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StudiVZ verkauft seine Nutzer (Update)

14. Dezember 2007
von Olaf Kolbrück

Das wichtigste in einer Community ist das Vertrauen der Nutzer. StudiVZ ist drauf und dran dieses Kapital zu verspielen, in dem es seine Mitglieder ans Marketing verkauft. Eine Änderung der AGB machts möglich.

Errinnert sich noch jemand an die Protestwelle als Facebook sein Werbemodell Beacon installierte und eine etwas laxe Einstellung zum Datenschutz offenbarte? In Berlin offenbar nicht. Denn nun will StudiVZ die persönlichen Daten seiner 4 Millionen Nutzer gleich in einen großen Sack packen und zu Geld machen.

In den neuen, von den Gründern Michael Brehm und Dennis Bemmann studivz.jpgerklärten AGB, denen die Nutzer bis zum 9. Januar zustimmen müssen, um nicht ausgesperrt zu werden, heißt es:

“Zudem erkläre ich mich einverstanden, dass StudiVZ meine personenbezogenen Daten nutzt, um mir Marketing-Mitteilungen unter Verwendung elektronischer Post zuzusenden (z.B. zum Versand von E-Mails an die von mir für die Nutzung des StudiVZ-Netzwerkes verwendete E-Mail-Adresse, SMS-Werbung an die von mir hinterlegte Mobilfunk-Rufnummer sowie von Nachrichten mit werbendem Charakter über den Nachrichtendienst von studiVZ oder einen von mir angegebenen Instant-Messenger).”

Und:

“Ich willige ein, dass StudiVZ Bestandsdaten und/oder Nutzungsdaten von mir an Dritte weitergibt, wenn und soweit die Übermittlung der Daten aufgrund gesetzlicher Vorschriften und/oder infolge von Gerichtsentscheidungen zulässig ist.”

Manch einem graust es da bereits. Denn es ist quasi wirkt wie ein Freibrief, um mit den Daten hausieren zu gehen. “Individuelle Werbung” verspricht StudiVZ seinen Mitgliedern. Schließlich sollen Nutzer bekanntermaßen auch einen Vorteil davon haben, wenn sie gemolken werden. Das ist indes ein bisschen wenig dafür, dass StudiVZ allen, die es möchten, einen Blick unter die Bettdecke seiner Nutzer erlaubt und diese sich noch dazu für Werbung über alle elektronischen Kanäle öffnen. Befürchten kann man also ebenso individuelle Belästigung auf breiter Front. Schließlich sind StudiVZler mit der Angabe ihrer Daten im Profil nicht kleinlich: Musik, Hobby, Studium, Interessen, Adressen, Freunde, undundund.

Im Zweifel ist das obendrein ein Freibrief mit jahrezehntelanger Gültigkeit. Denn Datensätze von Nutzern, die ihre Mitgliedschaft bislang ins digitale Nirvana schickten, wurden bisher vollständig gelöscht. Nun aber sollen diese Daten nur für StudiVZler nicht mehr einsehbar sein. Im Klartext: StudiVZ selbst könnte diese Daten kapitalisieren solange es sich lohnt.

Gegen zielgerichtete Werbung ist auch grundsätzlich nichts zu sagen. Die Frage ist aber, ob die Sammelwurt von StudiVZ dafür wirklich nötig ist. Es wäre ein Irrtum zu glauben, dass “personenbezogene Daten” zwingend erforderlich sind. Im Zweifel, und für die Mehrzahl der Marken dürften nämlich statistische Näherungswerte mehr als ausreichen um relevante Werbebotschaften zu übermitteln. Stephan Noller, Vorstand beim Targeting-Dienstleister Nugg.ad hat es jüngst im Horizont-Interview klar formuliert: “Personenprofile benötigt Onlinewerbung überhaupt nicht.”

Die Vermutung liegt also nahe, dass es StudiVZ nicht nur um angepasste Online-Werbung geht, sondern vor allem darum, Adressen und Daten zu verhökern. “Ein Millionengeschäft” nennt es die “Welt”. Siehe Nachtrag 13.30 Uhr

Manch einer hat seinen Account denn auch bereits gelöscht.

