-Dingens eben nicht gralsmäßig auf alles anwendbar ist.
Ich will einfach nicht über Klopapier reden müssen. Nicht auf der Straße, nicht am Telefon, nicht im Netz. Ich will mich auch nicht mit anderen in einer Community über Klopapier austauschen. Und ich werde an einem UGA-Wettbewerb für Klopapier auch dann nicht teilnehmen, wenn der Gewinner Klopapier bis an sein Lebensende bekommt. Und Gottt behüte mich davor, GEZIELT und auf mich zugeschnitten von einem Klopapierhersteller angesprochen zu werden.
Kommt aber ein Musiklabel wie die BMG und sagt “Mensch, du bist so musikbegeistert, lass uns mal in Kontakt bleiben”, dann sieht das schon ganz anders aus.
Dass Dynamitfischen auf Dauer nichts mehr bringt, da sind wir uns einig. ich behaupte aber, dass Werbung “nur” gut sein muss. Und wenn sie das ist, dann können wir uns immer noch um die Kanäle der Zukunft kümmern – wie auch immer die aussehen. Aber dass diese Kanäle eher im Netz zu suchen sein werden, ist auch klar.
Aber Klopapier-Werbung schaust du dir an und erfreust dich dran? Aber auch ich verstehe was du meinst, dagegen ist nix zu sagen, bei vielen Fast moving Consumer Goods muss man eben breit streuen. Wobei ich denke, dass man dort viel mehr am POS machen könnte und sollte, schließlich entscheidet sich dort meist der Kauf der Dinge.
Im Übrigen kann ich mir schon vorstellen, dass man Storys rund um Klopapier erzählen kann. Aber das ist ein anderes Thema.
Dass Werbung “gut” sien muss, ist natürlich eine Aussage, die durch alle Zeitalter gilt. Allerdings ist mir das leider auch viel zu unscharf. Was ist denn für dich “gut”?
Gute Werbung ist für mich, die Kombination aus Zielgruppe, Sprache/Tonalität, Kanäle und natürlich am Ende das Argument zum Verkauf. Das lässt sich meines Erachtens gar nicht mehr trennen. Also sich später nach einer kreativen Umsetzung um die Kanäle zu kümmern, halte ich für falsch. Ich denke da eher ganzheitlich.
Okay, “gut” ist in der Tat bisserl schwammig. Definitionsversuch: Gute Werbung informiert mich auf eine Art und Weise, die mir entgegenkommt und die dem Thema angemessen ist. Zeig mir, was das Produkt kann und zeig es mir so, dass ich dabei nicht die Augen verdrehe sondern das Interesse behalte. Das kann durchaus auch für Klopapier gelten, denn an Klopapier habe ich ein im Prinzip sehr fundamentales Interesse.
Dass die Kanäle in die Kreation mit einfließen halte ich übrigens für völlig selbstverständlich. Das war aber auch schon immer so. Ich konzipiere ja auch keine Printkampagne um dann zu hören, dass nur TV geplant ist. Gemeint war einfach, dass es einer guten Idee egal sein kann, wie die Kanäle der Zukunft aussehen. Kuck Dir nur mal Apples “1984″ an. Der macht für Apple seit jeher Image. Gesendet wurde er zwei Mal, und von Youtube haben damals wahrscheinlich nicht mal die spinnertsten Träumer geträumt. Das ist einfach ein guter Spot und dem ist es wurscht ob der Kanal TV, Internet, Handy oder sonstwie heißt.
Natürlich lässt das Internet mehr zu als die klassischen Medien. Da muss die Werbung mitdenken, aber das hat sie immer schon gemusst und deshalb wird sie das auch jetzt tun. Aber ich gebe Dir und Olaf Recht: Wer jetzt losmarschiert, der ist wenigstens schon auf dem Weg, während andere noch auf den Startschuss warten.
D’accord!
Ein Spot der wie wild auf Youtube läuft, heisst aber nicht gleichzeitig dass er im Moment die richtige Zielgruppe erreicht. Bei Apple ganz bestimmt. Bei diesen merkwürdigen Westaflex-Versuchen sicherlich nicht (selbst wenn der Spot so gut gewesen wäre.
Noch etwas erwähnenswertes. Das Internet bitte nicht als einen Kanal betrachten. Das Internet sind Millionen Kanäle in einem. Das ist nämlich die Herausforderung. Klar wurde das früher auch gemacht und es gab die und die Printpublikation, aber ich würde fast behaupten, dass die Zersplitterung der Kanäle fast exponential verläuft. 1 Fernsehsender -> 3 -> usw.
