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Was Marken von Cary Grant lernen können

5. Dezember 2007
von Olaf Kolbrück

Ich habe selten auf so quietsch-hässlich-grünen Stühlen gesessen wie in der Lounge-Bar des Sofitel an der Hamburger Fleet. Dafür waren die Gesprächspartner beim Round Table umso interessanter:
- ein tiefschürfender Dominc Veken, Strategie-Kopf bei der Werbeagentur Kolle Rebbe, der Sinn für das Philospohische hat
- ein locker plaudernder Markus Roder, Stratege bei den Viral-Werbern von Dialog Solutions, der angesichts seiner Mann-Frau-Beispiele mehrfach seine funktionierende Beziehung bestätigen musste
- ein mit trockenem Humor gesegneter Cem Basman, Berater, Blogger und IT-Urgestein, der auch als Hamburger sogar Bayern München etwas abgewinnen kann.

Natürlich ging es beim Gespräch weniger um Religion, Frauenversteher und Cary Grant. Aber dennoch hat all das auch etwas mit der Markenführung im Zeitalter des Web 2.0 zu tun. Das Round Table gibt es auf zwei Seiten in der heutigen HORIZONT. Einen Nikolaus-Sack voller Kerngedanken der Diskutanten gibt es allerdings auch hier im Blog nach dem Klick.

“Apple ist keine normale Marke, sondern beinahe eine Glaubenssache.”
Dominic Vekendom.JPG (rechts)

“Apple ist eine Kirche, der Apfel ist das Kreuz.”
Cem Basman

“Es geht eher um eine Geistesgemeinschaft. Bionade verfügt über eine solche Gemeinschaft mit den Kunden, weil mit der Marke auch eine Geisteshaltung vermittelt wird. Die Marke stellt eine Beziehung zwischen Menschen her, weil sie eine Haltung verkörpert. Das Produkt ist letztlich nur eine Manifestation des Geistes.”
Dominic Veken

roder.JPG“Natürlich war das klassische Markenverständnis zu sehr ichbezogen. Aber weniger abstrakt geht es letztlich um eine Idee, die viele Menschen begeistern kann. Es kommt aber auf die spezielle Herausforderung der Marke am Markt an, ob sich der personelle und finanzielle Aufwand lohnt, den der Aufbau einer Gemeinschaft erfordert. Wenn der Markenkern vom Element des sozialen Zusammenhalts weit entfernt ist, wäre ein Communityaufbau sicherlich keine sinnvolle Investition.”
Markus Roder (links)

“Ich entscheide nicht aufgrund rationaler Kriterien, zu welcher Community ich gehören will oder welche Empfehlungen und Rezensionen ich akzeptierte, sondern vor allem aufgrund meiner genetischen und sozialen Prägung.”
Markus Roder

“Ich glaube, dass sich 98 Prozent meiner Entscheidungen am sozialen Umfeld cem.jpgorientieren.”
Cem Basman (rechts)

“Klassische Markenkommunikation glich doch eher dem Patriarchat, in dem der Mann sagt, wo es langgeht. Dann kam die Emanzipation, beziehungsweise das Web 2.0. Nun heißt es, wir müssen ganz danach agieren, was die Frauen sagen. Auch das ist falsch. Der Konsument kann der Marke genaugenommen nicht sagen, was er will. Er weiß es nämlich nicht bewusst.”
Markus Roder

“Man darf nicht jede Welle mitmachen. Manche Wellen muss man auch vorbeirollen lassen.”
Cem Basman

“Die Aufgabe der Markenführenden liegt nicht mehr darin, Menschen auf Biegen und Brechen zu überreden, sondern darin, einen Geist zu zelebrieren, der die Menschen begeistert.”
Dominic Veken

“Sicherlich ist vieles wertvoll, was der Kunde sagt. Es wäre aber ein Fehler, sich sklavisch danach zu richten. Der Neandertaler hätte wahrscheinlich auch Feuer abgelehnt, weil es ihm zu gefährlich wirkte.”
Markus Roder

“Natürlich ist es angesichts des Overload schwerer geworden, den Kunden zu erreichen und zu überzeugen. Außerdem ist das grundsätzliche Misstrauen des Kunden gewachsen. Deshalb müssen mehr Faktoren als bislang auf Plus zeigen, damit der Kunde sich für ein Produkt entscheidet. Der Kunde muss also auf unterschiedlichen Kanälen überzeugt werden. Deshalb spielen auch die Empfehlungen in Blogs und Communities durchaus eine immer wichtigere Rolle.”
Dominic Veken

“Marken müssen nützliche Informationen bieten. Aber nicht, weil sie ein Produkt verkaufen wollen. Sie müssen Informationen ohne Hintergedanken, quasi als Give-away bieten.”
Cem Basman

“Im Web 2.0, wo jeder mit jedem sprechen kann, ist eine Marke Gesprächspartner und Gesprächsstoff. In dieses Gespräch muss sie sich organisch einfügen. Dann besitzt sie auch eine gewisse Glaubwürdigkeit.”
Cem Basman

“Dieselbe Werbebotschaft wiegt stärker, wenn ich sie von einem Freund erhalte, als wenn ich sie im Fernsehen sehe.”
Markus Roder

“Wenn Marken mir etwas geben wollen und mich als gleichberechtigten Partner betrachten, ist das in aller Regel glaubwürdig. Egal, über welchen Kanal kommuniziert wird.”
Dominic Veken

“Wenn der Mann beim Date erst eine halbe Stunde lang erzählt, was für ein toller Typ er ist, dann ist die Frau weg. So geht es auch den Marken.”
Markus Roder

“Marken müssen es wie Cary Grant machen. Zuhören, interessiert scheinen und Frauen das Podium geben.”
Cem Basman

(Hinweis: Die Zitate sind zum Teil gekürzt, gerafft und nicht alle zwingend chronologisch)
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Kommentare zu “ Was Marken von Cary Grant lernen können ”

  1. Cem am 5. Dezember 2007 um 20:44 Uhr

    Ich muss dringend abnehmen…

  2. OlafKolbrueck am 5. Dezember 2007 um 22:09 Uhr

    Keine Sorge Cem, das liegt nur am Foto und der schlechten Beleuchtung. ich kann das bild ja was ziehen, das macht schlanker. ;-)

  3. Markus Roder am 11. Dezember 2007 um 17:41 Uhr

    Das war wirklich eine wunderbare Unterhaltung.

    Vielen Dank fuer die tollen Fragen an Dich, Olaf – und fuer die tollen Antworten an alle am Tisch! Habe einiges an Inspiration in den Alltag mitgenommen…

Trackbacks

  • [...] Der Apfel ist das Kreuz… 5. Dezember 2007 Olaf Kolbrück hatte sich neulich in Hamburg bei Dominc Veken, Strategie-Kopf bei der Werbeagentur Kolle Rebbe, sowie Markus Roder, Stratege bei den Viral-Werbern von Dialog Solutions, und mir ganz vertraulich am Fleet mit Sicht auf die Innenstadtsilouette unterhalten. Jetzt hat er das ganze doch einfach ausschnittweise schamlos in seinem Blog veröffentlicht: Was Marken von Cary Grant lernen können. [...]

    Der Apfel ist das Kreuz… « Sprechblase — 5. Dezember 2007 @ 21:08 Uhr
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