Spießer Alfons: neuer Werbewettbewerb — hier!
Einer Meldung von HORIZONT.NET entnimmt der Spießer, dass Deutschland die Nummer 1 ist, und zwar bei den Einsendungen zum Eurobest-Award. Genauer: Von den insgesamt 5.333 Einsendungen kommen allein 1.145 aus Deutschland!
Donni, donni, das wirft natürlich spießige Fragen auf! Zum Beispiel: Haben deutsche Werbeagenturen soviel Leerlauf, dass sie die Zeit totschlagen müssen und sich mit Vorbereitungen für einen Werbewettbewerb beschäftigen? Oder wird diese Zeit den Kunden in Rechnung gestellt? Verdienen deutsche Werbeagenturen soviel Geld, dass sie es sich leisten können, an internationalen Werbewettbewerben teilzunehmen?
Wäre es nicht besser, das Geld den Mitarbeitern, die gute Arbeit geleistet haben, als Prämie zwecks Anerkennung zu zahlen statt an die Veranstalter eines Wettbewerbs, die damit dicke Kohle machen? Warum wollen deutsche Werber sich mit ihrer Arbeit im Vergleich mit anderen Ländern messen — „tickt“ der Bayer vielleicht genauso wie der Andalusier, der Ostfriese wie der Pariser? Mit welchem Recht leitet Amir Kassaei die Jury — spricht er alle Sprachen der einreichenden Länder, ist er, was Europa betrifft, multikulturell in einer Person und Zielgruppe par excellence?
Oder werden die eingereichten Arbeiten manipuliert, sprich ins Englische übersetzt, so dass ungleicher Wettbewerb entsteht? Scheiden die Arbeiten von DDB an diesem Wettbewerb aus? Und nimmt Herr Kassaei Urlaub für die Dauer der Jurysitzung oder deklariert er dieses Hobby als Geschäftsreise…?
Und die Fragen aller Fragen: Warum machen Agenturen mit ihren Leistungen nicht genauso Werbung für sich, wie sie es ihren Kunden mit deren Leistungen und Produkten empfehlen…? Glauben Werbeagenturen selber nicht an Werbung sondern nur an PR…?
Fragen über Fragen. Über Antworten würde der Spießer sich sehr freuen.
Und deshalb macht Alfons hier auch einen Wettbewerb: Wer die plausibelste Begründung schreibt, warum es für den Kunden einer deutschen Werbeagentur so unerhört wichtig ist, bei Eurobest ausgezeichnet zu werden, der bekommt von Spießer Alfons eine Lithographie, die Seltenheitswert hat — siehe Abbildung!
Es ist dieses der Kopf des Spießers, mit dem Alfons vor vielen Jahren seine Kolumne begonnen hat. Gezeichnet von Wigg Siegl, gedruckt vom Stein auf Bütten, gerahmt, nummeriert, signiert und mit dem persönlichen Stempel von Spießer Alfons versehen. Das schmückt jede Bürowand einer Marketing-Etage genauso wie die Toilette einer Werbeagentur. (Aber bitte nicht bei ebay reinstellen, höchstens bei Sotheby’s!)
Also: Wenn Ihr Spießer Alfons endlich aufhängen wollt: Einsendeschluss ist der 24. Dezember 2007. Der Rechtsweg ist eingeschlossen. Ausgeschlossen sind Teilnahmegebühren. Über den Gewinner dieses Wettbewerbs entscheiden Olaf und Alfons.
Noch Fragen? Okay, dann bitte die Antworten, und zwar hier:
Update, 24.November: Statt eines PS ein gezeichneter Kommentar von Bulo:
PS: Weiß jemand, wie man Bilder in Kommentare einbinden kann?
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Für einen Kunden ist es sehr wichtig, dass seine Werbung
ausgezeichnet wird. Denn wenn die Kampagne schon am Point of Sale
nichts bewegt hat, dann wenigstens auf dem Werbejahrmarkt der
Eitelkeiten. Dann kann der Auftraggeber seine Werbung, die nichts im
Verkauf gebrachtt hat, wenigstens als Imagewerbung deklarieren. Und
das ist ja auch was Schönes oder etwa nicht…?
PS: Das Bild würde ich gern der Agentur Jung v. Matt stiften, wenn es
ginge
„Ohne die Erfindung der Olympiade, würde es bis heute keinen Menschen geben, der die 100 Meter unter 10 Sekunden läuft.“
Menschen brauchen Wettbewerbe um besser zu werden. Das der Anteil der “gedopten” Arbeiten (extra dafür gemachten Arbeiten) zu nimmt oder gerade in Deutschland so hoch ist, liegt wohl auch an der Eierschalenlauferei der Kunden.
