Xing: Das Kreuz mit der Werbung
Update 6.1.2008, 19.30 Uhr: Xing verzichtet nun auf Werbung auf den Premium-Profilseiten. Mehr dazu hier im Blog.
So hatte sich das Lars Hinrichs sicher nicht vorgestellt, als er Ende 2007 mit dem ihm eigenen Optimismus das neue Erlösmodell für Xing präsentierte. Werbung auf den Profilen der Nutzer. Denn nun sitzen Teile der Xing-Community vor dem Rechner und nehmen übel.
Werbung wird dabei seit Jahresbeginn auch auf den Profilseiten der zahlender Mitglieder geschaltet. Die Premium-Mitglieder bekommen die Werbung aber nicht zu sehen. Stattdessen werden die Einblendungen nur für den Nicht-Zahler angezeigt.
Die Folge ist eine Welle der Entrüstung und eine ausufernde Debatte in einer Reihe von Xing-Foren und bittere Kommentare und Absagen an diese Art der Vermarktung in etlichen Blogs. Die – womöglich börsenkursrelevante – Empörung macht vor allem eines deutlich: Werbung in Communities verlangt deutlich mehr Fingerspitzengefühl als eine handelsübliche Bannerschaltung bei einem Online-Portal. Eben dieses Feingefühl fehlt aber, wenn auf der digitalen Visitenkarte eines Angestellten der Deutschen Bank Werbung für ein Konkurrenzunternehmen erscheint.
Logisch, dass Nutzer derartige werbliche Missgriffe, die vor allem die noch vorhandenen Schwächen des Targetings aufzeigen (dass in dieser Form zwar gezielt sein mag, aber so zumindest ungelant ist), nicht goutieren und bereits mit der Löschung des Accounts schwanger gehen und eine Abstimmung anzetteln. Ganz zu schweigen von der rechtlichen Frage, wie die Juristen des Arbeitgebers urteilen, wenn auf einer persönlichen Visitenkarte Werbung des Mitbewerbers auftaucht.
Werbung muss erlaubt sein und wird – auch das muss an dieser Stelle gesagt werden – von vielen Nutzern nicht abgelehnt. Aber eben nicht in dieser Form, sondern so, dass die Werbung nicht nonchalant Huckepack auf der Persönlichkeit des Nutzers fährt. Es fehlt aber an einer klaren – auch optischen – Abgrenzung, dass die Werbung erkennbar nicht Teil des eigenen Profils ist. Schließlich geistert bereits der Alptraum von Klingelton-Werbung auf dem eigenen seriösen Profil durchs Web, nur weil man sich mit Telekommunikation beschäftigt.
Hinrichs hat nun reagiert und versucht die Wogen zu glätten. Xing bietet jetzt eine Opt-Out-Lösung für zahlende Mitglieder. Als Fan von Opt-in-Lösungen kann ich darin aber nur einen mauen Kompromiss sehen. Sinnvoller wäre sicherlich eine Funktion, in der der Premium-Kunde der Werbung auf seinem Profil explizit zustimmt, womöglich sogar bestimmten Themen zustimmen und andere Themen ablehnen kann.
Seltsam mutet indes an, dass sich etliche Mitglieder der Community verwundert die Augen reiben, dass auch Premium-Mitglieder mit Werbung verknüpft werden. Die kolportierte Gleichung: “Premium gleich keine Werbung” stimmt nämlich nicht so ganz. Hinrichs hatte schon im HORIZONT-Interview im November folgendes gesagt: “Nichtzahlende Mitglieder werden zudem eher Werbung sehen als zahlende Mitglieder.” Von Werbefreiheit für Premium-Zahler ist also nicht die Rede gewesen.
Im gleichen Interview sagte Hinrichs aber auch: “Wir werden mit Werbung langsam beginnen und beobachten, wie sich die Nutzer verhalten.”
Vielleicht hat er doch geahnt, dass die Mitglieder vergrätzt sein könnten.
Screenshot-Quelle: Hier und hier sowie Flickr.




















Der Deutschbanker macht also in seinem Profil Werbung für .comdirekt. Da kann er auch gleich auf seine Visitenkarten Werbung fremder Banken drucken
.
Bei Markenartiklern ist es ja mehr als verpönt mit einer Konkurrenz-Marke am Leib im Büro auftauchen. Zuweilen wird für solche Marken demonstrativ ein voller Papierkorb ins Haus gestellt. Was passiert eigentlich mit all den Adidas-Mitarbeitern bei xing, wenn in deren Profil plötzlich Puma auftaucht? Müssen die dann ihren Xing-Account löschen?
