Spießer Alfons: Anzeigen mit Redaktion
Alfons hat eine Zeitschrift gekauft. Verbindlicher Kaufpreis: 6 Euro. Als der Spießer das Magazin aufgeschlagen hatte, sah er als erstes eine Anzeige: 5-seitig (!), weil aufklappbar. Danach folgt eine weitere Anzeige, doppelseitig. Und so geht es weiter. Bis zur Seite 36! Dann auf Seite 37 die erste redaktionelle Seite: das Inhaltsverzeichnis. Anschließend von Seite 38 ff bis Seite 46: Anzeigen. Auf Seite 47: Fortsetzung vom Inhaltsverzeichnis, daneben eine Anzeige. Dann folgen die Seiten 48 bis 57 mit — richtig: Anzeigen! Auf Seite 58 nur eine kleine Anzeige, daneben Redaktion: das Impressum! Hernach wieder Anzeigen, Anzeigen, Anzeigen. Bis Seite 66, wo wieder Redaktion ist: Fortsetzung vom Impressum neben einer Eigenanzeige der Zeitschrift, die der Spießer für 6 Euro gekauft hat. Und was folgt danach? Richtig: Anzeigen! Bis Seite 79! Auf Seite 80: Editorial. Dann wieder Anzeigen. Bis zur Seite 89. Nach dieser folgt dann endlich der Anzeigenteil, der mehrfach von Redaktion unterbrochen wird.
Das Anzeigenblatt ist die deutsche VOGUE. Und der Verlag ist zu beneiden, ehrlich! Denn Alfons vermutet, dass die Leserinnen des Magazins die Anzeigen — alle aus der Modebranche — wie Redaktion betrachten. Zumal in den Doppelseiten zumeist nur der Marken- oder Firmenname steht, das Wörtchen „Anzeige“ natürlich nicht.
Spießige Frage: Glaubt jemand von Euch, dass so was auch bei Männer-Magazinen möglich wäre…?
(Natürlich nicht. Es sei denn, sämtliche Dessous-Marken würden sich zu einer Verbundwerbung vereinen!)
Wie sagte doch Dichter Nebel in einem anderen Zusammenhang? Er sagte: “Frauen kriegen die Klamotten — Männer kriegen die Motten!”
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vielleicht ein Versuch fürs Guinessbuch der Rekorde?
Ging mir mit dem unsäglichen “Liebling” ähnlich: Verschwurbeltes Editorial und sonst nur Belanglosigkeiten als Beilage zur Reklame.
Da braucht man keinen Chefredakteur – da genügt ein Chefdekorateur
!
Der (Mode-)Wirtschaft scheint es gut zu gehen
Interessant wäre wie viele Seiten mit Inhalten nun eigentlich übrig geblieben sind und wie viele Seiten genau aus Werbung bestanden…
(Und warum um Himmelswillen der Spießer sich eine Vogue kauft?)
@ Jens Bayer
Ich hatte dann einfach keine Lust mehr, weiter zu zählen. Warum ich mir die VOGUE kaufe? Wegen der Anzeigen natürlich.
ich hab letztens mal die Männer-Vogue (gibt es wirklich!) in die Hände bekommen. Da waren die ersten 50 seiten ebenfalls… Anzeigen!
Hab mir sogar mal für 13,50 eine Zeitschrift gekauft. Und da war — bis auf die ersten 8 Seiten — ausnahmslos Werbung drin. Lürzers oder so ähnlich…
@andreas: Der letzte Kauf einer “Männer Vogue” dürfte paar Jährchen her sein, oder? Wurde das Blatt nicht schon vor zehn Jahren zu “GQ” umgewidmet?
Aber wie auch immer: Es ermüdet, sich erst durch ein Konvolut von Anzeigen blättern zu müssen, bis überhaupt mal das Inhaltsverzeichnis kommt. Dann stellt man weiter hinten im sogenannten redaktionellen Teil fest, dass den ganzen Hilfigers, Laurens, Armanis und wie sie alle heißen ganz unverhohlen das Weihrauchfass geschwenkt wird. Wenn dann noch Luxusuhren-Specials oder andere pseudoredaktionelle Sonderstrecken dazu kommen, könnte man den Presserat mit einer Ausgabe monatelang beschäftigen. Aber es beschwert sich halt keiner…
@ Thomas