Spießer Alfons: kreatiefe Weihnacht
Alle Jahre wieder kommt das Christuskind. Und mit ihm der Heilige Kommerzius, sprich Weihnachtsmann, der das Fest der Liebe zum Festival der Geschenke macht.
Und weil viele Menschen gar nicht mehr wissen, was „Weihnacht“ überhaupt bedeutet, deshalb erläutert das Einkaufszentrum Mercado, Hamburg, in Wort und Bild: Weihnacht kommt von Geweih, weshalb man denn auch eine „Fröhliche Geweihnacht“ wünscht — siehe die Abbildung! 
Oh heilige Einfalt!
Ja, immer originell, die Reklameartisten von Mercado, immer von überschäumender Witzigkeit befallen! Offensichtlich haben sie bei ihrem Tun und Werbungtreiben zu viel Jägermeister gebechert. Warum also nüchtern denken, wenn es auch besoffen geht! Ganz normal eine „Fröhliche Weihnacht“ wünschen, das macht schließlich jeder Tante-Emma-Laden.
Weihnachten ist das Fest der Liebe. Und von der Liebe gibt es bekanntlich verschiedene Arten. Zum Beispiel die sinnliche Liebe. Ebenso die geistig-seelische, die wir von Herrn Platon kennen. Und natürlich auch die Liebe, die mit Sex einhergeht und sich auf Triebe reimt. Womit wir auch schon bei Beate Uhse sind.
Der Erotikladen zeigt einen „Snow Angel“ und propagiert „Geschenk-Ideen zum Fest der Liebe“. Da ahnen wir natürlich schon, welche Liebe hier in den Verkehr gezogen werden soll. Ob solches „Fest der Liebe“ auch aus christlicher Sicht standhält oder allein aus sexueller — nun, das beantwortet jeder für sich selbst mit dem, was er in seinen Einkaufskorb legt.
Denn bei Beate Uhse gibt es bekanntlich auch diverse Artikel, die der Eigenliebe dienen, also der Liebe an und für sich. Und die ist unchristlich.
Und nun das Highlight zur Weihnachtszeit! WMF zeigt ein kleines Mädchen, das neben dem Weihnachtsbaum steht. Wohlgemerkt: neben dem Weihnachtsbaum! Das Kind guckt durchs Schlüsselloch.
Warum? Weil: „Zur Weihnachtszeit machen Sie die schönsten Entdeckungen“ — siehe die Abbildung!
Das weckt natürlich Neugier. So will man wissen: Warum ist „Sie“ hier großgeschrieben …? Und: Was macht das kleine Mädchen für Entdeckungen? Schaut es womöglich ins Schlafzimmer der Eltern, die gerade vom Shoppen bei Beate Uhse heimgekehrt sind? Oder guckt die Kleine bloß durchs Schlüsselloch der Toilette …?
Wer weiterblättert, der sieht auf vielen Seiten, um was es geht: Um das gesamte Repertoire von WMF, also Messer, Gabel, Geschirr und Bratpfanne. Und all diese schönen Geschenke werden mit kleinen Kindern unterm Weihnachtsbaum zelebriert. Text: „Das Schönste am Weihnachtsbaum sind die Geschenke darunter“, nämlich drei Kochtöpfe. Und eine Kaffeemaschine, die „so schick“ ist, „da möchte man am liebsten schon groß sein“ — siehe die Abbildung!
Wenn Ihr den Spießer fragt: Das ist Kindesmissbrauch zu kommerziellen Zwecken.




















Bevor man Kinder missbraucht, dann doch lieber einfältig kindisch
Über das Geweih musst ich recht grinsen.
Was mir aber nicht gefällt, ist das Pseudogeschmuse mit dem falschen Schmalztenor, dem weihnachtlichen gefühlvollen verblödeten Phrasengeklopfe mit Reizwasche und Kochtöpfen unterm Baum (gehts noch, böser Rückfall in die 50er, wo Muttern sich noch zu freuen hatte, dass sie endgültig auf KKK- Kinder Kirche Küche reduziert wird, ähm, hab Betthäschen-Spielchen mit Muttern vergessen….). Sowas nervt Frau und Mann an Weihnachten 2007 wirklich.
Klares Votum für das Rentier.
[Aus dem Nähkästchen: Um ehrlich zu sein, es ist sauschwer, für einen wie WMF etwas Weihnachtliches zu kreiren, das kreativen intellektuellen Ansprüchen genügt. Ich kenne die Zielgruppe, weil ich für WMF tätig war. Es war ein echtes Kreuz, bitte jeder Kreative nur eines.]
Immer diese blöden Stock-Fallen
http://www.amazon.de/gp/produc.....amp;sr=8-1
Was Du so liest
Nee, nee, Einspruch! Bin nur vorhin im Buchladen drüber gestolpert und dachte mir, dass ich das Bild doch schonmal irgendwo gesehen habe. So war das und nicht anders