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Xing knickt ein: Keine Werbung auf den Premium-Profilseiten

6. Januar 2008
von

Stückchen für Stückchen rudert Xing in Sachen Werbung auf den Profilseiten der Premiummitglider zurück. Noch am Freitag verkündet Lars Hinrichs in börsenorientiertem und kundenfernem Englisch, dass Premium-Mitglieder die Werbung auf ihrem Profil untersagen können. Die Option dazu wird zunächst etwas stotternd und versteckt kommuniziert und offeriert. Am Wochenende dann der vollständige Kotau vor der Empörungswelle: “Keine Werbung auf den Profilseiten der Premium-Mitglieder”.

Bei Xing heißt es dazu:

“Seit Samstag, den 05. Januar 2008, sind die Profilseiten von Premium-Mitgliedern generell frei von Werbung. Wir reagieren damit auf das anhaltende Feedback, wonach die Mehrheit unserer Premium-Mitglieder keine Werbung auf ihren Profilseiten für Basis-Mitglieder wünscht. Wir bedauern es sehr, dass wir die Situation falsch eingeschätzt haben. Dafür möchten wir uns bei Ihnen entschuldigen.
Die XING-Plattform ist somit für alle Premium-Mitglieder werbefrei. Dies betrifft sowohl die eigene Profilseite als auch die Nutzung der XING-Plattform an sich. Basis-Mitglieder sehen Werbeeinblendungen auf der Startseite, den Profilseiten von anderen Basis-Mitgliedern, den Such- und den Suchergebnisseiten sowie weiteren Seiten.”

Xing hat offensichtlich dramatisch unterschätzt, dass auch – oder gerade – Business-Kunden ihre Community und ihr Profil als ein verlängertes Wohnzimmer betrachten und dort auch so behandelt werden wollen.

Hinrichs und Co haben offensichtlich ebenso unterschätzt, dass eben diese Business-Kunden eine eher werbekritische Haltung einnehmen, wenn die Werbung an der eigenen Haustür klebt.

Zudem hat Xing nicht einkalkuliert, dass die Identifikation mit einem Business-Netzwerk so hoch ist, dass Änderungen und Kommunikationswirrwarr persönlich genommen und als Einbruch in das Private verstanden werden, und damit zu einer intensiveren Auseinandersetzungen und einem aktiveren Protest führen, als wenn in einer x-beliebigen Marken-Community eine Funktion geändert wird.

Martin Weigert fragt sich angesichts der Entwicklung und früherer ähnlicher Krisen bei Facebook und StudiVZ schon nicht ganz zu unrecht, ob Ärger künftig zum Standard der Web2.o-Communities gehört.

“Gibt es für große soziale Netzwerke und Web-2.0-Anbieter überhaupt eine Möglichkeit, unpopuläre, aber aus wirtschaftlicher Sicht notwendige Maßnahmen ohne Nutzerprotest zu realisieren? Möglicherweise nicht.”

Dem kann man recht geben, wenn man glauben will, dass eine Strategie dahinter steckt: Übertriebene Ziele einstielen, um dann nach Protesten die eigentlichen Ziele als scheinbaren Kompromiss durchzusetzen.
Dem kann ebenso recht geben, wenn man glaubt, dass die Community-Macher gedanklich von den Nutzern soweit entfernt sind, wie der Wähler den Dreikönigstreffen der Parteien.

Der Ärger lässt sich aber vermeiden, wenn die Community-Manager sich davon lösen, ihre Nutzer nur noch als Userprofile, Zielgruppe, Mitglied und Konsument zu betrachten. Sie müssen die Menschen in der Community als Gäste sehen und auch so behandeln.
Und so wie mit den Xing-Kunden wäre Lars Hinrichs mit seinen Gästen daheim sicher nicht umgegangen. Da bin ich sicher.

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Kommentare zu “ Xing knickt ein: Keine Werbung auf den Premium-Profilseiten ”

  1. Vroni am 6. Januar 2008 um 22:35 Uhr

    “Der Ärger lässt sich aber vermeiden, wenn die Community-Manager sich davon lösen, ihre Nutzer nur noch als Userprofile, Zielgruppe, Mitglied und Konsument zu betrachten.”

    Wieso sollen die sich davon lösen?
    Sei haben mit der Absicht, Geld zu verdienen, diese Community-Aggregate erstellt. Wieso soll sich ein Unternehmer davon lösen, die Kunden als Kunden zu betrachten.
    Diese Dinger waren doch nie als Menschheitsbeglückung geplant und Userwohlfühlwiese, die Beglückung und die Aug’ in Aug’ Wellness war nur der Köder. Von Anfang an, ich denke, das muss klar sein. Ich kann die schrille Empörung nicht ganz verstehen, wie wenn man aus einem Paradiese vertrieben worden wäre. Im offline-Leben sind wir wesentlich abgehärteter und lassen uns weniger vormachen und wissen, dass die kostenlosen Würstchen und die Gratis-Band am Parteistand dazu führen sollen, diese Partei auch zu wählen, im Internet spielen wir plötzlich die Entsetzten.

