Spießer Alfons: Werbliche Radikalkur für Opel
Im Normalfall wird Werbung von Profis gemacht. Jedenfalls dann, wenn es sich um Werbung für große Unternehmen und Marken handelt. Mitunter wird Werbung aber auch von Amateuren gemacht. Zum Beispiel von Praktikanten.
In der Werbeagentur HKS+B in Hamburg sitzt offensichtlich eine Praktikantin. Als kreative Direktorin auf dem Etat von Dello, dem Opel-Händler. Dieser hatte ins Briefing für seine Agentur geschrieben: „Dello reduziert den Preis des Opel Meriva von € 18.969 auf € 13.990.“ Und woran denkt eine junge Dame, wenn sie etwas von „reduziert“ hört? Klar, sie denkt an ihr Übergewicht, das sie schon immer reduzieren wollte!
Um es kurz zu machen: Schaut Euch die Annonce von Dello an! Wir sehen dort links oben im Bild eine Opel-Fahrerin, die am eigenen Leibe demonstriert, wie eine „Radikalkur für Meriva-Preis!“ aussieht: Die Hose ist danach drei Nummer zu groß! Das kommt von der „radikalen Preisdiät“, erfährt der Anzeigenleser und sieht einen Meriva auf dem Teller parken zwischen Messer und Gabel, Karotten und Erdbeere. Und „für langen Genuss“ gibt es darauf auch noch „6 Jahre Garantie“. Was weitaus mehr ist als man bei den Weight-Watchers bekommt!
Und während die Opel-Kundin minimiert ist, ist das Angebot von Dello „limitiert“. Bleibt ausgangs nur die spießige Frage von Alfons im Werberaum stehen: Ist der Opel-Meriva so eng, dass eine mollige Fahrerin erst einmal eine Radikaldiät machen muss, um auf das Angebot einsteigen zu können…?
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Passt doch garnicht schlecht zu einer Firma mit dem Slogan “Leistung von Mensch zu Mensch”. Das hat einen Hauch von Weightwatchers
Werbung sollte einfach nur Vorteile zeigen oder zumindest neugierig machen. Übergewichtige Menschen fühlen sich da sicher nicht angesprochen – eher aber beleidigt. Die Grundidee ist ja nicht so verkehrt. Aber der Zusammenhang kommt da nicht ganz rüber – zumindest nicht auf den ersten oder zweiten Blick. Und Gemüse und Auto? Vegetarische Iss die Hälfte Autos?
Jaja, die Tücken der Preis-/Angebotswerbung.
Eigentlich reicht es zu sagen:
Statt 18.969 Euro jetzt nur 13.990 Euro.
Dann das Auto drunter, Logo dazu und den Händler-Streifen.
Alles wäre doppelt so groß und auffällig – und man käme locker mit ner 1/2 Seite hin.
Aber wahrscheinlich war die ganze Seite schon gebucht.
Und die Textabteilung freute sich nen Hirsch, so viele Analogien zum Körpergewicht-Abnehmen zu finden.
Die Grafik-Fraktion lachte sich eins, weil die Anzeige aussieht wie eine Redaktionelle Seite der BamS – so wegen Unterschwelligkeit und ironische Anspielung und so.
Und alle anderen freuten sich einfach, dass der Kunde sein forsches, mutig-kreatives Eigenbild in dieser Anzeige wiedererkannt hat…
Ach, das ist doch eh nur so ne scheiß Händlerwerbung, da habe ich schon schlimmeres gesehen…
@ Beginner
Der Unterschied scheint mir zu sein, dass hier die CI von Opel ziemlich angekratzt wird.
Das Ding ist natürlich furchtbar, aber Händlerwerbungen leben oft genug in ihrer eigenen Welt. Die so gar nichts mit der CI der jeweils zu verkaufenden Marke haben muss – zahlt die Marke ja schließlich nicht, hat also auch nicht darüber zu bestimmen.
Klar kann das Harakiri heißen, aber da ist man offenbar schmerzbefreit. Hab ähnlich Schlimmes jedenfalls auch schon von VW-, BMW-, Cadillac- und Mercedes-Händlern gesehen.
wo kämen wir da auch hin, wenn ein opel händler die opel-CI ernst nehmen würde. da würde er ja für opel werbung machen. nicht mit herrn dello!