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Gute Butter, Laotse und der Geschmack des LOHAS

10. Dezember 2007
von

Butter, gute Butter kann eine Menge lehren über den Umgang mit dem Trend zum “Lifestyle of Health and Sustainability” (LOHAS). Denn es muss nicht gleich, wie Dominic Veken (Kolle Rebbe) meint, immer das ganz große Credo sein, nicht immer die große Geistesgemeinschaft, um ein Produkt, eine Marke zum Erfolg zu machen. Das Beispiel der guten Butter genügt.

Als treuer Markenkäufer habe ich jahrelang mit einer bestimmten Butter-Brand getafelt. Allerdings blieb die Marke immer etwas schuldig: Diese Werbeerinnerung aus frühester Kindheit, bei der der Frühstücktisch nach einem Bissen ins Brot plötzlich auf einer Almwiese steht, zufrieden dreinblickende Kühe herbeitraben und mit zustimmendem Nicken die Brotzeit begleiten.

Letztlich also fehlte der rechte Geschmack, das Gefühl von Frische, die Idee von frischem Gras auf dem Gaumen, das Gout echter Butter.
Also habe ich einmal die Butter von Demeter gekauft. Und da waren sie dann: die Berge, die Almwiese, die Kühe und der Geschmack. Ich bin dabei geblieben. Und erfolgte der erste Kaufimpuls vielleicht auch ein Stück weit aus dem Wunsch, mich wie ein Lohas-Jünger zu fühlen, war der Nachkauf vor allem eine Folge des Produkterlebnisses.

Und so mainstreaming wie ich mich selbst empfinde (eine Phil-Collins-CD im Regal sei mein Zeuge) scheint mir dahinter einer der entscheidenden Erfolgsfaktoren für alle Marken zu stecken, die mit dem LOHAS-Ansatz insbesondere im Massenmarkt reüssieren wollen.

Sich als Teil eines Trends zu positionieren genügt eben nicht. Zumal dem ökohaften Kern dieses Lifestyles immer noch ein ranziger Beigeschmack von Verzicht anhaftet.
Stattdessen muss es darum gehen, den Mehrwert darzustellen und einzulösen, den Nutzen für den Kunden selbst, für sein — auch körperliches — Wohlgefühl herauszustreichen und – um bei Food-Produkten zu bleiben – den besseren Geschmack zu bieten. Schließlich würde auch kein Mensch Bionade trinken, wenn die Limo hip wäre, dabei aber schmecken würde wie abgestandenes Klärwasser. Der Kunde drückt mit der Marke eben nicht nur seine Persönlichkeit aus – sondern Bionade schmeckt auch noch besser. Das gute Gewissen allein ist auf Dauer keine Entscheidungshilfe beim Einkauf. Das schlechte Gewissen ist nämlich schnell beruhigt.

Marken, die im LOHAS-Umfeld bestehen wollen und nicht das Zeug haben, als Bannerträger von Haltung und Persönlichkeit zu fungieren, müssen deshalb in erster Linie ein Mehr an Genuss und Qualität bieten und kommunizieren, dass sie dieser Mehrwert deutlich über die Masse „klassischer“ Premiumprodukte und Markenpersönlichkeiten heraushebt und damit auch einen höheren Preis und eine Mehraufwand an Zeit und Involvement rechtfertigt.

Dann kann man selbst den Verzicht „verkaufen“. Denn Butter von Demeter hat durchaus ihren Preis. Da mag es für den Aufschnitt finanziell enger werden. Also greift man zur billigen Lösung, schmiert sich diese Butter aufs Brot, streut ein wenig frischen Dill Schnittlauch (dill ist natürlich quatsch) oben drauf, und ist mit dem Wenigen mehr als zufrieden. Weniger ist mehr. Und wenn man das nicht mit Smart “Reduce to the max” sondern mit Laotse sagt, klingt das auch nach einem brauchbaren Claim und dem Jackpot des Lebens: “In Einfachheit und Veredelung liegt Reichtum”.

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Kommentare zu “ Gute Butter, Laotse und der Geschmack des LOHAS ”

  1. Christoph Harrach am 10. Dezember 2007 um 21:12 Uhr

    Hi Olaf,

    neben Genuss und Qualität hast du das wesentlichen LOHAS Kaufargument vergessen: Verantwortung. Politik aus der Geldbörse nennen wir das. Da gehts lang zu den LOHAS.
    Gruss Christoph – http://karmakonsum.de

  2. Hannes Korten am 11. Dezember 2007 um 08:21 Uhr

    Ich muss meinem Vorkommentator zustimmen. Auch aus meiner Sicht greift der Artikel deutlich zu kurz, ist LOHAS doch deutlich mehr als nur als ein “ökohafter Lifestyle mit ranzigem Beigeschmack”. Ein wesentlicher Bestandteil sind Themen wie Verantwortung, Bewusstsein und auch Meinungsbildung. Werber sollten vorsichtig sein, sich nur mit Qualitäts- oder Genussargumenten bei der Zielgruppe anbiedern zu wollen. Das könnte sonst ziemlich ins Auge gehen.

  3. OlafKolbrueck am 11. Dezember 2007 um 09:57 Uhr

    Sicherlich wird es immer eine Zielgruppe geben, für die Verantwortung und Haltung das vorrangige Kaufargument ist. Es gibt Marken und wird auch mehr Marken geben, die dies erfüllen. Aber ebenso werden Marken versuchen auf diesen Zug aufzuspringen, die nicht die Kraft besitzen allein damit zu punkten bzw. damit allein keine breite Käuferschicht erreichen können. Sie werden aber vom LOHAS in Sachen Absatz und Zielgruppe profitieren wollen, und dafür Käufer ansprechen, für die Verantwortung zwar relevant, aber nicht kaufentscheidend ist. Und diese Käufer, die sich in ihrem Hedonismus gerne LOHAS-mäßig fühlen wollen, dürften dann eben nur mit Qualitäts- oder Genussargumenten zu erreichen sein.

  4. Matt am 11. Dezember 2007 um 12:42 Uhr

    LOHA scheint mir eine Verschmelzung aus ÖDP, FDP und BurgerKing zu sein.

    “ökohafter Lifestyle mit ranzigem Beigeschmack”

    scheint mir noch zu hoch gegriffen. Schlechter Geschmack mit über-was-modernes-reden-wollen, bevor man in den cremefarbenen TT steigt – scheint mir treffender.

    LOHA – ist Selbstverarsche für Hedonisten. Mit Sustainability hat das nix zu tun. Ist blosses Posing und sollte auch als solches von den etablierten Öko-Veränden bebrandmarkt werden.

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