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Spießer Alfons: Wenn ein Plagiat zum Zitat wird

28. November 2007
von

Wer die Website Newsmap vergleicht mit dieser Website einer Frankfurter Agentur, der site1.jpgwird auf einen Blick erkennen: Da hat der eine vom anderen gekupfert! Und wenn man weiß, dass Marumushi vor Schitto Schmodde auf Sendung war, so könnte man sagen: Plagiat von Schitto Schmodde.

site2.jpgEin Plagiat ist ein geistiger Diebstahl. Und ein Diebstahl ist die unerlaubte Aneignung fremden Eigentums. Ist die Aneignung allerdings mit Erlaubnis passiert, dann kann man nicht von einem Plagiat sprechen, sondern von … sagen wir mal: Hommage.

Wie schaut es aus im vorliegenden Fall? Die Agentur Schitto Schmodde, auf die nette Dublette angesprochen, hat durch Martin Schitto geantwortet. Und der weist einen Ideenklau vehement zurück. Weil es sich hier nicht um ein Plagiat handelt, sondern um ein „Zitat“, das „charmant“ ist, so der Agenturchef. Hier der Original-Wortlaut von Martin Schitto, der in Sachen Orthographie und Interpunktion nicht aus dem Duden zitiert sondern nach eigenem Gutdünken schreibt. Hierfür bekäme jeder Schüler eine mangelhafte Note:

“ja, sie haben recht, unsere homepage ähnelt der marumushi seite, und das war absicht. denn so, wie man gern mal ein printmedium im Bild-zeitungs look gestaltet um laut zu sein, haben wir die nachrichten treemap von marumushi mit unseren informationen gefüllt um aktualität zu demonstrieren. vielleicht erinnern sie sich noch an die nette grabarz und partner website, die komplett das damalige apple betriebssystem 9 als oberfläche nutzte. auch da war das zitat charmant und niemand hat ein plagiat oder boshaften ideenklau gewittert.“

Ja, und die Agentur hat sich — nach eigener Angabe — bei den Urhebern der Vorbild-Seite vergewissert, dass diese nichts gegen eine Adaption hätten sondern sich vielmehr über die Anerkennung durch Nachahmung freuen täten — tätää — tätää — tätää!

Hierzu meint der Geschäftsführer einer anderen Werbeagentur, der über die Dublette gestolpert war: „Ich finde es schon sehr erstaunlich, dass eine renommierte Agentur nicht genug kreativ ist, sich selbst ein Design für die eigene Webseite zu erstellen.“

Und was meint Alfons der Spießer? Der grinst, schließt sich der Meinung des Vorredners an und fragt die Leser von off-the-record: Was sagt denn Ihr eigentlich dazu…?

Mit Dank an Christian Wahi für den Tipp.

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Kommentare zu “ Spießer Alfons: Wenn ein Plagiat zum Zitat wird ”

  1. bloom am 28. November 2007 um 11:02 Uhr

    Das Problem ist dieser Äpfel und Birnen-Vergleich von Herrn Schitto: die Verbreitung und Bekanntheit des BILD-Layouts oder OS9-Interfaces spielt in einer ganz anderen Klasse, als die (zweifellos brilliante) Newsmap-Geschichte.

    Schön wäre eine konzeptionelle Einbindung gewesen – einmal erscheint die Frontseite im Newsmap-Design, einmal im BILDdesign, einmal als Blog, einmal wie SPIEGEl Online … ist sicher ziemlich aufwändig, aber durchaus machbar …

  2. Dierk am 28. November 2007 um 11:45 Uhr

    [Tonfall: knochentrocken-amüsiert, ironisch]

    Vor ‘sondern’ steht immer ein Komma … [siehe dazu auch: Dudenredaktion, Richtiges und gutes Deutsch, 5. Aufl. 2001, s.v. 'sondern'].

    Ist einfach nicht gut, den Beckmesser zu spielen und dann selbst Probleme mit Interpunktion und Rächtschreibunng zu machen.

    [wieder normal]

    Für Schmitto Schmodde gilt: Ein Symbol oder eine Hommage, die erklärt werden muss, ist weder noch.

