Spießer Alfons: Eine Quittung für die Spender
Wenn das Jahr sich seinem Ende neigt, dann neigt auch der Mensch, und zwar dazu, anderen Menschen etwas zu schenken. Schließlich ist sie angesagt, die Gaben bringende Weihnachtszeit. Und während der eine sich am süßen Klingen der Glocken erfreut, berauscht sich der andere am Klingeln der Ladenkasse. Und Geschäftspartner informieren sich auf einer Weihnachtskarte darüber, dass sie zum Weihnachtsfest eine Spende gemacht hab
en für einen guten Zweck. Das ist edel, hilfreich und gemeinnützig. So weit, so gut.
Warum aber, so fragt sich der Spießer alle Jahre wieder, warum teilen die Firmen ihren Kunden mit, dass sie gespendet haben? Alfons spendet doch auch an die eine und andere soziale Organisation — und das nicht nur speziell zur Weihnachtszeit — ohne dass er andere Leute, mit denen er beruflich zu tun hat, per Drucksache darüber informiert.
Ach ja, Alfons vergaß zu erwähnen, dass auf den Weihnachtskarten der Spender sinngemäß folgender Hinweis steht: »Auch in diesem Jahr haben wir auf Weihnachtsgeschenke für unsere Kunden verzichtet. Wir sind sicher, dass Sie Verständnis dafür zeigen, dass wir den Betrag gespendet haben für die Aktion — Tue-Gutes-und-rede-darüber!«
Und der Empfänger der Karte liest die Spendenbotschaft und denkt sich was dabei. Zum Beispiel: Warum hat die Firma Ypsilon denn wohl das Geld für mein Weihnachtsgeschenk gespendet? Hätten die Leute nicht das Geld für ihr eigenes Weihnachtsgeschenk spenden können?! Wenn Alfons spendet, dann tut er das doch auch mit seinem eigenen Geld und nicht mit Firmengeld, das er eigentlich eingeplant hatte für Geschenke an seine Geschäftsfreunde und Kunden, um denen dann mitzuteilen, dass sie leer ausgehen, weil andere es nötiger haben als sie.
Spenden sind Spenden. Und Geschenke sind Geschenke. Oder kurz gesagt: Brot für die Welt und Böller fürs Geld. Oder wie würden die Unternehmer gucken, wenn deren Kunden ein Kärtchen schickten mit dem Hinweis: »Im kommenden Jahr werden wir bei Ihnen nur noch das Allernotwendigste an Waren kaufen und den Rest direkt aus armen Ländern der Dritten Welt beziehen, um denen zu helfen, die im Gegensatz zu Ihnen dringend der Hilfe bedürfen. Wir hoffen, dass Sie dafür Verständnis haben. Das auf diese Weise gesparte Geld spenden wir dem gemeinnützigen Verein für in Not geratene Unternehmer. Fröhliche Weihnachten!« …? Und was würden Agenturchefs sagen, wenn ihre Kunden erklären: “Wir werden in Zukunft unsere Werbung im eigenen Hause gestalten und das gesparte Geld an Brot für die Welt schicken!”…?
Die Alternative: Wir denken wirklich christlich. Und sagen uns: Schluss mit den Konsumbergen zum Fest der Geburt Christi! Lassen wir fortan die Waren in den Läden liegen und spenden unser Weihnachtsgeld für Menschen, die es nötiger brauchen als wir! Dann haben wir ein gutes Gewissen, singen »Stille Nacht, heilige Nacht« und gedenken der Geburt des Herrn in aller Bescheidenheit, so, wie wir es vernommen haben aus dem Stall von Bethlehem.
Wenn das dann alle so machen würden, dann wären die Kirchen voll; und die Klingelbeutel würden fröhlicher klingeln als die Ladenkassen. Das Weihnachtsgeschäft der Firmen würde zusammenfallen wie ein Soufflé beim Knall eines Sylvesterböllers. Und bald schon würde der eine oder andere Firmenchef passives Mitglied werden im Verein für in Not geratene Unternehmer.
Da die meisten von Euch als Arbeitnehmer jedoch mehr oder weniger in Firmen beschäftigt sind, die das betrifft, würde es auch Euren Arbeitsplatz betreffen. Demzufolge dürfte es dann bald Essig sein mit Weihnachtsgeld und Spenden, weil Ihr ja die Not mit Eurem armen Arbeitgeber teilen müsst. Womit Ihr dann am Ende ebenfalls zu den Spendenbedürftigen zählen werdet.
Wie schrieb doch schon der berühmteste Dichter aller Zeiten, nämlich Dichter Nebel, in seinem Spendenaufruf, den er betitelt hat: »Spenden ohne Quittung«? Er schrieb die Worte:
»Spende Geld und spende Gut! / Spende Beifall, spende Blut! / Spende Futter für die Tiere, / spende Samen, deine Niere! / Aber denke dran, Du Spender: / Spende nicht nur nach Kalender! / Und wer von Herzen spenden will, / der spende selbstlos, gern und … s t i l l !«
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Eine Fantastische Geschichte über das wahre Leben. Ich persönlich Spende niemals Geld, jedoch meinen Verstand und meinen Körper. Lieber helfe ich wo es von nöten ist persönlich und bekomme dafür wenigstens ehrliche Worte des Dankes.