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Spießer Alfons: Stunk und platt

10. Januar 2008
von Spießer Alfons

Der Konsument wird von Reizen überflutet, nimmt schon lange nicht mehr alles wahr, was er nach o_monte_monte.jpgden Vorstellungen der Werbung treibenden Wirtschaft wahrnehmen soll. Eskapismus hat eingesetzt, sprich, der Verbraucher igelt sich ein und ist nur noch für Ansprachen empfänglich, nach denen er selber sucht, weil sie seiner individuellen Befriedigung dienen.
Die Werber haben reagiert und ermitteln die Rezipienten zunehmend nach deren eigener Motivation. Das macht die Arbeit von Gestaltern und Schaltern nicht gerade leichter, müssen sie doch mehr tun für ihr Geld.
Massenansprachen treffen die Masse zwar immer noch, wenn sie von Aldi, Lidl und Co kommen. Oder wenn sie Sensationen enthalten, die wirklich sensationell sind und keine Seifenblasen. Zum Beispiel eine Botschaft wie: „iPhone für 0 Euro mit Flatrate von 10 Euro pro Monat!“
Aber es gibt auch Werber, die alles daransetzen, die emotionale Reizschwelle zu überschreiten, um Aufmerksamkeit zu erzielen.

So wie damals, als der unsägliche Oliviero Toscani („Die Werbung ist ein lächelndes Aas“) für Benetton tätig gewesen ist und gerade noch gestoppt wurde, bevor er mit seiner Schockreklame die Marke völlig in die Grütze gebracht hatte. Schockierende Werbung zu machen, ist die leichteste Disziplin. Schon ein Scheißhaufen auf dem Teller einer gedeckten Tafel, an der hungernde Menschen sitzen, reicht.

Perversitäten fallen immer auf; alles, was Ekel erregt, wird beachtet. So ist der Mensch nun o_bett.jpgmal: Wenn er an einer Unfallstelle vorbeikommt, dann bleibt er stehen, um zu gaffen. Er will Blut sehen. Voyeure werden angelockt von ihrem Trieb genauso wie Päderasten, die sich heimlich im Internet befriedigen.

An sexuelle Verirrung dachten auch ein paar Frauen bei Jung von Matt, die für das Magazin „Deutsch“ werben. Gegen Ende vergangenen Jahres hatte der Spießer eine bestialische Kampagne aufgespießt, wo eine Frau sich mit ihrem Schäferhund vergnügt. Ein Schäferhundstündchen aus einer Agentur, die sich rühmt, die kreativste im Lande zu sein. Pressemitteilung Jung von Matt: „Das internationale Lifestyle-Magazin ,Deutsch‘ startet eine Print-Kampagne, die in Titeln wie ,Monopol‘, ,Cicero‘, ,Financial Times‘, ,Gala‘ und ,Glamour‘ erscheint. Jung von Matt/Neckar kreierte Publikumsanzeigen, deren Motive provozieren und größtmögliche Aufmerksamkeit schaffen sollen. Elementarer Bestandteil der Kampagne ist das Deutscheste Deutschlands: der Deutsche‘ Schäferhund. Er wird zum Markensymbol für ,Deutsch’ und taucht selbstbewusst, mutig und polarisierend überall dort auf, wo es um Lifestyle, Fashion und Entertainment geht.“

(Kuckuck, hört Ihr die Nachtigall trapsen …?!)

Auf seine Kritik bekam der Spießer überwiegend Bestätigung in vielen Leserkommentaren und anderen Blogs. Aaaber: Es waren auch Stimmen darunter wie die von einer Katharina: „Ich find’s geil. trifft meine geheimsten Wünsche. Und noch geiler, dass bei JvM nur Frauen an dem Job gearbeitet haben. Das lässt auf die nächste sexuelle Revolution hoffen. Ich meine, wer sagt, dass Sodomie schlecht ist? Die Kirche? Na dann.“

Und ein Holger Schneider meint: „Ich persönlich finde, dass es eine sehr aufmerksamkeitsstarke, provokante, neugierig machende Kampagne ist, die auf ein ungewöhnliches, szeniges Kultur-Magazin schließen lässt.“ Und nicht wenige der Kommentatoren waren der Ansicht, dass die Kampagne durch die Diskussion an Aufmerksamkeit und Reichweite gewonnen und sich deshalb gelohnt hat für den Inserenten.