    Ansonsten bin ich der Meinung, dass Karthago …

  3. Lucas von Gwinner am 28. November 2007 um 12:31 Uhr

    Reichlich albern die Debatte. Lehnen wir uns mal ein Stück zurück und schauen in einen anderen Bereich: Der Dichter Robert Gernhardt liebte es in fremden Zungen zu dichten. Eines seiner ersten Gedichte hat er z.B. im Trakl-Ton abgefasst. Und danach noch viele andere im Stile anderer Dichter wie Benn, Jandl etc. Würden wir da den Plagiatsvorwurf machen? Oder waren das einfach nur Stil-Zitate zum Zweck der Parodie.

    Allein die Bekanntheit einer Vorlage als Legitimation für ein Zitat herzunehmen taugt auch nicht. Wer will denn das messen? Wem muss das zitierte bekannt sein damit es ein Zitat und kein Plagiat sein darf?

    Nur eine Sache stört: Wer zitiert sollte auf den Autor hinweisen.

    Gruß, L.

  4. Dominik am 28. November 2007 um 13:26 Uhr

    Zitieren tut man doch eigentlich dann, wenn man einer eigenen Idee oder Meinung Nachdruck verleihen will – als Ergänzung also. Oder alternativ, wenn es schlichtweg keine besseren Worte für etwas gibt, als die, die bereits einer benutzt hat. Meine persönliche Definition.

    Deshalb: Das da oben ist meiner Ansicht nach bestenfalls eine unkreative “Coverversion”, schlimmstenfalls Ideenklau!

  5. Spießer Alfons am 28. November 2007 um 13:30 Uhr

    @ Dierk

    1 Kommafehler ergibt eine 2 +, damit kann man immer noch Abitur machen! ;)

    @ Lucas von Gwinner

    Dein Vergleich einer literarischen Parodie mit einer wirtschaftlichen Auswertung fremden geistigen Eigentums hinkt. In der Wirtschaft nennt man es auch Raubkopie, wenn ein anderer fremdes Design nachmacht.

  6. Lutz Thümmel am 28. November 2007 um 15:32 Uhr

    @ Lukas, Dominik
    Dies hier ist weder ein Zitat noch eine Coverversion.

    Es kann auch nicht einfach mit „zufälligerweise zur gleichen Zeit die gleiche Idee gehabt” abgetan werden. Das wäre schlichtweg lächerlich. Hier ist einfach kopiert worden. Und zwar nicht nur die Idee sondern gleich Farben, Layout und Wording. Daß die hinterlegten Informationen anders sind, rettet das Ding auch nicht.
    Die Idee ist zu einmalig, als daß sie mehrere Leute gleichzeitig hätten haben können.

    Für mich persönlich kommt bei solchen Sachen erschwerend hinzu, daß man im eigenen Lager wildert.
    Wäre die urprüngliche Seite ein Fernsehsender o.ä., wären es zumindest die Kirschen aus Nachbars Garten, die geklaut wurden. In Vereinen oder während der Dienstzeit sind solche Typen Kameradenschweine.

    Im richtigen Leben zumindest aber Anwärter auf den „Plagiarius” (http://www.plagiarius.com/d_index.html)

    Die Antwort von Martin Schitto auf Schülerzeitungsniveau erhält dann einen Sonderpreis.

  7. Vroni am 28. November 2007 um 17:17 Uhr

    Durchschaut: Diese Agentur will bloss Kunden schwindlig machen damit sie willenlos werden :-) s. u.

    __________________

    Marumushi, Murakami oder Mischimaschi oder Hakamoto, egal was der für einen Künstler- Designer- oder Kultstatus hat.

    Ich finde das Design zwar ungewöhnlich, auch halbwegs schick (Gettyimages hat so was in Direkt Mail Aktionen für seinen Stammkunden aber schon mal klarer und daher besser gemacht) – aber auch gleichzeitig einfach wirr, hätte ich nie nachgemacht. Aus letzterem Grund.

    Kein menschliches Auge kann nicht einmal zwei Dinge gleichzeitig gleich gut erfassen. Und dann diesen Blätterwald. Bei einmal drüberlesen schon wurd mirs arg schwummrig und schwindlig. Siehe http://de.wikipedia.org/wiki/B.....%28Auge%29

    Man versuche das O und das X gleichzeitig zu erfassen. Man sieht immer nur eins, dran schuld ist unser eingebauter “Blinder Fleck”, der uns wohl auch davor schützen soll, zuviel Informationen auf einmal verarbeiten zu müssen… ;-) , aber ich bin kein Evolutionsexperte.

