Dittrich, Dylan und das Golgatha der Glaubwürdigkeit
Das schreckliche an Werbung mit Testimonials ist nicht der kreative Offenbarungseid. Auch nicht der Kaiserschmarrn durch wechselnde Marken-Betten hüpfender Prominenter. Werbe-Suizid sind vor allem jene Kampagnen, in denen solche Prominente auftreten, denen man eine Zusammenarbeit mit der Marke niemals zugetraut hätte. Die Frage ist nur, wer dabei am Ende sein Golgatha erlebt – die Marke oder die Glaubwürdigkeit des Werbestars?
Was treibt also Alice Schwarzer zu “Bild”? Einen Mann wie Bob Dylan zu Cadillac? Was treibt Dittsche alias Olli Dittrich zum Media-Markt — außer einem im Einzelfall womöglich hohen sechsstelligen Schmerzensgeld.
Passen die Marke Media-Markt, die menschliche Kolateralschäden beim Marketing zumindest in Kauf zu nehmen scheint und ein im Zweifel ein eher Links-intellektuelles Publikum bedienender Dittsche zusammen? Soll Dittrich neue Kundenkreise erschließen?
Nein.
Das Management der Media-Markt-Mutter Metro wäre auch schon blöd, wenn sie das glauben würde. Gerade einer eher bildungsorientierten Zielgruppe dürfte am ehesten klar sein, dass die angebliche Preisführerschaft des Media-Markt zumeist nur eine gefühlte, aber selten eine reale ist, die Preisführerschaft mehr eine Folge des Marketings als das rechnerische Ergebnis des Bons an der Kasse ist. Da hilft auch ein Dittrich wenig. Respekt vor der Marke verschafft er in dieser Zielgruppe nicht.
Dittrich ist denn auch nur ein Instrument, um der Stampede der Durchschnittskunden, die auch den Lidl-Slogan „Luxus für alle“ grundehrlich finden, eine kulturelle Autorität vorzuführen. Seine Glaubwürdigkeit soll auf die Marke abfärben.
Und da passt Dittrich eben besser als Mario Barth.
Nur für die Marke Dittrich passt es nicht. Seine Glaubwürdigkeit färbt ab und bei ihm ist der Lack ab. Er kann bestenfalls hoffen, dass seine Fans den Umgang mit dem marktschreierischen Verführer und Dauerverdächtigen der Verbraucherschützer erdulden. Trotzdem she ich im Moment nur noch rot, wenn der Mann im Bademantel auftaucht.
So wie wahrscheinlich Dylanologen stoisch die Ausflüge des Barden ertragen. Und Unterwäsche-Werbung für Victoria Secret ebenso aushalten wie seinen jüngsten Ausflug in die Werbung für eine CO2-Dreckschleuder von Cadillac (siehe den Spot unten). Gut für Cadillac. Aber Dylan-CDs kann man nun nur noch verschämt ganz weit unten ins Regal stellen und stattdessen wieder Franz Zappa hervorholen. „Were only in it for the money“.



















Gibt es überhaupt ein bekanntes Gesicht, das nicht durch eine Media-Markt Kampange verbrannt wäre? Ich glaube nicht. Das Wort Reklame passt hier ziemlich gut. das ist keine Werbung.
Auch wenn mir persönlich die Kampagne sehr zusagt und ich auch die letze mit Oliver Pocher schon genossen habe, komme ich nicht um den Gedanken rum, der hier erwähnt wird. Gut möglich, das man ihn danach nicht mehr sehen oder gar hören kann. Aber hat das wirklich was mit Mediamarkt zu tun? Ich bin der Meinung eher kaum, da es vielmehr die Häufigkeit ist mit der solche Comedyiconen auftreten. Wer von uns kann den bitte noch ernsthaft über die Witze von Olm und anderen lachen? Erstaunlicherweise halten sich gute Comedians dennoch langfristig im Geschäft. Oli Dittrich gibt es ja nicht erst seit Gestern und man hatte ihm (Wie so vielen Anderen!) nach Samstag Nacht schon einmal das Karriereaus prophezeit. Zugegeben: Er war dann auch eine Zeit lang weg vom Fenster. Doch vielleicht muss man nach intensivem Genuss auch eine Zeit lang einfach mal den Abstand genießen um dann wieder umso herzhafter lachen zu können…
p.s.: Kleiner Schreibpatzer:”Trotzdem she ich im Moment nur noch rot,” –> “sehe” passt besser.
ich glaube nicht daran, dass die mm-spots dittrich schaden werden.
und pocher hat seiner kampagne den durchbruch zu verdanken.
Anders als Dittrich ist Pocher mit seinem Humor-Spektrum und seiner Zielgruppe auch durchaus adäquat zur Marke. Da sehe ich keine Reibungsverluste.
O-Ton meiner Freundin, die sich dem Fernsehen an 99 v.H. Tagen verweigert:
“Warum stellen die denn ihre eigenen Kunden so bescheuert dar?”