Was für ein Nonsens! Wer seinen Fuß in Hundekacke setzt und diese breit tritt in alle Räume, der wird zwar überall auffallen, wo er hingetreten hat; keineswegs aber wird er damit eine Sympathie erzeugen, weder für sich noch für Hundekacke.

Mit den „Deutsch“-Anzeigen wollten sich einzig und allein eine Handvoll ausgeflippte Werbeweiber in Szene setzen. Aufmerksamkeit erzielen um jeden Preis und koste es das letzte bisschen Sympathie, das der Werbung vom Volke noch entgegengebracht wird. Dass der Deutsche Werberat sofort nach Erscheinen der Kampagne eingeschritten ist, lässt hoffen, dass der ADC die Motive nicht an seine Wände hängen wird.

JvM-Geschäftsführer Daniel Adolph verteidigt das perverse Treiben mit der selbstbefriedigenden Feststellung: „Das Kampagnenziel ,Aufmerksamkeit‘ wurde erreicht.“ Womit der Mann sichtlich auf den Hund gekommen ist. Spießer Alfons denkt: Wenn manche Werber so groß wären wie ihr Schamgefühl, dann könnte man sie als Jockeys bei Hunderennen einsetzen!

o_hz.jpgDie spießige Lesergemeinde hat an den obigen Abbildungen bereits erkannt, dass sodomitische Andeutungen in der Werbung nicht neu sind. „Irgendwann nimmt man nicht mehr irgendwas“, schrieb die „Hörzu“ zu einer Szene, wo eine Frau einen Vierbeiner genommen hat. (Spießige Zwischenfrage: Welche Zielgruppe soll damit angesprochen werden …?)

Und der Klamottenfabrikant Sisley zeigte eine Frau mit gespreizten o_sisley.jpgBeinen, die auf einen Stier wartet, während eine andere mit ihrem Pudel pudelt und eine dritte die Sau raus lässt. Und Heidi lässt den Geißbock lüstern durch die Nüstern an ihrem Busen schmusen.

Sex in der Werbung — im Allgemeinen spielt sich das zwischen Mann und Frau ab. Nicht immer, aber immer öfter auch zwischen Mann und Mann auf der einen und Frau und Frau auf der anderen Seite. Speziell in der Werbung für Klamotten werden homophile Situationen liebend gern gezeigt. Und nach den sodomitischen Auftritten fragt sich der Spießer: Wie wird die damit höher gelegte Reizschwelle in Zukunft überschritten? Mit pädophiler Darstellung? Oder legen sich die Herren Holger Jung und Jean-Remy von Matt nackt und eng umschlungen in eine Fußgängerzone mit einem Schild, auf dem zu lesen steht: „Dieses ist ein Beitrag der Agentur JvM für das kreative Ranking!“ …?

Zuzutrauen wäre es ihnen.

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Kommentare zu “ Spießer Alfons: Stunk und platt ”

  1. peterpetersen am 10. Januar 2008 um 11:01 Uhr

    Oh Gott, was ist daran denn bitte noch provokant?

    Ich mag die Deutschanzeigen sehr gerne.

    Hörzu ist ganz mies. Aber nicht wegen dem Viehzeugs.

  2. Spießer Alfons am 10. Januar 2008 um 11:07 Uhr

    @ peterpetersen

    Falls Du nicht bei JvM oder DEUTSCH arbeitest, solltest Du auf keinen Fall Tierpfleger werden! Und hier wird Dir geholfen: info@bdp-verband.de

  3. peterpetersen am 10. Januar 2008 um 11:16 Uhr

    Ich arbeite ganz wo anders. Das war jetzt eine ganz schön klare
    Beleidigung, ja Verleumdung. Da war auch keine Ironie dabei.
    Ich sollte mich auf der Stelle bei Horizont beschweren und eigentlich auch rechtliche Schritte prüfen.

    Spießer, du hast deine sehr konservative Meinung von Vorgestern.
    Also lass mir meine. Ich finde die Anzeigen sehr passend für Deutsch. Im Gegensatz zu dir habe ich dieses Magazin abonniert und weiß von was ich spreche. Wenn du dich von so etwas provozieren lässt, solltest du in Zukunft vielleicht für irgendein Kirchenblatt schreiben. Im übrigen kann man in die Deutschanzeigen ganz viel reininterpretieren. Man kann darüber aber auch einfach nur lächeln. Du scheinst dafür aber zu sehr auferregt zu sein, nicht?

