Spießer Alfons: Geschäfte mit der Armut
Im Bilde einer Anzeige sehen wir eine Frau mit Handy. In Klammern steht vermerkt: „Britta Steffen, Weltrekordlerin 100 Meter Freistil“. Und wir sehen Kinder, die in hohem Bogen von Startblöcken springen. Nicht ins tiefe Wasser, sondern voll in die Pfützen auf dem Flachdach eines Hochhauses! So jedenfalls sieht es Alfons der Spießer. Die Headline der Annonce lautet: „Wir helfen beim Start in eine bessere Zukunft.“ Und per Sprechkasten sagt ein Kind: „detitel Passt. Einfach. Alles.“ — siehe die Abbildung!
Wenn Ihr Euch das Werk anschaut, dann fragt Ihr vermutlich genauso wie der Spießer: Was soll dieser Blödsinn? Und wer sich die Mühe macht, das Kleingedruckte zu lesen, der erfährt: „Britta Steffen und debitel engagieren sich im Kampf gegen Kinderarmut in Deutschland. Ab sofort bis 31.12.2007 verzichtet debitel für jeden Neuvertrag auf 1 Cent je Gesprächsminute und spendet die Summe an die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung.“
Es handelt sich hier also um eine sogenannte „gefühlsbetonte Werbung“. Früher sahen Juristen solcherart von Kundenwerbung wie folgt:
„Wer Körperbehinderung, Armut oder schwere Schicksalsschläge zur Kundenbeeinflussung einsetzt, handelt wettbewerbswidrig. Die Rechtsprechung sieht im Auslösen von Mitleidsgefühlen eine Ablenkung vom angebotenen Produkt. In solchen Fällen wird die Kaufentscheidung nur von Mitleidsgefühlen ohne irgendeinen sachlichen Bezug zur angebotenen Ware getroffen.“ (Rechtsanwalt Dr. Stephan Schmidt, „Werbung und Recht“, 1993 by Verlag Kammerer & Unverzagt)
Heute sehen juristische Wettbewerbshüter das offenbar nicht mehr so eng wie Spießer Alfons es unverändert sieht. Und deshalb kann solch perfide Kunden-Akquisition wie die von Debitel erscheinen.
Als perfide empfindet der Spießer die Aktion deshalb, weil Debitel nur Geld spendet, wenn Kunden einen neuen Vertrag bei Debitel abschließen. Käme niemand auf die Idee, das zu tun, dann würde Debitel nicht einen einzigen Cent spenden. Oder …?
Insofern hilft nicht Debitel den armen Kindern, sondern die Kunden von Debitel helfen, indem sie sich nicht nach dem günstigsten Handytarif umschauen, sondern etwas Gutes tun möchten, damit mittellose Kinder nicht aufs harte Pflaster aufprallen müssen.
Letzte Frage des Spießers: Wenn Debitel wirklich und von Herzen etwas Gutes für arme Kinder tun möchte — warum spendet man nicht auch von den Gebühren der bestehenden Kunden …?




















Das Motiv gefällt mir ganz gut wäre aber eher ein Motiv z.B für mehr Kindergärten. Angenommen Debitel bekommt 2000 neue Kunden (werden Sie nicht schaffen) jeder hat eine Gesprächszeit von 300 Minuten (sehr viel) sind das pro Kunde 3 Euro dann haben wir eine sagenhafte Spende von 6000 €.
2000 neue Kunden dürfte doch kein Problem sein, jetzt wo jeder mit seinem günstigen Vertragsfrei-iPhone im Wert von 1000 Euro zu Debitel rennen und damit seinen Dispo um 600 Euro wieder ins erträgliche Minus retten kann! Nur bin ich nicht informiert ob diese “Inklusivminutenverträge” überhaupt mit berücksichtig werden
!
Da hat der Spießer wirklich mal wahre Worte gesprochen – sehr perfide das ganze Gehabe von debitel
Ich finde das Motiv nicht gut. Wie lange schaut der Betrachter sich im Durchschnitt denn so eine Werbung an? Bezweifle, dass der “normale Betrachter” in der kurzen Zeit rafft, was das Motiv vermitteln soll.
>> Start in eine bessere Zukunft? Was hat das mit einem verregeneten Flugplatzuntergrund zu tun?
Nicht so gelungen, meiner Meinung nach…