Das wird spannend. Aber eben auch gute Zukunftsaussichten für alle Einzelkämpfer und Spezialisten da draußen. Wenn es für jeden Kanal einen gibt. Wunderbar. Nur das muss erstmal begriffen werden.
Noch eine Nebenbemerkung zu Second Life. Das Thema ist nicht tot, nur der Hype darum. Wer sich jetzt damit in Sachen Forschung & Entwicklung beschäftigt ist in mehreren Jahren mit dabei. Der Grund warum SL gefloppt ist ist die massenunkompatibilität, nicht der fehlende Reiz an der Grundidee. Es muss immer irgendwo Pioniere geben und Menschen/Unternehmen, die diese Pioniere finanziell unterstützt. Wer allerdings gedacht hat, er könne darin gutes Marketing machen, nunja, der war eben schlecht beraten. Wir neigen eben immer zur Übertreibung. Up and down it goes!
Sorry for the Fast Blogger Rechtschreibung!
Erinnert sich noch jemand von euch an die Markteinführung von Charmin? Galt als ein Ding der Unmöglickeit. Markt zu. Low involvement. Dann: gutes Produkt, gute Werbung – über alle Kanäle. Charmin rockte ab. Auch wegen guter Kombination mit dem POS. Der wird in der ganzen Debatte tatsächlich unterschätzt und lieblos behandelt, wenn ich mir die ganzen Promo-Teams im Handel ansehe. Schicke TV-Spots, viraler pipapo und eine Websites machen sich in der Vita halt besser.
Nun könnte man sagen. Charmin war erfolgreich, weil sie auch massiv im TV waren. Breitenwirkung halt. Geschenkt. Ich denke aber, entscheidender war, dass die Kreation Sympathie erzeugte und einen echten Mehrwert (uh marketingsprech) konstruierte, den das Produkt auch einlöste. Das ist letztendlich wichtiger als die Frage nach dem Kanal. Die Frage ist zudem schwieriger geworden. Nicht mehr nur: wo ist meine Zielgruppe, sondern auch, was erwartet sie dort von mir als Marke. Einfach einen TV-Spot ins Web verlängern oder wie Plus eine Filiale bei Second-Life eröffnen funktioniert eben nicht mehr. Das sind dann die Beispiele, die zeigen, wie man es nicht machen soll.
Ich möchte gerne einen anderen Ansatz bei dieser Diskussion wählen: Meine Vision ist es, dass ich dem Internet sagen kann “Hey, ich brauche jetzt ein Angebot, weil ich jetzt das Bedürfnis für ein Produkt bzw. Dienstleistung XY habe”. Und wenn ich meine Kaufentscheidung getroffen habe, möchte ich dem Internet “Stop” sagen können. OK, noch ist es Vision, aber ich denke in absehbarer Zeit wird das der Fall sein, oder? Über den genauen Zeitpunkt zu streiten, ist Quatsch, denn es wird ein schleichender Prozess sein. Fakt ist aber, dass der Entscheidungsprozess der Konsumenten kürzer und intensiver sein wird. Die Just-in-Time-Werbung, die dafür gebraucht wird, wird ganz sicher über verschiedene Kanäle laufen. Aber natürlich wird der Dialog die effizienteste Form sein. Es wird die Frage sein, wie es den Unternehmen gelingt, die Botschaften so zu verpacken, dass der Konsument es als interne Information (in einem sehr engen Zeitraum) annimmt. Diese Kunst werden die Werber beherrschen müssen: Bilder und Worte kontextbezogen zu transportieren, wenn der potenzielle Konsument danach verlangt. Ich finde das sehr spannend, weil man das Ergebnis in Verkäufen und Buchungen direkt ablesen kann. Vielleicht haben klassische Werber deshalb so große Angst vor der nahen Zukunft?
@ Sörn Weiß – Wer hat Angst?
Bislang empfinde ich es genau andersrum. Ständig neue Studien die den Tod der klassischen Schiene voraussagen. Und wenn einer mal dem widerspricht, war alles gar nicht so gemeint. Im ersten Beitrag mit stolz geschwellter Brust den Untergang verkündet, im zwanzigsten relativiert. Leute entscheidet Euch mal. Denn wenn nicht, klingt der ganze RUMS mehr nach Eigenwerbung, als nach seriöser Szenerie.