  4. peterpetersen am 10. Januar 2008 um 11:19 Uhr

    “Wie wird die damit höher gelegte Reizschwelle in Zukunft überschritten? Mit pädophiler Darstellung?”

    Vielleicht. Auf der documenta gab es ein stark “pädophiles” Werk.
    Ein Glück, dass du nur über Werbung schreibst.

  5. Spießer Alfons am 10. Januar 2008 um 11:26 Uhr

    @ peterpetersen

    Wie kann eine Beleidigung “schön” sein…?

    Nein, konservativ, wie ich bin, habe ich “Ein Herz für Tiere” abonniert. (DEUTSCH berichtet doch nur über Frauen und ihre Hunde, oder auch über Katzen und Goldhamster…?)

    Warum ist es ein Glück, dass ich nur über Werbung schreibe…?

  6. peterpetersen am 10. Januar 2008 um 11:32 Uhr

    Sie war “ganz schön klar” – kleine Steigerung.

    Muss ich dir jetzt auch noch Umgangssprache beibringen?

    Weil es noch schlimmer wäre, wenn du auch noch über Kunst schreiben würdest. Wie lange darf man dich denn noch in der Horizont genießen?

  7. Spießer Alfons am 10. Januar 2008 um 11:43 Uhr

    @peterpetersen

    Die Dummheiten der Umgangssprache sind mir geläufig :)

    Ich schreibe auch über Kunst, bin sogar Vorstandsvorsitzender des örtlichen Kunstvereins.

    In HORIZONT schreibe ich doch erst im 41. Jahrgang. Aufhören werde ich dann, wenn es nichts mehr aufzuspießen gibt. Und solange es Leute wie Dich in der Branche gibt, werde ich wohl endlos schreiben. Du darfst mich also auch weiterhin “genießen”! ;)

  8. peterpetersen am 10. Januar 2008 um 11:47 Uhr

    “Ich schreibe auch über Kunst, bin sogar Vorstandsvorsitzender des örtlichen Kunstvereins.”

    Das war ein ziemlich lustiges Eigentor. Hab deine Bilder gesehen…

    41.Jahrgang. Ok, dafür ist es wirklich noch frisch ;-)

    Nein, ich lese dich ab und wann auch gerne und freu mich auf weitere Diskussionen ;-)

  9. Morn am 10. Januar 2008 um 12:07 Uhr

    Das Traumduo der deutschen Werbung. Der Spießer und peterpetersen.
    Ihr Zwei habt euch gesucht und gefunden, nicht wahr?

  10. Spießer Alfons am 10. Januar 2008 um 12:18 Uhr

    @ peterpetersen

    Du nimmst immer nur beschränkt wahr. Ich selber mache KEINE Kunst, sondern ich schreibe auch über Kunst. Wenn ich Bilder mache, so sind die keine Kunst ;) , obwohl die Leute in meinen Ausstellungen immer ganz begeistert sind. Warum, weiß ich allerdings auch nicht.

    @ Morn

    Warum, glaubst Du, ist peterpetersen aus der deutschen Werbung? Ich glaube, er ist nur DEUTSCH-Abonnent, der jeden Tag mit seiner Schäferhündin Gassi geht. (Nein, die heißt nicht Gassi, sondern er geht mit ihr zum Pipi machen!)

  11. peterpetersen am 10. Januar 2008 um 12:27 Uhr

    @ Spießer

    Die sind aber ganz schön nett zu dir.

    @ Morn

    Du hast vollkommen recht.

  12. joergen am 10. Januar 2008 um 12:30 Uhr

    Ist das ernsthaft euer niveau?
    jemand verteidigt diese DEUTSCH-Anzeigen und wird von euch
    dann als H………* hingestellt? Na dann: Gute Nacht.

    *Anmerkung vom Admin: Bitte nicht ausfallend werden!

  13. peterpetersen am 10. Januar 2008 um 12:32 Uhr

    @ Morn

    Ja, der Spießer und ich werden demnächst auch eine Agentur gründen. Er wird dort die Kundenberatung übernehmen. Nicht wahr, Spießer?

