Spießer Alfons: Zufall oder Absicht
Mag es Zufall sein oder Absicht, sei es Unwissenheit oder Ignoranz, aber erwähnenswert ist es schon, zu sehen, wo ein Opel dort durch einen Stadtplan fährt. Weil es sich dabei um „die Opel ecoFLEX-Initiative“ handelt, sehen wir auf dem Stadtplan auch eine „Walter-Flex-Straße“. Und das macht den Spießer nachdenklich.
Walter Flex (1887-1917) war keineswegs Erfinder des „ecoFLEX“, sondern er war ein Schriftsteller, der den Krieg verherrlicht hat.
In seinem Werk „Der Wanderer zwischen beiden Welten“ schrieb er so liebenswerte Gedanken wie:
„Der Krieg ist eine der heiligsten und größten Offenbarungen, mit der Er (Gott!) Licht in unser Leben schüttet.“
Und:
„Nicht das Glück ist das letzte Ziel der Menschen, sondern seine Vollendung als leiblich-sittliches Wesen. Dazu helfe auch der Krieg. Die Sieger werden unter den Toten sein.“
Kein Wunder, dass dieses Werk einen großen Einfluss auf die nationalistisch gesinnte Jugend der Nachkriegszeit gehabt hat und im Nationalsozialismus weit verbreitet war.
Aber wie gesagt, der Spießer will den Opel-Werbern nichts unterstellen. Und solange es in Deutschland noch Walter-Flex-Straßen gibt, so lange ist es auch möglich, diese zu befahren.
























UUps, da hätte mal jemand vorher googeln sollen.
Allerdings. Hausaufgaben nicht gemacht.
Ist ja schon schlimm genug, dass es noch Straßen gibt, die nach Herrn Flex benannt sind. Da muss ich aber doch als Texter/Art Director ein gewisses Maß an Sorgfalt walten lassen.
Schön gesehen!
mensch alfons ..nicht schlecht !!! respect !
Die Straße gibt es in Rüsselsheim ja tatsächlich. Ist wohl eher so, dass der Rüsselsheimer an sich nicht darüber nachdenkt, nach wem die Stadtstraßen benannt sind, oder? Ist wohl eher die Sorgfalt der Stadtoberen, die es hier zu mokieren gibt, finde ich.
Auf der Opel.de Site ist der Strassenname nicht mehr zu sehen. Immerhin zeigt dies, dass zumindest einer bei Opel Spießer Alfons liest.
Ups, nur auf der Startseite…
“Kriegsverherrlichung”, so wie wir das heute verstehen, sah damals wohl noch etwas anders aus. Ich will das jetzt bestimmt nicht schönreden, aber um das mal in einen historischen Kontext zu bringen: in einer Ausgabe des “Meyers Konversations-Lexikon” von ca. 1903 steht ein Artikel “Kriegskunst”, der etwa so beginnt:
“Von allen Künsten ist die Kriegskunst die höchste…” (aus dem Gedächtnis zitiert).
Wir nennen das heute völkisch national, damals war das sozusagen Weltbild. Nebenbei empfiehlt sich ein kurzer Blick in die Wikipedia, da sehe ich solche Kritik nicht. Dort wird sein Werk in eÃnen Zusammenhang mit Maria Remarques Im Westen nichts Neues gestellt.
Dazu muss ich sagen, dass ich von Flex bisher nichts gelesen habe und den Strassennamen eher in Bezug zu Winkelschleifgeräten gesetzt hätte.
Ich will das auch “nicht schönreden”, aber zum Nachdenken über “historischen Kontext” : 1933 sang die SA “Wenn’s Judenblut vom Messer spritzt”, heute der Neonazi-Liedermacher Michael Müller “… wir haben reichlich Zyklon B. Bei sechs Millionen Juden ist noch lange nicht Schluss”. Und Erich Maria Remarque (war keine Frau !) würde sich im Grabe herumdrehen, mit Flex – dem Kultautor der Nationalsozialisten (FAZ) – auf eine Stufe gestellt zu werden. Vielleicht sollte man beide mal lesen, statt bei Wikipedia Begriffe wie “genregeschichtlich” zu unterschlagen. Peinlich
Mir ist schon klar, dass es sich bei Remarque um keine Frau handelt, leider erlaubt die Kommentarfunktion hier kein preview. Da passiert sowas leider mal. Also: Erich Maria. Tschuldigung.
Dass besagter Walter Flex von den Nazis anscheinend vereinnahmt wurde, ist möglich, glaube ich ihnen gerne. Nur ihre SA-Zitate stammen ja wohl nicht vom genannten Autor? Wie gesagt, den habe ich bisher nicht gelesen, das wird wohl auch nichts mehr. Da habe ich interessantere Lektüre.
Was aber soll diese künstliche Aufregung um die Opel-Anzeige, das ist doch im Grunde genommen albern. Ein Blick auf stadtplandienst.de zeigt, dass diese inkriminierte Strasse, in der sicherlich ausschliesslich fiese Neonazi-Glatzen hausen, einfach die Verlängerung der Adam-Opel-Strasse ist.
Ich bin schon für einen sorgsamen Umgang mit der Geschichte, aber hier ist der Stadtrat von Rüsselsheim neben 30 anderen Kommunen in der Pflicht, sich Gedanken zu machen.
Wenn wir aber jetzt eine Werbeagentur in die Pflicht nehmen, bin ich gespannt auf die Bewertung der nächsten Volkswagen-Anzeige.