Spießer Alfons: Gedanken, Fragen und Wünsche zum Jahreswechsel
Bevor das letzte Blatt des Kalenders sich wendet (hoffentlich zum Guten!), fasst der Mensch seine persönlichen Vorsätze für das neue Jahr.
In aller Regel sind sie gut, diese Vorsätze. Wie zum Beispiel die löbliche Absicht, mit dem Rauchen aufzuhören. Und wenigstens einmal pro Woche ein Fitnessstudio von innen zu sehen. Oder öfter die Waage zu betreten und bewusster zu essen, genauso, wie das Auto häufiger mal unterm Carport stehen zu lassen und stattdessen das Fahrrad zu besteigen. Und … und … und … Ihr wisst ja selber!
Alfons möchte im neuen Jahr nicht nur ein paar Kilos loswerden, sondern auch ein paar Wünsche. Wünsche des Spießers an die Nation, die zur — Achtung, Pleonasmus! — guten Besserung führen sollen! Das spießige Aufbegehren richtet sich nicht nur gegen den Normalbürger, sondern auch an die Insassen der Medienbetriebe, an Politiker und andere Showstars in diesem unserem Lande.
Vernehmet die Worte des Spießers und also lautend:
Früher einmal, da nannte man Deutschland das Land der Dichter und Denker. Heute ist von diesem Nimbus kaum noch eine Spur zu erkennen. Statt Dichter und Denker sind wir schlichter und kränker. Was nicht zuletzt abzusehen ist aus vielen Fernsehsendungen, wo Zoten für Quoten bei Idioten sorgen, die vor der Mattscheibe sitzen, Dschungelcamp glotzen, Chips in sich reinstopfen und mit Bier nachspülen. An anderer Stelle tritt ein gewisser Dieter Bohlen auf mit sexistischen und beleidigenden Sprüchen, und niemand schmeißt ihn raus, den Zotenreißer Quotenbringer. Und Bohlens abgelegte Frauen, die vorher nix waren, werden nach dem Verlassen des gemeinsamen Bettes zu TV-Stars und moderieren eigene TV-Sendungen. Das muss man sich mal reinziehen!
Die Medienwelt huldigt seit Jahren einem Harald Schmidt. Der ist Schauspieler. Und ein Schauspieler spielt Rollen und spricht Worte, die ein Autor zuvor aufgeschrieben hat. Harald Schmidt hat ein Dutzend solcher Autoren (sprich: Ghostwriter) gehabt für seine Late-Night-Show. Obwohl Journalisten das wissen, wird der Mime von der Presse hochgejubelt wegen seiner Worte, seines Intellekts. Frage: Würde Spießer Alfons hier im Blog kluge Worte von Goethe, Nietzsche, Schopenhauer und Oscar Wilde zitieren — würden dann auch alle schreiben, wie gescheit der Spießer ist und ihm einen Grimme-Preis verleihen…?
Nun, inzwischen scheint Harald Schmidt von allen guten Geistern Autoren verlassen zu sein. Wenn er aus seiner Late Night heraus ins helle Rampenlicht tritt, live und spontan agieren soll, dann kommen da sehr viel weniger Witz und Geist ans Tageslicht. Und wenn das so weiter geht, dann bleibt Harald Schmidt als Schauspieler am Ende bloß noch eine Rolle: Legende seiner selbst.
Auf der Bühne in vollbesetzten Hallen steht ein hoch mit Preisen dekorierter Typ, der den Namen Mario Barth trägt. Dieser junge Mann ist in Sachen Comedy das, was Daniel Küblböck in der Musik darstellt. Und Spießer Alfons hofft, dass die Leute endlich aufwachen und Barth dann nur noch im Vorprogramm von Küblböck zu sehen ist!
Wenn ein Mensch auf der Bühne zum Vollplayback singt mit einer Stimme, die gar nicht seine eigene ist, dann gibt es Buh-Rufe, sobald der Schmu aufgedeckt wird. Und die Leute verlangen ihr Geld zurück. Wenn aber ein Mensch ein Buch schreibt veröffentlicht unter seinem Namen, das in Wahrheit ein anderer Autor geschrieben hat — was passiert dann…?
