HORIZONT.net HORIZONTjobs HORIZONTpeople HORIZONTstats

Politik im Rausch der Werbeverbote (plus Umfrage)

10. Januar 2008
von Olaf Kolbrück

Wenn es um Werbeverbote geht, dann befindet sich die Politik im Dauerrausch. Nach dem Tabakwerbeverbot wird nun die argumentative Linie für weitere Werbeverbote in der Alkoholindustrie vorbereitet. Sabine Bätzing, Drogenbeauftragte der Bundesregierung, hat einen Warnschuss an Brauer und Co abgegeben. Dass damit legal vertriebenen Produkten Knüppel zwischen die Beine geworfen werden, stört offenbar nicht, solange auf diese Weise eine vermeintliche Gestaltungskraft der Politik vorgeführt werden kann. Hauptsache ein Schuldiger für manch eine Misere ist gefunden. Verbote statt Ursachenbekämpfung.

Die Bürokratie schützt den Bürger, den vermeintlichen Konsumtrottel, vor sich selbst, der einer derartigen Bevormundung eher skeptisch gegenübersteht. Rund 60 Prozent bezweifeln die Wirksamkeit von Beschränkungen. Dennoch dürfte die Salami-Politik der Verbote weitergehen: Demnächst wird dann wohl die Kommunikation der Autoindustrie weiter ausgebremst.

Da frag ich doch selbst mal nach: Eine Gelegenheit einmal das frischinstallierte Umfrage-Tool-auszuprobieren.

Sollen weitere Werbeverbote eingeführt werden?

Ergebnis der Umfrage

Alles natürlich völlig unrepräsentativ. Vielleicht ein Stimmungsbild.

Klar aber auch: Hersteller und Agenturen haben die Werbefeindlichkeit zum Teil selbst zu bolzplatz.JPGverantworten. Wenn Tabakmarken wie “Nil” oder “F6″ mit Motiven in rechtlichen Grauzonen werben, Spirituosenhersteller Getränkeproben in nichtabstellbaren Reagenzgläsern reichen, oder sich Bitburger mit der Aktion “Bolzplätze für Deutschland” selbst auf den PR-Bildern mit der Jugend schmückt, liefern sie Kritikern unnötig Munition. Da hilft es auch wenig, wenn der Brauerverband mit kaum sichtbaren Feigenblatt-ähnlichen Kampagnen wie “Bier bewusst genießen” Verantwortungsbewusstsein vorführen möchte.

Mehr Bewusstsein für die Grenzen des Machbaren und Vernünftigen – und nicht nur für die Grenzen des Erlaubten – ist vielmehr bei den Herstellern gefragt. Dabei hilft per Verbandsbeschluss abgesegnete Selbstdisziplin wenig – sondern die Frage der Marketer an sich selbst: Wie, wieviel und wo möchte ich meine Kindern mit Werbung konfrontieren.

Teilen und aufbewahren Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • Facebook
  • TwitThis
  • del.icio.us
  • MisterWong
  • email
  • Y!GG
  • Wikio DE
  • Webnews
  • Digg
  • Alltagz
  • StumbleUpon
  • Linkarena
  • LinkedIn
  • Bloglines

Ähnliche Artikel

Tags: , , , , , ,

Kommentare zu “ Politik im Rausch der Werbeverbote (plus Umfrage) ”

  1. Spießer Alfons am 10. Januar 2008 um 15:07 Uhr

    Ich bin für Werbeverbote, und zwar für Parteienwerbung. Weil es zum einen Umweltverschmutzung ist und weil zum anderen nirgendwo sonst in der Werbung so viel gelogen wird wie in der Werbung von Parteien. Wenn jemand darauf reinfällt, dann können die Folgen noch viel schrecklicher sein als die vom Alkohol! ;)

  2. ramses101 am 10. Januar 2008 um 15:35 Uhr

    Ich halte ja die tägliche Zuckerpropaganda (Vitamine und naschen, leichter Milchsnack etc) für wesentlich gefährlicher. Aber der Berentzenspot mit den de facto Teenagern war schon hart an der Grenze, wenn nicht drüber hinaus:

    http://youtube.com/watch?v=P_zxvLfQ3dg

    Da darf man sich nicht wundern, wenn irgendwann die Politik kommt und sagt: Freunde, entweder Ihr bekommt Euch in den Griff oder wir machen das.

