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Andrea Berg und die Werbung für die Massen

3. Februar 2008
von

Bis gestern war ich mit meiner Allgemeinbildung ganz zufrieden. Bis ich über Andrea Berg im TV stolperte. Okay: ich kannte die Namen aller Marx-Brother, bekomme noch die Bandmitglieder der Beatles zusammen und weiß, Moby ist nicht nur ein Wal. Aber Andrea Berg? Und dann taucht die Dame, Schlagersängerin, auch noch in der “FAS” wieder auf. Und ist ein Phänomen, weil sie mit ihrem Best-of-Album länger in den Charts ist als irgendjemand sonst, den man dort eher erwarten würde. Beatles, Pink Floyd, Britney Spears, Heino – oder so. Und dann tritt Andrea Berg am Montag in Kleinaspach im Hotel Sonnenhof auf. Kleinaspach, das klingt eher nach dem Ende nach der Karriere als nach der Spitze. Aber weit gefehlt. Das Phänomen Andrea Berg lehrt denn auch so einiges für die Werbung.

Zum Beispiel, das “Ran an den Kunden”, “Ran an den Point of Sale” und eben die Nähe zum Kunden wichtiger sein kann als jede PR-Geschichte, die aus zweiter Hand in Postillen verbreitet wird. Gutes Marketing macht die Marke eben in Kleinaspach und jedem Sonnenhof dieser Welt erlebbar. Und eben nicht nur im TV und auf einem Plakatständer, weil man für solche Kampagnen schicke Mappen fabrizieren kann. Die Ochsentour zählt, die lange Flachetappe (Bionade, Red Bull). Wo kein Sonnenhof ist, kann man immer noch die Bühne im Web 2.0 selbst zimmern auf der der Dialog dann stattfindet.

Berg zeigt auch, ebenso wie die Anhänger Wolfgang Petrys, dass es dort draußen eine Welt gibt, die weit entfernt ist von den kreativen Gedankenspielen und kreativen Höhenflügen der Werber und Marketer. Eine Zielgruppe, die in Massen immer noch zu Tosca und Tabac greift und klare, offene Botschaften bevorzugt und auch so wohnt.

Nicht weil sie mit den sublimen und künstlerischen Kampagen überfordert wäre, sondern weil die von allen Kindern geliebte Mutter, die eine Tütensuppe mit heißem Wasser aufgießen kann, immer noch am ehesten ihrer Lebensrealität und ihren Lebensträumen entspricht.

Und aus eben jenem Grund funktionieren diese langweiligen und unkreativen Kampagnen beim Absatz ja auch immer noch so gut. Weil sie so nah an den Lebenswelten des Massenmarktes sind, sich so simpel am PoS übersetzen lassen. Es ist der Andrea-Berg-Effekt – einfache, archaische Schlüsselreize direkt bedienen. Titel: Du, Splitternackt, Jenseits der Zärtlichkeit, Diese Nacht soll nie enden, Warum nur träumen, Einmal nur mit dir alleine sein.
Werbung für “Nimm 2″ oder Spagetthi klingt auch nicht anders, funktioniert auch nicht anders. Dauert aber anders als ein Berg-Song gottseidank nur 30 Sekunden.

Ein weiterer Faktor für ihren Erfolg ist die Penetranz Konsequenz: Seit über zehn Jahren heidschibumbeitschi. Im Marketing ist das angesichts der Fluktuation des Personals kaum noch machbar, weil jeder neue Marketer eine neue Duftmarke setzen muss – und wenn doch, fragt man sich, ob Spülmittelwerbung so langweilig oder Rewe-Werbung so spießig sein muss. Muss sie.

Denn es sind die Andrea-Berg-Fans und kaum die Hörer der Babyshambles, die sich Gedanken darüber machen, welche Spülmittelmarke sie kaufen sollen. Nicht, dass Fans von Babyshambles und Co andere Werbung benötigen würden als Andrea-Berg-Hörer. Man muss sich nur den Erfolg von Beck`s Gold und die entsprechenden Becks-Kampagnen für Freiheit, Individualität, Abenteuer ansehen. Die Leute dort in den Spots tragen lediglich schickere Klamotten als bei Miracoli.

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Kommentare zu “ Andrea Berg und die Werbung für die Massen ”

  1. frank am 3. Februar 2008 um 15:49 Uhr

    Und manchmal sagt ein Songtext einfach alles.
    “Du hast mich tausendmal belogen, du Hast Mich Tausendmal betrogen (…) Ich würd es wieder tun – Mit dir.”

  2. Robert am 3. Februar 2008 um 20:18 Uhr

    Schlager und volksdümmliche Musik fahren die großen Umsätze ein, trotz Imageproblemen in de rveröffentlichten Meinung.

    Das ist doch kein wirklich neue Erkenntnis, oder?

  3. OlafKolbrueck am 4. Februar 2008 um 07:58 Uhr

    @robert. darum geht es ja auch letztlich nicht. Spannender ist doch die Frage: Braucht Werbung mehr von Andrea Berg oder mehr von den Babyshambles?

  4. Horst Hügel am 4. Februar 2008 um 08:56 Uhr

    @ Olaf

    Die Frage ist zu verallgemeinernd, finde ich: “Braucht Werbung …?” Welche Werbung? Jede Werbung? Und warum sollte jede Werbung das selbe brauchen?

    Andrea Berg Fans mögen in der schlicht gestrickte Tat Heilewelt-Tütensuppen-Werbung “brauchen”.

    Aber dass Babyshambles-Fans (Ich finde die total ja überbewertet, will aber gern in deiner Analogie bleiben) die gleiche Scheiße, nur in hipperem Gewand, “brauchen”, möchte ich mal bezweifeln.

  5. Vroni am 4. Februar 2008 um 16:19 Uhr

    Das Volk ist so dumm… und wir sind seine Werber! (Schluchz)

  6. OlafKolbrueck am 4. Februar 2008 um 19:38 Uhr

    Manchmal möchte man aber auch einfach – dumm oder nicht – glauben dürfen: Wie arm wäre die Welt ohne Byzantiner Königsnüsse, Carmagnola-Minze, Piemont-Kischen und Kirschexpertin Frau Bertani. ;-)

ivw