Als Superstar in der Kunstszene wird ein Mann mit Namen Jonathan Meese hochgejubelt. Alfons hat seine Meinung über diesen Schmierfink Bildermacher an anderer Stelle kundgetan. Und der Spießer hofft, dass im neuen Jahr ein paar Redakteure in den Feuilletons ein bisschen Mut zeigen und schreiben: „Nun ist aber genug, Jonathan! Pack Deine Malsachen wieder ein und bleib in der Wohnstube bei Deiner Mama in Ahrensburg! Dort kannst Du gern die Wände der Toilette voll schmieren!“
Michael Schumacher fährt nicht mehr im Kreis, ist schon in jungen Jahren zum Arbeitslosen zur Ikone geworden. Notabene: Der Mann lebt und zahlt Steuern in der Schweiz, hat also mit Deutschland, wo er zuvor seine Ausbildung und die sozialen Leistungen genossen hat, nichts am Hut. Sein Lebenswerk: Schumacher ist als lebende Lifaßsäule für einen italienischen Konzern gegen die Interessen der deutschen Automobilwirtschaft im Kreisverkehr vieler Länder herumgefahren. Hätte er dabei kein gutes Auto gehabt, wäre er wohl auch seltener Weltmeister geworden. Warum die Medien hierzulande „Unser Schumi!“ geschrieben und ihn zu einem deutschen Vorbild stilisiert haben („Du bist Deutschland!“), das wird Spießer Alfons bis zum Ende seiner Tage nicht begreifen. Jeder Arbeiter, der in Deutschland lebt, arbeitet und Steuern zahlt, tut mehr für sein Land als der Steuerflüchtling Schumacher, der vermutlich nur deshalb so schnell gefahren ist, weil er sich vom deutschen Fiskus verfolgt gefühlt hat.
Und noch ein paar spießige Fragen zum Nachdenken:
Warum bekommen gescheiterte Manager den goldenen Handschlag — sprich: Millionen-Abfindungen — obwohl sie einen Schlamassel hinter sich gelassen haben, den andere beseitigen müssen…?
Warum sollen alle Menschen länger als mit 65 Jahren arbeiten, obwohl die meisten schon mit 60 kaum noch Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben…?
Warum dürfen Politiker mit Reden glänzen, die sie gar nicht geschrieben, sondern bloß vorgelesen haben…?
Wenn an einer Tankstelle statt Benzin nur Wasser aus dem Zapfhahn fließt, werden die Kunden das nicht klaglos hinnehmen. Warum dürfen dagegen in Apotheken immer noch ungestraft Medikamente verkauft werden, die nachweislich so wirkungsvoll gegen die angezeigten Beschwerden sind wie Armut gegen Hunger…?
Warum bezieht immer noch jemand seine Energie von E.on, obwohl der Konzern mit E-wie-Einfach deutlich gemacht hat, dass E.on mit seinen Preisen abkocht drüber liegt…?
Warum dürfen in Deutschland unverändert Häuser gebaut werden, ohne Solarzellen auf den Dächern…?![]()
Warum gibt es in unseren Städten immer noch Graffiti-Schmierereien …?
Eine Rose blüht und sticht wie eine Diestel — warum wird die eine gepflückt, die andere gejätet…?
Und warum gehen Menschen, wenn sie Popcorn essen wollen, ausgerechnet ins Kino…?
Sachdienliche Antworten dürft Ihr gern in Euren Kommentaren geben, und zwar hier:













Und warum macht der Spießer Werbung für Coca-Cola? Ist er gar die Frau Kiewel von Horizont?
In diesem Sinne: Enjoy 2008!
Lieber Koenich Johann -
das siehst Du aber völlig falsch! Ich mache Werbung für Mel Ramos. Und weil das ein Künstler ist, darf man das
Und dann mache ich noch Product Placement. Denn in dem Sektglas, da ist Sprite drin *grins* Dafür bekomme ich von Coca-Cola 30.000 Euro. Und sollte ich deswegen hier aus dem Blog fliegen, dann wissen nun alle, warum. Und wenn ich die freie Wahl hätte zwischen 30.000 Euro und den 30.000 Lesern hier bei off-the-record.de, dann würde ich mich auf jeden Fall für die 30.000 entscheiden
!