  3. M. am 10. Januar 2008 um 15:40 Uhr

    Teenager?? Pack 10 Jahre drauf, dann passt’s! Die Protagonisten hier kommen doch eher rüber wie die (imaginären) “typischen Studenten”…

  4. ramses101 am 10. Januar 2008 um 15:43 Uhr

    Sorry, aber wenn die Mitte, Ende zwanzig sind, bin ich Mitte vierzig. Und offensichtlich fühlen sich ja auch die richtigen angesprochen:

    http://www.youtube.com/watch?v=BJtycEdnmuQ

  5. rs am 10. Januar 2008 um 17:29 Uhr

    Verbote sind toll. Warum sollte man es auch anders machen. Man müssten ansonsten ja die wahren Gründe und Ursachen finden und dort ansetzen. Auf diesem Weg würde man dann auch mit dem eigenen Versagen konfrontiert und das macht sich so schlecht in der Politik. Da ist es einfacher einen Sündenbock zu finden und drauf zu hauen. Für die Gewaltäter in Deutschland sind auch alleine die Gewaltfilme, Computerspiele und nicht zu vergessen das Privatfernsehen zuständig.

    Nachdem Alkohol kommen dann noch Computerspiele (die verursachen Amokläufe), Unterhaltungselektronik wie Fernseher und Spielekonsolen (die macht dumm, dreist und faul), Süßigkeiten und Softdrinks (machen auch dumm, dreist und faul und dazu noch dick), Fastfood (…) und Handys (verbrennen einem das Hirn)…

  6. Koenich.Johann am 10. Januar 2008 um 19:16 Uhr

    Generell sollte Werbung verboten werden! Dann könnte der ein oder andere hier aus dem Forum endlich “was vernünftiges” machen. :-)

    Also, Olaf, Spießer und all die anderen, was sind Eure geheimsten Jobwünsche? Ich geh wieder zurück ins Handwerk :-)

  7. M. am 10. Januar 2008 um 19:22 Uhr

    Gemeinhin ist man durchaus ja auch schon mit Anfang 20 Student. Und von den Kommentatoren bei YouTube ist auch niemand unter 18…

    Oder meinst du mit “den Richtigen”, dass die wenigsten dieser Kommentatoren sich mit offensichtlicher Intelligenz bekleckern? Na gut, aber dass der Berentzen-Spot intelligent oder sonst irgendwie lobenswert wäre, hab ich ja auch nicht behauptet. Aber Teenager sehen definitiv anders aus; wirf einen Blick in ein SchülerVZ o.Ä. deiner Wahl und du wirst sehen, was ich meine.

    Ist aber eigentlich auch nebensächlich: wer Werbung verbieten will, weil sie angeblich für ein bestimmtes Verhalten verantwortlich ist, unterstellt einen Wirkmechanismus, der zwar wunderschön wäre (Reiz -> Reaktion, ohne irgendwelche Barrieren oder soziale Einfluss-Faktoren). Dass dieser Wirkmechanismus so (einfach) aber nicht gegeben ist, weiss jeder, der Werbung macht oder bezahlt.

    Und irgendwo hatte ich eigentlich immer gedacht, diese alles andere als revolutionäre Erkenntnis sei seit den 1980er Jahren auch mal bei der Politik angekommen. Aber nein – da gebären sich dann auf einmal besonders gerne konservative Politiker wie die wilden Kapitalismuskritiker der 70er… und erklären de facto den angeblich propagierten mündigen Konsumenten zum beschränkten Trieb-Tier. Traurig.

  8. Vroni am 10. Januar 2008 um 20:03 Uhr

    Ich muss sagen (und ich komme genetisch aus der “großen” Werbung, dem “Land der Riesenwaschkraft” gnigger, und habe das, ach, studiert mit großem Bemüh’n^^) der Konsument ist weder mündig noch ein Triebidiot.

    Nicht mündig, weil er künstlich dumm gehalten wurde und wird. Die Informationen über die Produkte und wo sie herkommen, sind Schein- und Pseudoinfos, in 4 Punkt Perl auf die Schachteln gedruckt. Wer sowas laufend präsentiert kriegt und das für die Realität halten muss- “ist halt so” -, kann dann auch die kryptischen aber emotionalen Anzeigen, Spots und Plakate nicht richtig deuten. Daher der ungebrochene Trend des Verbrauchers zu Eso und der Wahrsagerey. Seine einzige Alternative im Meer der Deutungsversuche.

