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Kommentarstreik bei der “SZ”

11. Dezember 2007
von Olaf Kolbrück

Nach dem Urteil der Hamburger Landgerichts, das beim Rechtstreit zwischen Callactive und dem Blogger Stefan Niggemeier für eine Vorab-Kontrolle von Kommentaren in Blogs und Foren plädierte, ist Mutter wohl für den einen und anderen die Vorsicht in der Blogkiste. Vielleicht kommt manch einem nun aber auch nur ganz plötzlich der Qualitätsgedanke intensiver in den Sinn. Wäre ja möglich. Soll es ja geben. So wie bei “Süddeutsche.de”. Der Online-Auftritt des Blattes hat, vielleicht auch mit Blick auf einen geregelten Feierabend der Mitarbeiter, die ohnehin moderierte Kommentarmöglichkeit eingeschränkt. In den Abendstunden und am Wochenende ist Pause. So heißt es nun an die lieben Leser:

In jüngster Zeit mussten wir allerdings feststellen, dass diese zurückhaltende Moderation nicht mehr genügt. Insbesondere nachts und am Wochenende gehen zuweilen Kommentare online, die mit einer sinnvollen Form von Meinungsäußerung nichts mehr zu tun haben. Wir haben uns deshalb entschlossen, in Zukunft stärker moderierend einzugreifen.

Eine solche intensivere Betreuung erfordert die ständige Präsenz aktiver Moderatoren. Deshalb werden wir die Kommentarfunktion ab sofort zwischen 19 Uhr abends und 8 Uhr morgens einfrieren. Das bedeutet, dass in dieser Zeit auf sueddeutsche.de keine Kommentare publiziert werden können. Dieser “Freeze“ gilt auch für die Zeit am Wochenende – zwischen Freitag, 19 Uhr, und Montag, 8 Uhr – sowie für Feiertage.

Die lieben Leser finden das indes nicht in Ordnung. Zumindest etliche Nutzer der SZ-Leser-Lounge Suedcafe treten nun in Streik.

Das tun sie erhoben Hauptes und mit wehenden Fahnen veröffentlichen stattdessen zu den Online-Artikeln erst einmal – und gelegentlichauch häufiger – folgenden Kommentar:

“Dieser Artikel wird nicht kommentiert. Es handelt sich dabei um eine Reaktion der Teilnehmer des suedcafés auf die Beschränkungen der Kommentierungen auf die Zeiten zwischen 8 und 19 Uhr an Werktagen. Das macht ein Kommentieren für viele Teilnehmer gänzlich, für die meisten Teilnehmer weitgehend unmöglich.”

“R.I.P. SZ” zieht der Parteibuch-Blog schon mal ein Fazit
“Ein Meilenstein der Deutschen Internethistorie” ätzt Sprblck.
“Was für eine Bankrotterklärung”, findet Stefan Niggemeier.

Dabei ist die Lösung doch viel einfacher. Mit Blick auf einen möglichen Verkauf spart die “SZ” schon mal an den exorbitanten Personalkosten für moderiernde Hilfskräfte am Wochenende und vergrault obendrein lästige “Untermieter” und “Stubenhocker” aus der SZ-Lounge und kann dem möglichen Käufer so ein aufgehübschtes und besenreines Objekt übergeben.

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Kommentare zu “ Kommentarstreik bei der “SZ” ”

  1. Markus am 11. Dezember 2007 um 11:29 Uhr

    Schön deutsch, vorauseilender Gehorsam!

  2. Miethirn am 11. Dezember 2007 um 11:45 Uhr

    kein forum funktioniert ohne moderation. was soll das geweine? wie, glaubt ihr, entsteht qualität? wohl doch durch qualitätsmassstäbe.

  3. Augenweide am 11. Dezember 2007 um 12:24 Uhr

    Qualität hin oder her, aber vielleicht könnten die Kollegen der Lokalredaktionen aushelfen, die müssen doch eh am Wochenende ran und arbeiten…. Da klappt’s dann auch wieder mit der Moderation.
    Trotzdem finde ich es die falsche Lösung, die Moderation gerade zu den Zeiten, zu denen die gemeinen Arbeitnehmer kommentieren könnten – sprich abends und am Wochenende – abzuschalten bzw. “einzufrieren”. Wo gibt’s denn so etwas, Abschalten, wenn die Nachfrage grad am größten ist! Nicht besonders ökonomisch!

  4. frank am 11. Dezember 2007 um 13:38 Uhr

    juhuu .. mal wieder ein thema von niggemeier abgeschrieben. jetzt ist demnächst aber mal wieder der werbeblogger an der reihe, oder?

  5. Uwe Frers am 12. Dezember 2007 um 11:21 Uhr

    Wir haben das Problem bei Tripsbytips anders gelöst: Beiträge und Kommentare werden immer sofort ohne redaktionelle Prüfung vorläufig freigeschaltet. Bis zur endgültigen redaktionellen Prüfung (was Nachts oder am Wochenende eben länger dauern kann) bekommt der ungeprüfte Beitrag den Zusatzlink “Missbrauch melden”. Sobald wer auch immer diesen Link klickt, wird der Beitrag bis zur endgültigen Prüfung sofort gesperrt, also offline genommen. Ein einfaches System, bei dem die Überwachungsfunktion in Echtzeit von der Community übernommen wird.

  6. Gilbert am 12. Dezember 2007 um 13:48 Uhr

    Wie schrieb Bernd Graff letzte Woche in seinem SZ-Artikel über das “Web 0.0″? “Diese Diskutanten des Netzes sind der Diskurstod, getrieben von der Lust an Entrüstung.” (SZ, 7.12.2007 – http://www.sueddeutsche.de/com.....11/146869/ ).

    Nur folgerichtig, dass die Online-Redaktion der SZ jetzt die Konsequenz aus diesen wegweisenden Erkenntnissen zieht: Sueddeutsche.de goes Web 0.0!

  7. uknaus am 12. Dezember 2007 um 14:44 Uhr

    Das Urteil stimmt schon nachdenklich. Gerade auch für Blog-Neulinge wie das Daimler-Blog. Bei uns werden Kommentare nach einmaliger E-Mail Verifizierung automatisch frei geschaltet und wenn überhaupt, dann im Nachhinein moderiert (kam bisher allerdings nur zwei Mal vor). Die Wochenenden oder auch die Zeit über Weihnachten/Neujahr sind somit für die Verantwortlichen nicht ganz so entspannend :-(

  8. Hanno am 12. Dezember 2007 um 18:52 Uhr
  9. Ralf am 29. Mai 2008 um 14:20 Uhr

    Die Frage nach den Sinn und Zweck ist hier entscheident.

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