> So hatte sich das Lars Hinrichs sicher nicht vorgestellt,
> als er Ende 2007 mit dem ihm eigenen Optimismus
> das neue Erlösmodell für Xing präsentierte.
Either he is stupid or his advisors are stupid, or both.
Anyone with a little experience in Corporate Communication and Advertising could have predicted this development in the Social Networking arena.
Corporate social network hosts must assure their members that the net they provide offers a trusted transparency. Manipulation of members as seen here will always be detected. If you manipulate them for greed and profit, your community will know and desert you.
Social Networks and advertisers alike be warned!
Consumers and Community Members are not stupid, and your products when pushed down the throats of consumers in this manner quickly loose their attractiveness.
@ex xingler: Trust is the main currency for those networks. The Trial&errors-politics could lead to an erosion of acceptance and credit – from costumers and shareholders.
remember 2001 – trust versus greed. startups have to follow the pressure of the capital market and to fulfil their promises regarding profits.
ruhig Blut: das ist keinTargeting, sondern Zufall. Wenn Millionen Ad Impressions ausgeliefert werden, trifft es auch mal einen, der in Konkurrenz zur beworbenen Marke steht. Als zahlendes Premium Mitglied habe ich noch keine Werbung gesehen!
“ruhig Blut” schreibt am 4. Januar 2008 (18:16 Uhr)
“ruhig Blut: das ist keinTargeting, sondern Zufall. Wenn Millionen Ad Impressions ausgeliefert werden, trifft es auch mal einen, der in Konkurrenz zur beworbenen Marke steht. Als zahlendes Premium Mitglied habe ich noch keine Werbung gesehen!”
Na klar nicht: Nur die 10% der XING-Mitglieder, die Premiums sind, SEHEN die Werbung nicht: Aber die Werbung wird *bei jedem geschaltet* – egal ob Premium-Mitglied oder nicht zahlender Standard-Nutzer.
Und NUR Premium-Mitglieder können per OPT-OUT die Werbung auf ihrem eigenen persönlichen Profil abschalten.
Weil das aber die wenigsten Premiums wissen (sie sehen die Werbung ja nicht) kann ohne deren Wissen weiter auf ihren Profil-Visitenkarten geworben werden.
Werbung auf geschäftlichen Profilseiten von zahlenden Mitgliedern ist eh unpassend. Im Gegensatz zu Werbung auf den vielen anderen Seiten der Community.
Aber die ganze Sache hat eben kein “ruhiges Blut” verursacht, weil die Betreiber die Werbung einfach so ohne Info an deren Nutzer und Kunden (!) dort eingesetzt hat, wo sie den höchsten Anzeigenverkaufswert versprach.
Dazu noch zahlende Kunden über gravierende Änderungen der eigenen Dienstleistung im Dunkeln zu lassen, ist fahrlässig und kein Kunden-Service..
Wenn das Unternehmen unbedingt mehr Erlöse brauchen würde, dann besser durch eine Wahlmöglichkeit:
a. keine Werbung, aber vielleicht irgendwann ein klein wenig höhere Beiträge
b. Werbung dafür niedrigere Beiträge
So läuft das im Internet, bei TV und Radio seit Jahren bewährt und gut. Auch die Mobile-Provider und PC-Hersteller werden hier demnächst in die Schule gehen müssen, wenn es mehr und mehr werbefinanzierte Smart Handies, PDAs und Computer geben wird…
Schauen wir mal.
Die Zukunft machen wir selbst.
Jeden Moment neu.
WMK
Erst der Spitzel-Verdacht bei StudiVZ, jetzt die Propaganda auf Mitglieder-Seiten bei xing. Platzt bald die Dot-com-Blase 2.0?
@Koenich.Johann Da platzt nichts. Die Luft entweicht nur langsam. Zumal es schlimmere schwarze Schafe gibt. In die Herde der Gierigen könnte sich meinnachbar.de einreihen, die in den Agb mal eben stickum den Klingelbeutel automatisierten.
Siehe hier: http://www.zweinull.cc/communi.....s-gesicht/
@trendquest. Ich halte die – um es höflich zu formulieren – leise Art der Einführung der Werbeeinblendung auf den Profilen der Premiummitglieder, die diese Werbung nicht sehen, auch für einen der kapitalen Webfehler der Aktion. Auch wenn Xing nun betont, wie sehr der Kunde im Mittelpunkt steht, hätte das den Premiummitgliedern vorhertransparenter vermittelt werden müssen. Stattdessen Trial & Error, zwei Schritte vor, einen zurück. Dagegen war die Ankündigung der AGB-Änderung bei StudiVZ (nicht deren Inhalt) fast schon lobenswert.
Get a life!
