Burda beerdigt “Max”, Poschardt geht bei “Vanity Fair”
Was für ein Freitag und was für ein Start ins neue Jahr: “Hubert Burda Media stellt das Monatsmagazin “Max” mit sofortiger Wirkung ein”, meldet Horizont.net einträchtig neben dem “freiwilligen” Abgang von Ulf Poschardt als Chefredakteur von Vanity Fair.
Der Abgesang auf ein sterbendes Medium bekommt damit soeben eine passende Begleitmusik.
Interresant am Ende von “Max” ist dabei, dass es offenbar nicht an der Stärke der Marke liegt.
Denn die soll für Sonderausgaben (“Max-City-Guide-Editionen und kreative
Max-Spezial-Ausgaben für die Werbe- und Kommunikationsbranche”), Online und für den Event-Bereich erhalten bleiben. Damit dürfte “Max”, einst ein glanzvolles Innovationsprodukt, künftig auch als Kronzeuge für das Ende des Geschäftsmodells Print dienen.
Grund für das Ende mit der Doppelausgabe Januar/Februar: “keine ausreichende wirtschaftliche Perspektive” heißt es in der Pressemitteilung. Zu deutsch Auflagenschwund.
Wie die Anzeigenentwicklung dort aussieht? Weiß ich nicht. Denke, auch keine Freude.
Erstaunlich unterdessen, dass sich Ulf Poschardt so lange auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten halten konnte, nachdem nicht nur die “Mover und Shaker” schon im Mai 2007 über seinen Abgang spekuliert hatten. Inzwischen ist die Auflage zwar mit 172.308 verkauften Heften im 3. Quartal über der Zielmarke, doch dafür wurde das Blatt auch quasi fast verschenkt. Und sowas macht weder dem Vertrieb Spaß noch letztlich den Werbekunden, die ein hochwertiges Magazin und keine Ramschpostille gebucht haben.
Interimsnachfolger bei “Vanity Fair” wird “Glamour”-Chefredakteur Nikolaus Albrecht. Wenn er das Blatt und die Erlöse nicht rumreisst, sehe ich 2008 schon die nächste Pressemitteilung über die “strategische Neuausrichtung” eines Lifestyle-Titels im Postfach.
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MAX weg? Schade. Zu ihrer früheren Größe hat sie zwar nie wieder zurückgefunden, aber nachdem sie zwischenzeitlich zu einer besseren TV Spielfilm verkommen war, konnte man sie inzwischen zumindest wieder neben dem Klo liegen haben. Zum Lesen mein ich natürlich!
Da haben es die Burda’s doch geschafft, aus der einstigen Kreativschmieder Verlagsgruppe Milchstrasse in Hamburg einen biederen Handwerksbetrieb werden zu lassen. Und dort konnte
ein “Kreativ-Pflänlein” wie MAX nicht zu neuen höhen wachsen.
Schade. Denn was den Grossverlagen fehlt ist Mut. Mut orientiert an Trendentwicklungen. Denn am Geschmack des Publikums kanns nicht liegen. Denn Unternehmen wie Ikea, Zara oder H& M zeigen, dass guter Geschmack zu einem Mengentrend geworden ist. Printobjekte spiegeln aber meistens den Geschmack von gestern oder vorgestern wider. Kein Wunder, dass dem Konsumenten daher die Lust an Printobjekten verloren gegangen ist. Man will nicht bekanntes und vetrautes sehen. Zeitschriften müssen entdecken und fazinieren. Das macht man nicht mit den Themen von gestern und den Bildern von vorgestern.
Genauso wie etliche Verlage nur auf Clickrates schielen, haben sie auch in Print nur Auflage, Auflage im Blick. Und so springen sie am Ende nur mit der 4711ten Variante des Ewiggleichen auf einen ohnehin vollbesetzten Zug auf. Wer mit spitzen Bleisitft gerechnete Projekte für eine streng fokussierte Zielgruppe in der Mappe hat, kommt doch kaum am Pförtner vorbei. Trotz Objekten wie Dummy, Liebling oder Vice. Denn in den Verlagen fehlt es vielfach schlichtweg an der Phantasie die Nische zu vermarkten. Stattdessen rennen sie weiter einer Fata Morgana eines Massensegments hinterher. Und produzieren dadurch Objekte vom Reissbrett der Marktforschung, die wenig mit den Zielgruppen und noch weniger mit den Wünschen der Leser zu tun haben.
Es hat wohl weniger mit dem Konflikt Großverlagsdenke vs. kleine Kreativschmiede zu tun, dass “Max” uns verlässt. Mit dem Titel wurde ja wohl eher zuviel als zu wenig rumexperimentiert, neu positioniert und was weiß ich. Es wußte irgendwann niemand mehr, wofür dieses Heft noch stehen sollte, was es bieten sollte, das andere nicht auch haben. So einen Lauf als Frontrunner, wie ihn “Max” in den ersten Jahren hingelegt hat, kann halt nicht jeder auf die lange Distanz durchhalten (siehe “Twen” oder auch “Tempo”/”Wiener”).
Schade, schade, schade. Meine heißgeliebte Max wird mir weggenommen. Mit Entsetzen musste ich diese Mitteilung lesen. Jeden Monat hab ich mich auf sie gefreut, jede gekauft und archiviert.
Was gibt es als Alternative? Vanity Fair? Kommt ihr ähnlich aber ist zu mainstream. GQ ist auch nur ein Modeprospekt. Inhaltlich ziemlich schwach. Sie wird mir fehlen. All die tollen Fotos, die City-Reportagen, die Agentur-Features, die schönen Reportagen, das bunte, lebendige, informative, trendige Blatt. Ehrlich, das wurmt mich gerade sehr. Es gibt einfachkeine kompakte Alternative… Adieu meine Schöne…