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Von der Blog-Monade zur Text-Kolchose

3. Januar 2008
von

Deutsche Blogger laufen immer Gefahr ein wenig trübsinnig zu werden, wenn sie auf US-Blogs wie Huffington Post schielen. Zumindest, wenn sie Wert auf große Anteilnahme, Awareness, Reichweite und Relevanz jenseits eines mehr oder weniger eng definierten Fachpublikums legen, und sich nicht fröhlich damit begnügen wollen, ähnlich viele wohlfeile Leser zu erreichen wie manch ein Klagenfurt-Aspirant.
Denn US-Blogs wie die Huffington Post treiben die Professionalisierung voran, sind längst als wichtiges Medium akzeptiert, wirken noch dazu finanziell attraktiv und liefern Content in Umfang von Sonntagzeitungen. Indes stemmt dabei in der Regel ein Kollektiv den Inhalt, vielfach ergänzt um prominente Autoren.

Hierzulande ist der Blogger weiterhin eher Einzelkämpfer und wenn er heutzutage nicht den Ausstoß eines Literaturfabrikanten wie weiland der wohlbeleibte Alexandre Dumas schafft, weit von den Spähren der US-Blogs entfernt. Allerdings gibt es Anzeichen, dass sich der bloggende Solipsist aus seinem monadenhaften Dasein herausschälen könnte und die Lust am kollektiven Mehrwert entdeckt.

Bislang versammeln in Deutschland vor allem der neuerdings Magazin-ig daherhommende Spreeblick und Riesenmaschine eine breitere Autorenschaft und offerieren ansatzweise so etwas eine thematische WundertĂĽte. Bestenfalls in einer Reihe von Fachblogs hat das Modell der literarischen Kolchose bislang vorsichtige Nachahmer gefunden. Es fehlt indes an bloggenden Online-Magazinen, die Autoren und Themen konstant auf breiter Front unter einem Dach (und nicht nur als freischwebenden Verbund von Themen-Blogs), unter einer Marke versammeln und die auch weiterhin eine inhaltliche Tiefe herstellen.

Das Interesse an solcherlei organisierter Textschmiede liegt auf der Hand: Der Einzelkämpfer scheint seine publizistische Fallhöhe erreicht zu haben. Soll das Schulterklopfen eines schwer fassbaren Volumenmarktes hinzukommen, drängt sich der Musketier-Dumas förmlich auf: Tous pour un, un pour tous.

Cem Basman und Robert Basic haben denn auch nun mit dem Verweis auf die Blogzeitung The Issue den Gedanken eines Blogaggregators in den digitalen Ring geworfen. Prompt erinnert man sich an die Readers Edition, die sich nicht gerade als Vorzeigeobjekt für Wirtschaftlichkeit und Akzeptanz aufdrängt.
Robert Basic, der auch mutig frühreife Gedanken präsentiert, offeriert unterdessen schon mal die Idee eines Blog-Daches unter seiner Marke Basicthinking. Thematisch kunterbunt und nach fast allen Seiten offen.

Die Frage muss -jeseits des Basic-Projekts- aber erlaubt sein, ob ein Blog-Magazin dann noch bloggisch ist oder lediglich eine Ansammlung von Texten entsteht, eine Online-Publikation, die eben zufällig eine Blogsoftware nutzt?

Doch warum soll aus dem Einzeller nicht ein Vielzeller werden? Entscheidend dürfte — gerade auch mit Blick auf die Differenzierung von den etablierten Medien — vor allem sein, ein Kernelement des Bloggens beizubehalten: Eben persönlich akzentuierte Texte, Lust an der Meinung, der Wille zur Subjektivität. Robert Basic hat es — auch als Voraussetzung für die die Teilnahme an seinem Projekt treffend formuliert: „Volles Herzblut oder gar keins“.

Alles andere wäre wohl Zeitung oder meinetwegen auch Journalismus, schlimmstenfalls ein weiteres Textportal, das keiner braucht. Ein lahmer Aufguss des Bekannten und das weckt selbst gegenüber der Huffington Post den Argwohn, dass sie bald aussehen und sich auch so lesen könnte wie eine normale Online-Zeitung.

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Kommentare zu “ Von der Blog-Monade zur Text-Kolchose ”

  1. Florian am 3. Januar 2008 um 17:28 Uhr

    Die Huffington Post ist doch längst nichts mehr, was man als “Blog” bezeichnen könnte. Und professionell erfolgreich sind insofern doch auch in den USA eher die themenspezifischen Blogs (mal abgesehen von denen, die schon immer da waren und deshalb oben schwimmen) – soll man da wirklich den Versuch wagen, ein ganzes Magazin aufzubauen? Der Hinweis auf die Readers Edition ist da schon richtig.

  2. Markus am 3. Januar 2008 um 17:33 Uhr

    Hallo Olaf,
    gutes Neues!
    Du und der Spiesser seid doch schon Zweizeller, das ist doch schon einmal ein Anfang und ausbaufähig :-)
    Aber im Ernst, jenseits der Frage wer das bloggt ist ja die Frage nach der Strategie für solch ein Produkt und wie die Refinanzierung aussehen soll. Nur wenn es hier Vorteile gegenüber dem Einzeldasein (z.B. einer kritischen Reichweiten) geben würde, macht das für mich Sinn. Google als hauptsächliche Refinanzierungsquelle und Distributor der Inhalte hat ja gerade die Voraussetzung für den Einzeller geschaffen.

ivw