Nachtrag 11.42 Uhr: Gegenüber Spiegel-Online schließt StudiVZ-Sprecher Dirk Hensen den Verkauf aus: “Es stimmt nicht, dass wir persönliche Daten verkaufen.” Also keine Weitergabe der Profildaten, keine optionale Freigabe der Nutzerprofile an Dritte. Ja, was denn nun? Denkt dran es geht um Vertrauen, nicht um juristische Feinheiten.

Nachtrag 13.30 Uhr: Inzwischen hat StudiVZ gemerkt, dass die neuen AGB zumindest misstverständlich interpretiert werden können und bemüht sich in einer Pressemitteilung um Klarstellung jenseits juristischer Feinheiten:

“studiVZ verkauft keine Nutzerdaten seiner Mitglieder an Dritte. Dies wird sich auch durch die Einführung der neuen AGB und Datenschutzregelungen nicht ändern. Anders lautende Behauptungen, die seit heute in einigen Medien kursieren, sind falsch. …

“Richtig ist, dass wir mit den neuen AGB und Datenschutzregelungen Targeting auf studiVZ einführen, wie es auf den meisten führenden werbefinanzierten Websites bereits zum Standard gehört. … Werbungtreibende können in Zukunft Merkmale auswählen wie Alter, Geschlecht, Wohnort/Uni-Standort und Studienfachrichtung und ihre Werbung auf studiVZ gemäß dieser Kriterien steuern. Für die Mitglieder bedeutet dies, dass sie relevantere Werbeeinblendungen bekommen: Zum Beispiel wird weiblichen studiVZ Mitgliedern zukünftig keine Werbung für Männerrasierkosmetik präsentiert werden. … Vollständig falsch ist die Behauptung, dass wir Nutzerdaten an Dritte verkaufen werden. Dies hat studiVZ weder in der Vergangenheit getan noch werden wir es mit den neuen AGB und Datenschutzregelungen in Zukunft tun.”

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Kommentare zu “ StudiVZ verkauft seine Nutzer (Update) ”

  1. K. Feh am 14. Dezember 2007 um 11:45 Uhr

    Whoa. Schnell mal alle relevanten Daten von mir rausgenommen. Oder ist das bereits zu spät?

    Entlarvend sind ja auch die FAQs diesbezüglich. Albernes Geschwafel um das zu verbergen, was letztlich doch die Runde macht. Wie war das nochmal mit Vertrauen?

  2. Beginner am 14. Dezember 2007 um 12:05 Uhr

    Gott, ich fürchte, dass wird die meisten trotzdem nicht davon abhalten, neben ihren 15 Fotoalben auch weiterhin ihre Handynummer, Skype, ICQ und Email anzugeben. Jahrmarkt der Eitelkeiten…

  3. RitaSport am 14. Dezember 2007 um 12:25 Uhr

    Ich habe die Mail von StudiVZ zu dem Thema gestern bekommen und mir ist auch ein wenig die Lust vergangen. Dummerweise ist StudiVZ eben der Kanal, über den ich am regelmäßigsten mit den Freunden kommuniziere, die ich nicht sowieso regelmäßig sehe und ich werde es aus diesem Grund auch nicht kündigen.

    Meine Konsequenz ist aber, daß ich nachher alle relevanten Daten wie Adresse und Telefonnummer herausnehmen werde und eine meine Spam-Email Adresse angeben werde. Dann bekomme ich eben keine Benachrichtigungen mehr wenn mir jemand über StudiVZ schreibt, aber was solls, schaue sowieso regelmäßig rein.

    Ich werde entsprechende Maßnahmen auch meinen Freunden empfehlen, die von dem Wirbel nicht so vielmitbekommen.

  4. Max am 14. Dezember 2007 um 15:41 Uhr

    Tja, wer so viele Millionen für einen Studententreff ausgibt, möchte sie sich eben auch wiederholen und sind wir ehrlich, auch noch einen dicken Batzen oben drauf dazu verdienen.

  5. Joewe am 14. Dezember 2007 um 21:38 Uhr

    Tja, RitaSport und K. Feh,

    das läßt sich ganz schnell und einfach aus den Backups wieder beschaffen…

    und das nicht nur bei StudiVZ, auch bei Xing und Konsorten – und es gibt derlei zuhauf!

    Also: erst gucken, dann ausprobieren, dann erst persönliche Daten herausgeben!