  14. Spießer Alfons am 10. Januar 2008 um 12:41 Uhr

    @ joergen

    Bei UNS wird Niveau groß geschrieben ;)

  15. Roland Kühl v. Puttkamer am 10. Januar 2008 um 16:02 Uhr

    Zu dieser kleinen Kommentar-Battle und der Niveau-Diskussion fällt mir dann noch spontan ein: Lieber Niewo, als immer da ;-)

  16. Spießer Alfons am 10. Januar 2008 um 16:35 Uhr

    @ Roland

    Ich weiß aus langjähriger Erfahrung: Der eine wartet auf Godot, der andere auf Niveau. Und beide warten sie vergebens… ;)

  17. Lutz Thümmel am 10. Januar 2008 um 16:38 Uhr

    @ peterpetersen

    Als einer der verklemmten ZEIT-und SPIEGEL-Leser, die seinerzeit mit einigen anderen ebendiese Hunde-Anzeige im open BC kritisiert hatten, darf ich Dir als Antwort auf die Frage nach des Spießers Schaffenszeit sagen: Er wird Dich überdauern. Mach Dir keine Sorgen.

    Bei ihm ist es wie mit gutem Wein, der mit den Jahren besser wird. „Wir” Nicht-Werbung-Versteher werden diesen Wein in vielen Jahren vorm Kamin noch immer zu genießen wissen, wenn Ihr Kunstverständigen Euch längst mit dem Schäferhund verlaufen habt.

    Vom Wein geben wir Euch aber nichts ab. Ihr wüßtet ihn vermutlich ohnehin nicht zu schätzen. Wahrscheinlich würdet Ihr naserümpfend den Kopf schütteln, weil die Weinflasche keinen Schraubverschluß hat. Und dann in die DEUTSCH-Lektüre verfallen, falls es das Käseblatt dann noch geben sollte.

  18. peterpetersen am 10. Januar 2008 um 17:10 Uhr

    @ Lutz

    Ich lese auch den Spiegel. Sogar jede Woche.
    Die Zeit für die Zeit spare ich mir aber und arbeite daran, dass deine Vorhersage nicht wahr wird. Wird aber auch sehr schwierig. Ich bin so jung, dass ich mich eher mit deiner Tochter
    als mit einem Schäferhund verlaufe.

    P.S. Der Name “Open BC” ist tot.

  19. Lutz Thümmel am 10. Januar 2008 um 17:47 Uhr

    @ peterpetersen

    „…arbeite daran, dass deine Vorhersage nicht wahr wird.”

    Welche? Die auf den Spießer bezogene? Muß er Angst haben?

    „…dass ich mich eher mit deiner Tochter als mit einem Schäferhund verlaufe.”

    Tja, hätte ich eine, würde sie den Weg kennen.

    „..Der Name Open BC ist tot.”

    Aber hinter dem hat man noch einen Sinn erkannt.

  20. peterpetersen am 10. Januar 2008 um 18:11 Uhr

    @ Lutz

    da haste recht. der name hat in irgendeinem land aber nicht funktioniert.

    ich arbeite daran, dass er mich nicht überlebt.

    so und jetzt lass uns mal runterkommen. schönen abend. auch von meinem schäferhund ;-)

  21. Lutz Thümmel am 10. Januar 2008 um 18:18 Uhr

    @ peter

    Ebenso. Auch von meinem (der ist echt, dafür aber kein Schäferhund…) :)

    Gruß, Lutz

  22. Vroni am 10. Januar 2008 um 20:41 Uhr

    Er will doch nur spielen^^.

    Manchmal warte ich allerdings auf Peterchens Mondfahrt, weil er es ab und zu zu hund treibt.

    ________________________
    Nivea ist nur eine Handcreme.

  23. Lutz Thümmel am 11. Januar 2008 um 09:45 Uhr

    @ Spießer

    @ all

    Noch ist es erst ein paar Tage alt; daher allen ein spitzes Neues Jahr. „Spießig” will ich ´mal lieber nicht schreiben. Das ruft gleich wieder die Fraktion der „Werbungversteher” auf den Plan… :-)

    Gruß, Lutz

  24. peterpetersen am 11. Januar 2008 um 12:29 Uhr

    @ Vroni

    ich treibe es zu bunt?

    wer beleidigt und unterstellt denn hier unerhörtes?

    jetzt treibe ich es bunt: kannst du vielleicht bitte deine andauernden dämlichen wortspiele beenden? mir dreht sich jedes mal der magen um. es ist so lustig wie mario barth.

  25. Lutz Thümmel am 11. Januar 2008 um 14:59 Uhr

    @ peter

    Naja, dann wähle doch die gleichen Waffen und schlage ebenbürdig zurück.

    Wenn Du Dich verhälst wie Roland Koch im Wahlkampf, ist die Kommunikation der Anderen entsprechend. So ist das Leben.

    Gruß, Lutz

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