Mehr Gebühren fürs Gemeinwohl! — Eine Satire aus Verzweiflung —
(Dies ist ein Gastbeitrag von HORIZONT-Korrespondent Roland Pimpl)
Beim Thema Werbung auf ARD und ZDF hat sich eine seltsame Koalition aus FDP und Linkspartei gebildet. Die Knallroten und die Blassgelben fordern ARD und ZDF zum Verzicht auf Werbung auf. Dies stärke die Glaubwürdigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, meinen die beiden Oppositionsparteien. „Wer nicht auf externe Zahlungen angewiesen ist, agiert unabhängiger, glaubwürdiger und objektiver“, sagt Christoph Waitz, der medienpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion.
Ach ja? Dann sind also nicht nur Privatsender unglaubwürdig, sondern auch die weitgehend werbefinanzierten Zeitungen, Zeitschriften und Nachrichtenportale? Herr Waitz: Bitte lassen Sie dann doch Werbung generell verbieten — für mehr Glaubwürdigkeit aller Medien! Das wäre auch eine wunderbare Generalbegründung für Werbeverbote, wenn das Gesundheitsargument nicht mehr zieht. Tabak, Alkohol, künftig auch Schokolade und Autos — hier können die beamteten Bevormunder noch Gesundheits- und Umweltargumente vorschieben. Doch bei Papiertaschentuch- oder Babybreiwerbung wird’s schwierig. Diese Lücke könnte dann das Glaubwürdigkeitsargument füllen.
Stattdessen sollte es noch viel mehr öffentlich-rechtliche Angebote geben: TV, Online – und hoffentlich bald auch Print. Denn egal ob „Stern“, Spiegel Online oder N-TV: Überall diese auf den schnellen, billigen Leser- und Zuschauererfolg zugeschnittene Themenprogrammierung und Cover-Politik. Und die Werbung stört! Und macht das Medium und die ganze Redaktion auch irgendwie käuflich.
Dabei wäre doch alles so einfach: Die GEZ-Gebühren deutlich erhöhen, für alle, also super-solidarisch. Dann ist der Zwang auch nicht so schlimm. Und mit dem Geld dann neue öffentlich-rechtliche Sender, Web-Portale und Zeitungen gründen und damit den lästigen privaten kommerziellen Angeboten, die sich durch Werbung finanzieren müssen, die Zielgruppenbutter vom Brot nehmen.
Okay, dann werden sie wieder jammern, die Schäferkordts, Müller von Blumencrons und Markworts dieser Welt. Aber denen geht’s ja nur ums Geld, die denken nicht ans Gemeinwohl. Fürs Gemeinwohl aber wäre besser: Mehr öffentlich-rechtliche Medien, und weniger private. Mehr Mediengebühren, und weniger Werbung. Mehr Bürokratie, weniger BWL.
Denn eines ist doch klar: Der Staat kann’s einfach besser! Wird also höchste Zeit, dass dieser historische Irrtum, die Printpresse dem freien Markt zu überlassen, beendet wird. Man sieht’s ja am Kiosk: „FAZ“, „SZ“, „Spiegel“ — nur Schrott mit Werbung. Und als nächstes bitte die Bäcker verstaatlichen: unerträglich, wie die sich gerade am Hunger ihrer Mitbürger bereichern.
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“Man sieht’s ja am Kiosk: „FAZ“, „SZ“, „Spiegel“ — nur Schrott mit Werbung”
Wo er Recht hat, …
Aber mal von nacktem Fleisch und Islamophobie auf den Covern, bildergalerie-strickenden Klickzahlsammlern, Presse- und Agenturmeldungs-Abtippern und Journalisten, die sich aus Angst vor Verlagseignern und/oder Werbekunden nicht an bestimmte Themen herantrauen abgesehen:
Ich finde diesen Gastbeitrag ein wenig arg weinerlich. Ich kann kein einziges ernsthaftes Argument gegen einen solchen Werbestopp erkennen. Sieht da etwa jemand einen Gutteil seiner Felle davon schwimmen und schmollt deshalb?