  2. OlafKolbrueck am 7. Januar 2008 um 09:03 Uhr

    @Vroni
    gegen das Geldverdienen ist ja auch nichts zu sagen. Aber ich halte mich doch lieber auf einer Wiese auf, auf der ich mich wohl fühle. Kostenlose Würstchen bekomme ich doch überall. Wenn ich den Kunden nur damit locke, folgt das Auge und der Magen nur dem immer nächst dickeren Würstchen. Wenn aber die Wiese ansehnlich(er) bestellt ist, bleibt er dort, auch wenn die Würstchen vielleicht etwas kleiner sind.

  3. Anja am 7. Januar 2008 um 13:34 Uhr

    und wofür zahl ich dann bei xing noch? .. ich habe meine premium mitgliedschaft bereits gelündigt weil sich da einfach nichts mehr tut es ist immer das gleiche und vorteile bringt es auch keine

  4. Vroni am 7. Januar 2008 um 16:05 Uhr

    @ Olaf
    Ja, normalerweise geht der Kunde weiter. Wenn es einen gesunden Wettbewerb gibt und Alternativen.

    Diese seltsame durch die Schmuse-Köder groß gewordene “Business”-Community ist für ihn aber mittlerweile anscheinend alternativlos, weil er in ihr die große Herde ansprechen kann oder glaubt in einer alternativlosen Herde zu sein.
    Jetzt ist der Kunde gefangen, wie die Fliege im Spinnennetz. Gereicht haben kleine Würstchen.

    Jetzt kann man ihm mit der Salamitaktik (scheibchenweise) gewisse Zumutungen hinreichen. (Warum erinnert mich das immer an Politik, an ködernde Wahlversprechungen und dann ist man als Wähler 4 Jahre gefangen bei der Stümpertruppe…)

    Communities folgen einem etwas anderen Wertschöpfungsprinzip.
    Da geht ab einer bestimmte Größe einfach niemand weiter nach einer dickeren Wurst. Do hockas jetzt…

    (Wenn man eine gelinde Xing-Phobie raushört bei mir, dann liegt man richtig…)

  5. Koenich.Johann am 7. Januar 2008 um 18:01 Uhr

    Jetzt alle: 2008 gar keine Werbung mehr!

    Ok, nurn spaß ;-)

  6. Tapio Liller am 8. Januar 2008 um 22:01 Uhr

    Ich kann mir schwer vorstellen, dass bei XING soviel Arglosigkeit herrschte, als die Werbung mal eben ohne Vorabinformation auf alle Seiten geschaltet wurde. Ich fürchte, an Martin Weigerts These ist was dran. Leider zeugt das zuerst von großer Unbeholfenheit auf Seiten der Verantwortlichen, auch der Kommunikationsmanager. Bei genauerem Hinsehen ist es zudem auch ärgerlich, gerade für eine Plattform, die sich auf die Fahne schreibt, für Profis aller Couleur da zu sein – nicht zuletzt auch Kommunikationsprofis.

    Die formelle Entschuldigung in der Botschaft vom Samstag geht in Ordnung, auch aus Sicht eines PRlers, die Fehler in der Kette der Ereignisse aber bleiben. Dazu auch mein Blogpost unter http://opensourcepr.de/2008/01.....hgefallen/

  7. Dirk Hammer am 19. September 2008 um 18:05 Uhr

    Bin auch Premiummitglied bei Xing. Grundsätzlich ja ganz ok. Was mich stört ist das ich für Grundfunktionen bezahlen muss! Wenn kein Premiummitglied bin wird mein Profil für Werbung missbraucht. Ich denke es ist mein Privateigentum auf dem Werbung nichts zu suchen hat. Deshalb habe ich mit freunden jetzt einen Alternative programmiert. Sie ist aber erst online gegangen und ist auch noch in der Beta. Bietet alles was Xing auch hat nur kostenlos und zusätzlich kann man seine Firma in einer Firmendatenbank eintragen. Aber keine Werbung auf den Profilen. Ihr findet das Angebot unter http://www.your-mesh.de Zu einem späteren Zeitpunkt soll es noch Premiumangbote geben mit zusätzlichen Funktionen Kalender oder eine Projektplanung.

  8. Frank Barth am 21. November 2008 um 10:44 Uhr

    @Dirk Hammer: Nett, einen kritischen Bericht über Werbung mit einem Spam-Beitrag zu kommentieren. :-)

    Wobei ich etwas entsetzt bin, gleich auf der Startseite in großen Buchstaben dies zu lesen:

    “Menschen und Business, zusammen zu bringen ist unser Ziel!”

    Leider geht es nicht viel besser weiter:

    “wenn sie zusammenbleiben wäre es ein Fortschritt und wenn sie zusammenarbeiten unser Erfolg.

    Nutzen Sie die Möglichkeit, sich in dieses Netzwerk einzutragen und zu präsentieren, mit Produkte oder Dienstleistungen “Made in Germany”.”

    Zumindest auf der Startseite wünsche ich mir weniger Holprigkeit,

    okay, ontopic: Man kann in Communities nur dann einen Aufschrei verhindern, wenn man einfach gar nichts ändert. Und dass Werbung zu schalten immer einen besonders großen Aufschrei verursacht, finde ich so dermaßen wenig überraschend, dass ich mich frage, warum das immer wieder Thema wird.

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