    Erst recht diesen schicken Overload-Typokillerangriff. Mnja typisch Agentur halt, haben auch meist einen ebenso schicken Overload-Bauchladen. Neuerdings wird der (das?) Overload eben auch gekupfert… (Besser gut gekupfert als schlecht selber erfunden…). Und da ist es doch fast schon ehrlich, das mit einer Page auch gleich sauber zu vermitteln.
    Es macht halt Spass, über andere Agenturen zu lästern. Ohne könnt ich gar nicht existieren :-P

  8. Christian Wahi am 28. November 2007 um 22:49 Uhr

    Hallo,

    es bin kein Kritiker, es geht auch nicht darum über jmd. zu lästern!
    Hier wurde schlicht und ergreifend kopiert.

    Schönen Abend noch!

  9. Miethirn am 29. November 2007 um 11:58 Uhr

    sauber kopiert, allerdings, wie bei agenturen so üblich, nur die oberfläche.
    zitat: “mit unseren informationen gefüllt um aktualität zu demonstrieren.”
    statische sache, wird nie wieder aktualisiert, wenns denn je fertig wird.
    im gegensatz zu der marumushi treemap, die sich selbständig aktualisiert. man kann den nachrichten beim altern zusehen (dunkler ist älter).

    typografie und farben einfach nur zu kopieren ist schwach. keine gestalter im haus?

  10. Max am 29. November 2007 um 13:36 Uhr

    Ein Kritikpunkt an der Website newsmap: Man hat ein paar Headlines, aber kann gar keine Artikel lesen. Damit entlarvt sich das Ding als reine Spielerei, vollkommen ohne Nutzen. Ehrlich gesagt ist es sogar Schrott.

    Es gibt vor, ein weltumspannendes Newstool zu sein, ist aber nur eine Farbspielerei ohne Tiefe.

    Sorry, aber die newsmap ist bei mir (schon seit etlichen Monaten) durchgefallen.

    Und diese andere Agentur hat natürlich geklaut. Nicht so toll. Aber irgendwie auch belanglos (in meinen Augen).

  11. Max am 29. November 2007 um 13:43 Uhr

    Achja, besser als die Website von Saatchi finde ich selbst das Plagiat von SSWW. Und die Saatchi Website ist in der heutigen Horizont laut irgendeiner Studie als “beste Eigendarstellung” gelobt und hat dafür von Horizont einen Pfeil nach oben erhalten. Die Saatchi Website, die ich eben aufgerufen habe ist wirklich sehr sehr schlecht.

  12. Thorsten Wehner am 29. November 2007 um 20:37 Uhr

    Ach das ist doch alles nicht so schlimm. Hier geht der Punk ab: http://pirated-sites.com/vanilla/

  13. Vroni am 1. Dezember 2007 um 09:50 Uhr

    @ Christian Wahi

    “es geht auch nicht darum über jmd. zu lästern!
    Hier wurde schlicht und ergreifend kopiert.”

    Zum ersten Teil des Satzes: Wieso so bierernst? Muss ich Selbstironie noch deutlicher auf den Monitor tackern? Mach ich gern^^, hier:
    -:) .-) ;-) :-D :-P

    Zum zweiten Teil des Satzes:
    Klar wurde kopiert. Ist das überhaupt eine Frage? Erledigt, nächstes Thema… :-)

    Dass kopiert wurde, war nicht Hauptthema meines Beitrags, der bearbeitete ein Nebenthema, zugegeben, aber ein nicht ganz so Unwichtiges, wie ich an den darauf folgenden Kommentaren merke.

    Es wurde deutlich kopiert, das aber leider dazu auch noch schlecht. Ein Doppelminus. Kopieren an sich ist schon schlimmdumm genug, wer aber das Original schlecht kopiert, i. e. den Sinn des Originals nicht einmal verstanden hat, der muss noch mal über Los und darf keine 4000 einziehen.

  14. Sven am 16. März 2009 um 06:42 Uhr

    immerhin kann man damit Preise gewinnen:

    Die Website wurde mit dem iF Communication Design Award und dem red dot design award 2008 ausgezeichnet.

    http://www.zumkuckuck.com/show.....earch_date

ivw