  6. Gilbert am 14. Dezember 2007 um 22:58 Uhr

    Ich durfte vor ein paar Wochen auf einem Internet-Kongress dem Vortrag einer Vertreterin von StudiVZ lauschen – und schon damals konnte es einem mulmig werden.

    Selbst unter den dort mehrheitlich anwesenden Internet-Marketing-Professionals kam angesichts der dort fast schon aggressiv vorgetragenen Werbemöglichkeiten auf “vielen Millionen Nutzerprofilen” Unmut auf: Denn obwohl die StudiVZ-Sprecherin immer wieder beteuerte, man würde keine persönlichen Daten der registrierten Nutzer für Werbezwecke verwenden oder weiterreichen, so war doch der Zweifel angesichts groß. Nur folgerichtig, dass so langsam auch die AGBs in diese Richtung geöffnet werden.

  7. RitaSport am 17. Dezember 2007 um 10:27 Uhr

    Kennt sich hier jemand mit der rechtlichen Situation aus?

    Ich habe inzwischen alle Daten herausgelöscht und eine Spam E-Mail Adresse angegeben. Wenn ich dann im Januar der neuen Datenschutzerklärung zustimme, so gilt diese Zustimmung doch ausschließlich für die aktuell angegebenen Daten und nicht für die, die ich inzwischen gelöscht habe, oder?

    Also ich zweifle nicht daran, daß die meine gelöschten Daten noch gespeichert haben und auch verwenden werden, ich würde nur gerne wissen, ob sie rechtlich durch die neue Erklärung auch dazu berechtigt sind.

  8. Matt am 17. Dezember 2007 um 17:38 Uhr

    Name geändert, email geändert, Geburtsort rausgenommen, Geburtsjahr rausgenommen, Foto verfremdet, Uni-Angabe gewechselt
    und einen Wiki-link zu “1984″ auf die Profilseite gestellt.

    …täten das alle, wäre es ein Lacher und das Ende jeglichen “Targetings”

  9. Icke am 19. Dezember 2007 um 11:15 Uhr

    “Daten verkaufen” ungleich “Daten verleihen”…

  10. vanculo am 21. Dezember 2007 um 01:21 Uhr

    Ich finde es unglaublich, was sich StudiVZ leistet. Quasi ein Freibrief zum Daten verkaufen. Sie sagen sie tun es nicht, aber laut AGBs können sie es. Das ist als ob man sagt “ich dreh mich mal 10 Minuten im, aber bitte klaut nichts”. Lächerlich…

  11. Mister Mißtrau am 28. Dezember 2007 um 15:15 Uhr

    als wenn es jetzt noch was bringen würde im Nachhinein Nutzerdaten zu verändern.
    Das ist doch mit Sicherheit seit der Anmeldung gespeichert.

  12. Christian am 2. Januar 2008 um 16:38 Uhr

    Es ist doch immer wieder verwunderlich, dass es immer noch leute gibt , die brav jedes Feldchen wahrheitsgemäß ausfüllen… Wie * muss man sein, seine Telefonnummer etc zu hinterlassen? Da kann ich nur sagen selbst schuld.

Trackbacks

  • [...] Wenn das eintritt… 14. Dezember 2007 …zum 9. Januar 2008, verspielen sie auch ihren allerletzten Kredit. Ein Ärgernis weniger. Sind die so doof oder ist das Absicht? Und jetzt alle gebetbuch für Social [...]

    StudiVZ: Wenn das eintritt… « Sprechblase — 14. Dezember 2007 @ 11:52 Uhr
  • [...] Ads and personal data: new TOS for StudiVZ] / basic thinking, blogbar, e-commerce-blog, kooptech, off the record, netzpolitik, nitchimoo and many more Company Index: StudiVZ, Holtzbrinck Ventures [...]

    blognation Germany » Blog Archive » Ads Ahead - StudiVZ Changes TOS — 14. Dezember 2007 @ 17:57 Uhr
  • StudiVZ mit neuen AGB... Das Studentennetzwerk hat eine E-Mail mit neue AGB verschickt. Wer im Zeitraum vom 20. Dezember bis zum 9. Januar diesen Geschäftsbedingungen nicht zustimmt, kann die Community nicht mehr nutzen. Schauen wir uns die AGB also mal etwas genauer an...

    mmyNews — 14. Dezember 2007 @ 18:20 Uhr
ivw