@ Bernd Billbach
Ist es wichtig, dass es Menschen gibt, die 100 Meter unter 10 Sekunden laufen? Und: Müssen diese Menschen dafür Geld bezahlen, dass Sie an den Olympischen Spielen teilnehmen dürfen? Und: Stimmt eine internationale Jury darüber ab, wer am schnellsten gelaufen ist…?
Und was ist “besser” – das, was den Menschen in Cannes gefällt? Oder den Menschen in Castrop-Rauxel…?
Ich bin kein Freund des Gold-Fiebers, aber wenn es nur nach den Menschen in Castrop-Rauxel gehen würde, wäre die Werbung schlimmer als sie schon ist. Ich war letzte Woche bei einem Marktforschungsinstitut und hab durch die Verspiegelte Scheibe erlebt, was passieren würde, wenn nicht manche Marketingverantwortliche den Mumm hätten sich dagegenzustemmen.
Ein schönes Beispiel gibt es hier: http://www.beyondmadisonavenue.....re-monkey/
Hat die Agentur Arnold dokumentiert um ein Kreativitätsfestival zu eröffnen.
Diese ganzen Schönheitswettbewerbe sind doch so sinnvoll wie ein Heizpilz in der Sauna. Erinnern mich irgendwie an die Dinge, die Pennäler früher in der Schule heimlich mit dem Lineal getrieben haben. Diese Awards sind nur schön fürs Ego der Kreativen und der Marketer. Aber sinnlos. Wenn Agenturen wirklich ein großes Ego hätten und nicht nur dem großen Wahn erliegen würden, dann würden sie ihre Arbeiten nach dem Erfolg an der Kasse bezahlen lassen. Die echte Jury sitzt nämlich tatsächlich in Castrop-Rauxel und anderswo.
Damit der Marketingleiter des Unternehmens auch einmal im Rampenlicht steht und erzählen kann warum gerade diese “Super Idee”.
Lieber Spießer,
da ich diese wirklich schicke Lithografie unbedingt haben will, schleime ich mich gleich am Anfang so richtig ein. Kar, dass geht nach hinten los, aber einen Versuch ist es Wert. Also ich habe lange über diese Fragestellung nachgedacht und komme zu dem folgenden Ergebnis:
Die Kunden der Deutschen Werbeagenturen nehmen so gerne an dem Eurobest teil, weil Sie unbedingt möchten, dass die Seite http://www.eurobest.de endlich in den Besitz der Wettbewerbs-Ausrichter übergehen kann.
Trotz einer wirklich kurzen und ausgesprochen oberflächlichen Recherche hat eine Vielzahl Deutscher Unternehmen nicht gemerkt, dass die Adresse schon vor einigen Jahren durch den Betreiber eines Tschechischen Online-Restaurantbetreibers belegt wurde.
Pavel Anzeigovic, bis vor wenigen Wochen noch stellvertretender Leiter einer Schäferhundschule in der Nähe von Stuttgart, hatte die URL schon vor Urzeiten nach einer durchzechten Nacht mit seiner Freundin Nadja Lecksmischkowa bei einer Internatauktion ersteigert. Das mittlerweile verheiratete Duo hatte sich während eines Praktikums in einer Deutschen Werbeagentur — es wird gemunkelt es soll sich um einen Hamburger Hotshot gehandelt haben — kennen und lieben gelernt. Frustriert von Überstunden, Schlafentzug und schlechtem Abschneiden bei dem agenturinternen Wettbewerb „Singstar“ aus der PS2 hatten die beiden nach dem hastigen Genuss vor 2 Litern Martini den Entschluss gefasst, sich an der gesamten Werbezunft zu rächen.
Sie kauften die Seite (für den rechnerischen Gegenwert von 36 GF-Sekunden nach unverhandelter Basis-Stundenliste), trampten nach Prag und eröffneten in der Nähe des Strahov-Stadions (wo sehr viel später mal der Bac ausgetragen werden sollte) eine erste Frittenbude, die schon 2 Wochen nach Eröffnung aufgrund der Winterpause in der tschechischen Bundesliga wieder geschlossen werden musste.
Die Wiedereröffnung des Schnellimbisses gelang nur durch einen glücklichen Zufall. Im Rahmen der Expansionspläne einer Deutschen Werbeagentur im Tschechischen Markt verlor einer der Geschäftsführer seine Autoschlüssel direkt vor den Augen der beiden damals frisch verliebten und frisch pleitegegangenen Restaurantbetreiber. Obwohl der 5-er Kombi über eine extrem gute Wegfahrsperre verfügte, konnten Pavel und Nadja Gewinn aus dem Missgeschick ziehen. Durch den Verkauf der im Kofferraum des Wagens gebunkerten Pfandflaschen konnte der Grundstein für das neu gegründete Online-Restaurant gelegt werden.