Wer immer noch ohne Blocker surft, ist selber Schuld, wenn er irgendwelche Werbung sieht. Es gibt wirklich viel Schlimmeres auf Xing, als die Werbung, die sowieso jeder vernünftige Mensch ausblendet.
Es geht hier ja vor allem darum, dass die Mitglieder nicht informiert werden.
Die Reaktion von XING war sehr schnell. Aber es wäre besser, wenn als “default” keine Werbung gesetzt würde und die Nutzer aktiv der Werbung zustimmen müssten. Evtl. könnte man Mitgliedern, die Werbung akzeptieren, einen geringeren Mitgliedsbeitrag anbieten.
ich nutze firefox mit add-ons. ich kann auf einigen seiten die dynamischen felder in denen die werbung geladen wird komplett sperren lassen. einmal in der liste, lädt sich an der stelle gar nichts mehr. und das so lange ich diese sperre behalten will.
ansonsten: ist doch klar das ALLE geld wollen. schnell und viel, so lange es geht. viel mehr entwicklung was die features und mitgliederzahl angeht, ist wahrscheinlich in absehbarer zeit nicht zu erwarten. also schnell kassieren, marktwert steigern und auf einen schönen aufkauf hoffen. spätestens dann wird rücksichtslos werbung geschaltet und die daten der mitglieder verwertet. denn das ist ja auch der einzige grund zum kauf.
microsoft hat es bei facebook sogar schlau eingefädelt. nur einen geringen prozentsatz eingekauft, dafür aber zugang zu daten, geschmack und vorlieben aller facebook mitglieder erhalten. dito google mit youtube. teilt man mal just for fun den einkaufspreis von youtube durch die registrierte mitgliederzahl erhält man einen sehr günstigen preis den man für einen haufen daten eines nutzers bezahlt. aufgrund der clipinhalte erhält man sogar infos über den humor, oder andere persönliche vorlieben die auf anderen seiten unmöglich abzufragen sind, oder bei einer direkten frage, niemand darauf antworten würde. ein schnäppchenpreis für einen gläsernen bürger
Als Premiere anfing, Werbung zu senden, hab ich so einen großen Aufschrei vermisst. Wo waren denn da die Schreihälse? Ganz einfach: Sie haben den Mund gehalten, weil Premiere Inhalte anbot, die man sonst gar nicht zu sehen bekam. Auch ich hätte mich auf längere Auftritte solch auskunftsfreudiger Experten wie Loddar Maddäus gefreut, aber leider muss ich mir seitdem en masse Werbespots anschauen, für die ich überhaupt keine Zielgruppe darstelle.
Meine süffisanten Bemerkungen auf Xing übertragen: Es muss jeder selbst entscheiden, ob er Werbung akzeptiert oder nicht. Die Strategie bei Xing versteh ich aber nicht. Die Profile zu vermarkten halte ich für den falschen Ansatz, denn wer auf Profile klickt, sucht entweder gezielt etwas oder schaut sich die Fotos der Profilinhaber genauer an…
Aber ich bin felsenfest davon überzeugt, dass keiner sich für die Comdirectbank-Werbung interessiert, wenn er das Profil eines Deutsche-Bank-Mitarbeiters anklickt. Also ist das rausgeschmissenes Geld für den Werber und unnütze Aufregung des Profilbesitzers.
Die Werbestrategie in Communities ist eigentlich sehr einfach: Wie komme ich in den Kontext der Inhalte, die meine potenziellen Kunden interessiert? Aus diesem Grund sollte Xing lieber seine Gruppen vermarkten. Da macht es wirklich Sinn und da darf auch keiner meckern, oder?
Das Problem sehe ich eher bei der Vermarktung: Die Vermarkter wollen/können keine stringenten Konzepte entwickeln und die Betreiber der Communities haben in der Regel nicht die Kontakte zu den Werbetreibenden und Mediaagenturen. Dazu kommt, dass die Werbetreibenden im Onlinebereich viel zu sehr nach Reichweite schreien, anstatt neue und effizientere Wege zu gehen, z.B. Crossmedia-Maßnahmen oder Online-PR.
Einen “Werbesieger” gibt es allerdings: Google! Diese Vermarktungsstrategie ist so erfolgreich, dass Communitybetreiber die Google-Anzeigen vorziehen, weil die Werbung – mal mehr, mal weniger – im Kontext zum Inhalt steht und damit effektiv ist! Wer sich langsam aber sicher heranpirscht ist amazon.de mit seinen IntextAds.
Vielleicht müssen die Vermarkter umdenken und kontextbezogen agieren? Bei Communities würde das in meinen Augen sehr viel Sinn machen!
Gut das ich mich voriges Jahr bei XING abgemeldet habe!