Kein Euro für Facebook und die Samwer-Brüder
Ich würde den Samwer-Brüdern kein Geld leihen. Nicht nach dem Facebook-Deal. Die US-Community sehe ich längst nicht an StudiVZ vorbeiziehen. Nicht in Deutschland. In jedem Fall nicht vor Ende 2010. Mindestens. Da mögen die Samwers noch so jubeln: innovativ, innovativ, innovativ.
Bessere Standards sind dem Markt letztlich schnuppe. Wenn es anders wäre, würde man heute nicht VHS benutzen sondern Betamax. Vielleicht ein schräger Vergleich.![]()
Aber was sind denn die Bedürfnisse? Was suchen denn die Nutzer in Communities? Sie wollen Freunde finden, Freunde wiederfinden, sich selbst darstellen, Menschen mit ähnlichen Einstellungen finden und kommunizieren. Communities sind das Telefon von heute und die E-mail von Morgen.
Eine alternative zu Xing? Business-Kunden dürften ihn ihrem Wechselverhalten noch konservativer sein als Kids und Teens. Dort wird es sich für Facebook kaum lohnen auf Nutzerfang zu gehen.
Es gibt also derzeit einfach keinen Grund zu wechseln, sich die Mühe neuer Profilgestaltungen aufzuladen und sein eigenes Netzwerk neu aufzubauen. Eher glaube ich daran, dass regional ausgerichtete Netzwerke wie die Lokalisten oder Kwick deutlich weiter wachsen werden, weil sie leichter von der Verknüpfung mit dem lokalen, realen Raum profitieren können. Auch dürfte StudiVZ auf Dauer von der Markenanbindung an das ebenfalls nicht schlecht entwickelte SchülerVZ profitieren.
Das zumindest in der Internetszene angekratzte Image von Xing und erst recht von StudiVZ wird Facebook keine Hilfe sein. Der Protest hielt sich in Grenzen, die Zahl der Abwanderungen gleicht gerade einmal einer watteweichen Ohrfeige. Da zeigt sich eher einmal mehr die Behäbigkeit der Nutzer. Mangels derzeitiger Alternativen? Wie Facebook? Nicht auszuschließen, dass auch die Community – wie bereits in der Vergangenheit – noch manchen digitalen Datenschutz-Missgriff produziert.
Die Legionen an Features und Applikationen bei Facebook – ein Vorteil? Wohl doch nicht mehr als Spielereien, die keinen entscheidenden Wettbewerbsvorteil herstellen. Die sich noch dazu – ja – kopieren lassen. Aber wozu? Entscheidend ist allein, wie bequem meine Kommunikationsbedürfnisse erfüllt werden. Da ist das simple rudimentäre System von StudiVZ gegenüber dem technisch verspielten Facebook mit Blick auf den Massenmarkt klar im Vorteil.
Denkbar finde ich lediglich die Option, dass Facebook in nicht allzuferner Zukunft StudiVZ eingemeindet aufkauft. Denn für die Studenten-Community läuft es auf europäischer Ebene offenbar keinesfalls so rund wie erhofft. Man hört dazu wenig konkretes, wie Mike Schnorr bemerkt. Und das ist immer ein schlechtes Zeichen. Wenn Holtzbrinck also merkt, dass das Europageschäft keinen nennenswerten Beitrag zur Rendite liefern wird und die deutschen Nutzer sich nicht in der erhofften Höhe monetarisieren lassen, könnte das Verlagshaus eine lukrative Exit-Strategie wählen.
Dies müsste, wie Martin Weigert zu recht schreibt, dann noch nicht einmal eine Notbremse sein, sondern eine Entscheidung für die bessere Rendite. Vielleicht sollte ich den Samwer-Brüdern also doch mein Geld leihen?



















Der Einstieg der Samwers ist in meinen Augen der Zwang für Holtzbrinck, StudiVZ an Facebook zu verkaufen. Wie man in der Internetszene lesen kann, tendiert der Innovationsgrad auf der deutschen Plattform gen Null. Das Credo liegt derzeit auf der Montarisierung der Mitglieder, denn es geht Holtzbrinck darum, die geschätzten 85 Millionen ansatzweise wieder reinzuholen. Facebook wächst einfach – bei Mitgliedern und Funktionalitäten. Da kann und will Holtzbrinck gar nicht mithalten. Facebook kann es sich leisten, so lange die Internetauguren glauben, dass Facebook einen Wert von derzeit 15 Mrd. Dollar hat.
Der Schachzug von Zuckerberg, die Samwers mit ins Boot zu nehmen, ist genial. Mit ihrem European Foundes Fund sind sie in der Lage, nahezu jede Internetidee in den Markt zu drücken. Die Marktmacht ist mit ihrem Netzwerk einfach vorhanden. Am Kapital fehlt es auch nicht, denn sie haben auch noch United Internet im Rücken.
Besonders spannend ist es für Holtzbrinck, denn dort fragt man sich sicher, welche Strategie jetzt richtig ist. Es dürfte eigentlich im Wesentlichen darum gehen, wann man verkauft. Und dann wäre es für Holtzbrinck wichtig zu wissen, was für Facebook wertvoller ist: Umsätze oder Anzahl der Mitglieder.
Und da Holtzbrinck ja auf anderen Feldern mit den Samwers noch zusammenarbeitet, könnte ich mir sogar vorstellen, dass man es schon weiß…
Ich denke auch, dass das nur die Vorbereitung des Verkaufs von StudiVZ an Facebook ist. Aber selbst wenn nicht, wird ein deutschsprachiges Facebook, das deutsche Berater mit Marktkenntnis hat, hier durchaus Wechselwillige finden. Es sind ja jetzt schon viele Deutsche bei Facebook, zumindest die, die sich internationaler orientieren. Weil man bei XING einfach aus bestimmten Ländern niemand findet. Und XING hat zu wenig Features. Diese Spielereien bei Facebook – das wird total unterschätzt – bieten die Möglichkeit für Businessleute ihren Spieltrieb auszuleben und Geschäftsbeziehungen persönlicher zu gestalten. Ob man das gut findet oder nicht: es ist offensichtlich gewünscht.
Wobei ja eben noch sehr deutliche Unterschiede bei den einzelnen Protalen zu finden sind. Alle, die zwar schon länger bei StudiVZ angemeldet sind, suchen schon irgendwie den interantionalen Touch bei Facebook. Aber letztendlich ist es schon die Frage, was man wirklich damt anfangen will. Der Spieltrieb muß doch irgendwann mal befriedigt sein.
Xing und StudiVZ sind halt “unbeliebt” geworden, weil sie erfolgreich geworden sind. Das Neiddenken ist in Deutschland immer noch sehr stark ausgeprägt.
Auf der anderen Seite: Wie gut, dass die Samwers sich sicherlich nie in diesem Leben von Dir Geld leihen müssen, in sofern hat sich das Problem dann auch selbst erledigt. Es wird wohl einen Grund dafür geben, warum sie das machen was sie machen und Du das, was Du machst. Das sind die Unterschiede