    Man kann erst mündig sein, wenn man valide Infos hat. Dann kann man entscheiden. Gilt in verschärftem Maß für Politik-Plakate. Die sind Verschleierungs-Dummfug. Bitte DIESE verbieten, liebe Politiker :-) ))

    HARRHARRHARRR!!
    Abgang
    mit sardonischem Gelächter
    (Regieanweisung audio: muss wie Faust aus der Hölle klingen, dann richtig)

  9. OlafKolbrueck am 10. Januar 2008 um 20:57 Uhr

    Das ist es eben was ich gar nicht begreife.
    “Die Informationen über die Produkte und wo sie herkommen, sind Schein- und Pseudoinfos, in 4 Punkt Perl auf die Schachteln gedruckt. Wer sowas laufend präsentiert kriegt und das für die Realität halten muss- “ist halt so” -, kann dann auch die kryptischen aber emotionalen Anzeigen, Spots und Plakate nicht richtig deuten.”
    Mein Gott, das draußen lebt doch kein konsumvieh. Und doch handeln sie so. Sie können es doch ebenso wie die Mogelpackung stehen lassen. Aber ne, stattdessen wandern sie am ende wieder zum anbieter, der sie übers Ohr gehauen hat. So was nennt sich dann eben Verlässlichkeit.
    Und zu Verboten: Eines Tages werden sie noch das Weißbrot verbieten – zu ungesund.
    @koenich.johann:
    Als Kind wollte ich immer Steiger werden, der schien ja Glück zu bringen. ;-)

  10. Vroni am 10. Januar 2008 um 21:43 Uhr

    @ Olaf

    Es geht nicht um Mogelpackungen (zu viel Verpackung, kaum Inhalt). Die erkennt der Konsument mittlerweile ganz gut. (Dank Training von Stiftung Warentest über überteuerte Kosmetikartikel und überzogen Preise für Großpackungen, die Günstigkeit nur vortäuschen: Riesenvorteilspack, aua).

    Es geht um fehlende oder verwirrende Angaben. Wer Allergiker ist kann ein Lied davon singen. Für manche Angaben über die Inhaltsstoffe muss man Lebensmittelchemie studiert haben, bei Apple-Produkten kann man nicht sicher sein, ob die nicht doch in bleihaltiger Umgebung von Arbeitern im 12-16-Stundentag hergestellt werden, Firmenverflrchtungen sind mittlerweile so komplex und verändern sich immer rascher, dass man nicht mehr alles wissen kann. Außer man macht ein zeitfressendes Hobby draus. Neulich habe ich rausgefunden, dass gewisse tolle Flachfernseher namens XORO (vorher nie gehört) in D hergestellt werden. Auja! Aber trifft das auch auf die Teile zu?

    All das. Und ich bin ein aktiver Mensch, der sich hoch-aktiv um die Beitreibung von Infos kümmert. Gelegentlich überfordert mich das aber alles, muss ja auch noch was arbeiten und Feierabend will ich auch noch haben.

    Das mein ich.
    Leute, die schon mal reingelegt wurden, aber wiederum zu diesem Anbieter latschen, schließe ich mal vorsichtig aber freundlich aus. Die meine ich auch nicht und denen kann man nicht mehr über die Straße helfen. Sind scho a bissi dummdumm.

  11. FKR am 11. Januar 2008 um 09:53 Uhr

    Mich wundert ja, dass aus den Kindern von vor 25 Jahren nicht die absoluten Super-Zombies geworden sind. Nach allem, was die damals noch in der Werbung aushalten mussten.

  12. ramses101 am 11. Januar 2008 um 10:26 Uhr

    @M: Mit “den Richtigen” meinte ich die Vögel aus dem zweiten, selbstgedrehten Youtube-Spot. Alkopops zielen nun mal implizit auf Jugendliche und so explizit zum Ausdruck gebracht wie bei dem originalen Berentzen-Spot hab ich es halt noch nicht gesehen. Ob die Schauspieler jetzt 17- oder 20-jährige darstellen sollen – geschenkt.

    Wenn in Deutschland grundsätzlich ein anderer Umgang mit Alkohol herrschte, wären solche Diskussionen übrigens auch überflüssig.

    @FKR: Wir wurden nach dem Essen ja auch nach draußen zum Spielen geschickt und mussten nicht ständig vor der Glotze hängen. ;-) Das Coco-Pops-Lied kann ich aber immer noch auswendig. Scheißtrauma. Wirste nie wieder los.

Trackbacks

ivw