Und: wenn ich schon zwangsweise für die ÖR’s löhnen muss, wärs doch schön, wenn ich dort keine Werbung erleiden müsste. Ist ja auch im Internet ein durchaus gängiges Modell, die Bezahlversion werbefrei zu machen.
Was das vor Sarkasmus triefende:
“Denn eines ist doch klar: Der Staat kann’s einfach besser!”
angeht, mag sich der geneigte Leser vielleicht folgendes aktuelles Beispiel zu Gemüte führen:
http://www.tagesspiegel.de/ber.....28,2460140
Und zum Schluß: warum sollte der Zwang der GEZ-Gebühren weniger schlimm sein, wenn man sie deutlich erhöht?
Es geht, glaube ich, nicht um “Argumente gegen einen Werbestopp”. Es geht um die merkwürdige Argumentation der steigenden Glaubwürdigkeit bei abnehmender Werbefinanzierung. Im Print sieht das natürlich (noch) etwas anders aus.
Der Spiegel hat bei mir zum Beispiel nicht durch seine kiloweise beiliegenden Broschüren verschissen, sondern durch sein zunehmend abnehmendes Niveau. Der aktuelle Titel war dann der berühmte Tropfen. Folge: Kündigung. Das hat aber mit der Werbung nüscht zu tun.
–> fennek und ramses101:
Danke für Ihre Kommentare! Dazu jetzt mal eine gänzlich unsatirische und unpolemische Nachbemerkung: Es gibt ja zwei Grundmodelle, die (Medien-) Wirtschaft zu gestalten: Auf der einen Seite Zwang (z.B. GEZ) und Verbot (z.B. Werbung auf den öff.-rechtl. Sendern). Und auf der anderen Seite Wahl- und Vertragsfreiheit (z.B. im Leser- und Werbemarkt der Printpresse).
Ich finde, das zweite Prinzip funktioniert besser. Siehe Bahnhofskiosk: eine Auswahl ohnegleichen. Billige Massentitel, hochpreisige Nischenmagazine, Hefte mit viel, wenig oder gar keiner Werbung, Ramsch und Anspruchsvolles. Markt halt.
Denn beim ersten Prinzip, das viel auf Zwang und Verbote baut, hakt es doch an allen Enden: Dauerstreit um Geld und Geschmäcker (“Gehört Volksmusik zur Grundversorgung?”), Marktverzerrung, Bürokratie, politischer und wirtschaftlicher Lobbyismus …
Mein Wunsch wäre eben nur, dass auch im TV-Markt so langsam mal ein paar Prinzipien des Printmarktes Einzug halten. Aber leider scheint das Gegenteil der Fall zu sein: Mehr Zwang (GEZ-Erhöhung; Ausweitung des öff.-rechtl. Hoheitsgebietes ins Web) und mehr (Werbe-) Verbote.
Und aus dieser Beobachtung bzw. Befürchtung heraus entsteht eben manchmal “Satire aus Verzeiflung” …
)
Danke für Ihr ‘Zeitzeichen’! Hinter dem Ganzen steckt nicht nur die Frage nach den Motiven der Werbezensoren, sondern eine grundsätzliche: nach dem Wert der Werbung für Wirtschaft und Gesellschaft. Also nach den ökonomischen und sozialen Effekten von Marktkommunikation – für die Volkswirtschaft, für die Investoren von Werbung, für die Arbeitsplätze, für die Bürger als Konsumenten, für die Medien und nach dem Mehrwert für die Kultur. Solche Kopfarbeit ist den meisten Kritikern aber offenkundig zu anstrengend. So kommen absurde Ideen von Werbezensur zustande. Da wünscht man sich nicht nur einzelne Stimmen der Vernunft und Realität. Es fehlt der Aufstand der betroffenen Gruppen.