Meiner Meinung nach, und da stimme ich den anderen hier zu, wird es ein einträgliches Miteinander geben. Online und Offline werden sich gegenseitig ergänzen.
Aber bitte liebe Onliner, hört damit auf, die Welt der Werber ständig in Online und Offline zu teilen. Wir z. B. denken nur ans Ziel. Völlig egal welcher Kanal dafür aufgetan werden muss.
Mir geht es nicht darum, die Online-Welt als Allheilmittel zu propagieren, sondern darum, dass die “Radikal-Offliner” nicht die Augen verschließen, nach dem Motto: “Wir haben die Welle Web 1.0 gut überlebt – dann werden wir Web 2.0 auch überstehen”. Diese Sandburgendenke hab ich in diesem Jahr bei einigen Verlagen und klassischen Werbern erlebt – und dahinter steckt vielfach Angst, die primär auf Unwissenheit basiert.
Ich bin mit meinen 38 Jahren schon fast zu alt, um das heutige Web richitg zu begreifen. Deshalb orientere ich mich sehr an den Einschätzungen meiner Mitarbeiter, die circa 10-15 Jahre jünger sind. Es ist schon verblüffend, was sich in der an für sich sehr kurzen Zeit geändert hat. Insbesondere das, was sich im Kopf abspielt. Bislang habe ich noch keine Studie gefunden, die dieses Generationsphänomen erkannt hat.
Man müsste ja komplett vernagelt sein, um nicht zu sehen, dass sich einige sehr grundlegende Dinge verändern. Nur (und da geht es mir ähnlich wie Frank Meier) nerven die ewigen Litaneien à la “Print ist tot”, “TV ist tot”, “Massenmarkt ist tot”, “Klassische Werbung ist tot”.
Dazu fällt mir nur noch John Maynard Keynes ein: “On the long run we are all dead.”
DANKE Allen, ich habe hier viel Interessantes und Wissenswertes gelesen. Meinungen die ich teilen kann und Meinungen die ich nicht (so ganz) teile. Das ist aber auch ein fachlicher Blog mit einem fairen fachlichen Dialog, geführt von – offensichtlichen – Fachleuten. Jedoch ist es – auch hier – immer ein schmaler Grad hin zum einfach “Content Müll”. Eine gute Freundin von mir, die beruflich als Programiererin seit Jahren mit Online-content zu tun hat sagte mir kürzlich: “…web 2.0 geil zu finden ist ebenso, als würden sich plötzlich alle hinstellen und die Müllabfuhr zur geilste Sache des Landes erklären… dieser sog. `content´ ist nichts anderes, als das ein haufen Idioten eine Müllhalde gefunden haben, auf der sie haufenweise geistigen Müll ablassen. Und diese Müllhalde finden jetzt plötzlich alle ganz toll…” Ich finde damit hat sie nicht unrecht.
Naja, wenn die Müllabfuhr nach Jahren des Zumüllens endlich mal käme, erklärte ich sie auch zur geilsten Sache des Landes. Und was für den einen Müll ist, ist für den anderen eben Content. Und wenn es ein Strickblog mit 8 Besuchern am Tag ist. Mal ganz abgesehen davon, dass auch professionelle Programierer jede Menge Müll erzeugen, der nur schicker aussieht.
@pete
Ihnen scheint es ähnlich zu gehen wie mir: Sie haben das Web auch noch nicht richtig verstanden!
Um in Ihrem Bild zu bleiben: Die jüngeren Leute haben beim Surfen ständig ihre Müllabfuhr dabei! Sie wissen ganz genau, wie sie an ihre gewünschten Informationen kommen. Beobachten Sie mal diese Heavy-User beim Surfen – von der Problemstellung bis zum Kauf. Während Sie noch am (Müll-)Sortieren sind, haben die schon bestellt…
Die Unternehmen müssen Wege finden, wie Sie in der zukünftigen Entscheidungsfindung berücksichtigt werden und eben nicht im Müll landen. Und wer heute noch darauf vertraut, mit einem riesigen “klassischen” Werbebudget jedes Produkt in den Markt drücken zu können – ohne zumindest die Auswirkungen des Web 2.0 zu kennen, wird für seine Erzeugnisse ebenfalls bald die Müllabfuhr bestellen können.
Klingt drastisch – ist aber so;-)
@ Sören Weiß
Danke für die Antwort (auch Ihnen ramses101). Sie haben recht Herr Weiß – das ist für mich nachvollziehbar, was Sie sagen. Da kommen noch spannende Zeiten auf uns zu…