Im Rahmen des aufkommenden Kreativ-Wettbewerbs wurden seit dem teilnehmende Unternehmer aus Deutschland immer häufiger an die Moldau umgeleitet, wo sie statt einer Auszeichnung mit Bramboràk und Obložené chlebÃÄky abgespeist wurden. Das lag schwer im Magen und selbst hartgesottene Spesenritter hatten Probleme, die Reisekostenabrechnungen in den Controlling Abteilungen der Unternehmen unter zu bringen.
Da beschlossen die Kunden den Agenturen zu sagen, dass man in diesem Jahr ganz viele Arbeiten im Wettbewerb haben möchte. Dann haben die Ausrichter nämlich genug Geld in der Kasse, um die Seite http://www.eurobest.de von den Tschechen zurück zu kaufen. Die Kunden haben keinen Stress mit dem Controlling und ausgezeichnete Werbung und Pavel Anzeigovic und Nadja Lecksmischkowa können sich wieder ihren Schäferhunden widmen.
Muss die Antwort überzeugend sein?
Ansonsten: ‘Meiner ist länger – kann aber nur kürzer …’
“Weiß jemand, wie man Bilder in Kommentare einbinden kann?”
… und vor allem: scharf?!
Mannmannmann, Künstler sind ja so sensibel. …
… Aber mit Diekmann im Dunkeln aufm Sofa abhängen. …
Hab jetzt die höhere Auflösung genommen. übriges muss ich die Bilder händisch kleinerziehen, das können sich die Proportionen schon mal teilweise verschieben. Ich warte immer noch darauf,m dass unser dienstleister hier mal eine bessere lösung einbaut. Aber dass muss man langsam angehen. techniker sind noch sensibler als Künstler.
Wenn Du’s jetzt noch’n büschn stauchst, dann passt das in etwa. Oder hat Alfons abgenommen? …
@ Bulo
Macht nix — ich stauche hier doch so viele zusammen. Und wer austeilt, der muss auch einstecken können!
@ bulo und spießer.
So jetzt ist er dicker. ist ja auch gerade Hoch-Zeit des Gänseessens, ne.
@ Olaf, Alfons & Admin:
die Antwort ist 4, ne 6. Moment, die Erklärung ist: Es gibt keinen Grund, nur Eitelkeiten. Und die armen (oft) unterbezahlten Mitarbeiter können sich damit beruhigen, dass sie immerhin in einer Agentur oder für einen Kunden arbeiten, der ausgezeichnet ist…
Und wer hat die meisten Preise entgegen genommen? Richtig: der Vorsitzende der Jury – wer denn sonst?!
Mein Vorschlag: Im nächsten Jahr nehmen deutsche Agenturen nicht teil, sondern schicken die Teilnahmegelder an Brot für die Welt. Das wäre wirklich eine Auszeichnung für Deutschlands Agenturen!
H a a a l l o o o ! Letzte Chance hier: Am Montag ist Einsendeschluss! Wer das Bild haben möchte, sollte sich sputen und hier einen Kommentar schreiben!
Nachdem die Jury – der Olaf und der Alfons – sich zuerst zusammen- und dann auseinandergesetzt haben mit Euren Kommentaren, sind wir zweitstimmig zum einstimmigen Resultat gekommen: Die Litho soll an Werberocker gehen! Und der möge sich melden und mailen, wohin das gerahmte Bild geschickt werden soll!
Glückwunsch und viel Freude an dem Werk!
Der Werberocker dankt!
Gestern irgendwo in Berlin. Ein von zwei bis an die Schnürsenkel bewaffneten Wachleuten bewachter Sicherheitstransport bahnt sich seinen Weg durch die Straßen der Hauptstadt. Vorbei an Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund, ab- und anwesenden Volksvertretern sowie mehreren Zoobesuchern die nach Eisbären suchen biegt der gepanzerte Lieferwagen in eine kleine Seitenstraße eines der unhippen Außenbezirke. Der Kopf des Spießers ist da. Und der Werberocker ist jetzt nicht nur der neue Eigentümer eines erlesenen und gerahmten Kunstwerks, sondern auch stolzer Besitzer einer neuen IMac Verpackung. Bild an die Wand — Verpackung an die Straße. Sollen die Nachbarn ruhig denken, beim Werberocker ist Wohnstand ausgebrochen….
Ein doppelter Grund zur Freude!